Bevor es nächste Woche unter verschärften Bedingungen wieder losgeht, habe ich den Anfang der Woche noch einmal als Resetknopf genutzt und bin in die Einsamkeit geflüchtet. So sehr ich meine Familie liebe – hin und wieder habe ich das tiefe Bedürfnis nach Abstand, nach Ruhe. Ein Bekannter schwärmte von einer Woche in einem Schweigekloster – und vielleicht wäre das auch etwas für mich.

Einsamkeit suchen und finden 1Da passt es gut, dass ich auf meiner gestrigen Wanderung über die Überreste einer uralten Basilika gestolpert bin. Viel Zeit habe ich an einem Ort verbracht, der jahrhundertelang in Vergessenheit geraten war und nun in Einsamkeit, inmitten eines Waldes, die Zeiten überdauert.

Mit dem gewonnen Abstand habe mir – wie so oft – Gedanken über die Prioritäten in meinem Leben gemacht, über meine mittelfristige berufliche Zukunft sinniert (und für mich eine Entscheidung getroffen) und zurückgeblickt und nach vorne geschaut. Fast zwei Stunden auf einer Bank gesessen, wie in einem alternativen Universum und in dem Moment gelebt. Manches gedanklich zerbrochen, anderes aufgenommen. Tiefer geatmet als sonst.

Zu Hause leidet meine Familie unter meiner eremitischen Laune. Nur mit Mühe kann ich davon abgehalten werden, einen großen Müllcontainer zu bestellen und aus-, aus-, auszumisten. Nach zwei Stunden in den Überresten einer alten Kirche erscheint mir unser Haus zu groß und zu laut. Völlig klar natürlich: Ich bin ein Opfer des „Nostalgie-Fantasie-Effekts“:

Einsamkeit suchen und finden 2

Wird Zeit, dass die Schule wieder losgeht.

Aufregende Projekte warten schon und ich freue mich – aber ein kleiner Teil von mir sitzt immer noch auf dieser Bank an der alten Basilika und genießt die Einsamkeit.