Das Surface Go einer Schülerin ist kaputt – die Batterie lädt nicht mehr. Ein Hardwaredefekt, zeitgleich mit der Anfrage des WDR, an unserer Schule etwas zu digitalen Unterricht drehen zu dürfen. Oh je…

Wie an zahllosen anderen Schulen auch (hier eine erschreckende Übersichtskarte ganz Deutschlands) befindet sich eine unserer Klassen in Quarantäne.
Das bedeutet für die Schülerinnen und Schüler allerdings nicht vorgezogene Ferien oder Mailanhänge mit .pdfs zum selberdrucken – sondern sinnvollen Fernunterricht.

Nicht nur die Kinder sind ganz dankbar für den strukturierten Tagesablauf – auch die Eltern sind nicht unglücklich, dass wir als Schule eine genaue Vorstellung davon haben, was zu tun ist.

In dem Fernsehbeitrag (wie diesem hier über uns bei SAT.1) lässt sich so etwas auf wenige Sendeminuten zusammengefasst hübsch darstellen: Kinder und Lehrkräfte, die sich von der globalen Pandemie nicht unterkriegen lassen und das Beste draus machen. Der Computer als Werkzeug. Spätestens die Schulschließung hat auch die letzten Zögerer unserer Tabletschule verstummen lassen. Trotz – oder gerade wegen – Corona, erhalten wir weiterhin im Wochenrhythmus Besuchsanfragen anderer Schulen.

Als kleine Gesamtschule im Aufbau können wir die Aufmerksamkeit gebrauchen. Sowohl von anderen Schulen, als medial durch das Fernsehen. Und noch bevor ich mir Gedanken über meine Schülerin machen kann, meldet die sich über den schulinternen Messenger bei mir.

„Hallo Herr Klinge, war mit meiner Mama im MediaMarkt. Habe jetzt ein Ersatzgerät.“

digitale Kompetenz

Toll, denke ich, dann musst du ja nur noch… Da bimmelt der Messenger erneut.

„Hallo Herr Klinge. Habe OneNote installiert.“

Und dann geht es Schlag auf Schlag. „Lade gerade alle Hefte wieder herunter.“ „Habe Teams installiert.“ „PowerPoint ist jetzt auch drauf – das brauchen wir doch, oder?“

Am frühen Abend die letzte Nachricht.

„Ich habe jetzt alles eingerichtet und auch synchronisiert.“

Das!
Genau das ist jene digitale Kompetenz, von der immer alle sprechen. Die wir den Kindern vermitteln wollen. Eine Elfjährige ist in der Lage, ihren Computer wieder herzustellen, Programme zu installieren, sich überall anzumelden und für sich selbst zu sorgen.

Wie so oft in der Schule, wenn es um unsichtbare, weiche Faktoren geht, sind diese schwer in Klassenarbeiten zu fassen oder in einem Fernsehbeitrag zu demonstrieren. Bei dem ein oder anderen ist allein der Begriff „Kompetenz“ schon zu einem pädagogischen Unwort geworden – aber hier trifft er den Nagel auf den Kopf: Wenn meine Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Schulzeit ins Leben treten und mit digitalen Werkzeugen so sicher umgehen können wie diese Elfjährige, dann bin ich guten Mutes!