Ich finde nur noch selten die Ruhe, ein Buch zu lesen. Meine Zeit ist mir zu kostbar geworden, um sie in Romanwelten zu stecken – vielleicht bin ich aber auch zu ungeduldig. Trotzdem habe ich den Ferien zwei Bücher zumindest gehört.

Sachbücher mit „Blinkist“

Ferienlektüren 1

Mit recht großer Begeisterung verfolge ich den Dienst Blinkist, der mir jeden Tag die ausführliche Zusammenfassung eines Sachbuches präsentiert. Die Reduzierung auf Kernaussagen entspricht dem, was ich an Zeit und Interesse zu investieren bereit bin. Rund zehn Minuten brauche ich etwa, um eines der Bücher querzulesen und für mich wesentliche Gedanken zu exzerpieren.

Habe ich viel Zeit, nutze ich das Monatsabo, aber meistens reicht mir die tägliche Empfehlung. Die Zusammenfassungen sammle ich in OneNote. Manchmal motiviert mich eine Zusammenfassung, das Buch anschließend komplett zu lesen, zuletzt bei Bill Gates „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern“ (Link).

Diese Art Literatur befriedigt mein Bedürfnis nach Weiterbildung und Produktivität. Ich bilde mir ein, viel zu lernen.

Ferienlektüren 2Belletristik

Wirklich genießen kann ich Belletristik viel eher als Hörbuch – wenn ich auch da wählerisch bin. Etwa ein Drittel meiner Audible-Bibliothek habe ich nicht zu Ende gehört, weil mich die Bücher irgendwann gelangweilt oder verwirrt haben oder der/die Sprecher:in mir irgendwann auf den Senkel ging.

Aber es gibt Perlen. Und zwei (fast drei) davon habe ich in den vergangenen Wochen gehört und genossen.

„Alte Liebe“ von Elke Heidenreich

Ferienlektüren 3Vor vielen Jahren habe ich „Gut gegen Nordwind“ verschlungen (Link). Das ganze Buch ist ein einziger E-Mail-Verkehr zwischen einem Mann und einer Frau, die sich unermüdlich schreiben und näherkommen. Das Buch knistert vor Anspannung (und ein wenig Erotik) und ist leicht zu verfolgen. Das Hörbuch ist wirklich großartig von Andrea Sawatzki und Christian Berkel gelesen. Wider Erwarten fand ich auch die Verfilmung gelungen.

Beschrieb „Gut gegen Nordwind“ das erste Kennenlernen zweier Fremder, so handelt „Alte Liebe“ von Lore und Harry, die im Herbst ihres Lebens und ihrer Ehe angekommen sind. Ich habe ein wenig gebraucht, um mich an die beiden Sprecher (Heidenreich selbst und Bernd Schroeder) zu gewöhnen, fand sie im Nachhinein aber sehr passend.

Das Buch strahlt eine gewisse Lebens-Wehmut und Liebe aus, die in jeder Zeile durchklingt. Bücher, bei denen man am Ende heulen muss, sind mir die Liebsten. Es hat mir gut gefallen und ich werde es sicher nochmal hören.

„Kleine Wunder um Mitternacht“ von Keigo Higashino

Kleine Wunder um Mitternacht: Roman von [Keigo Higashino, Astrid Finke]Kleine Wunder um Mitternacht“ beginnt mit der Geschichte dreier Einbrecher, die in einen verlassenen Gemischtwarenladen eindringen um nach einem Raubzug unterzutauchen. Doch ihnen wird keine Ruhe gewährt: Ein Brief wird von außen durch den Briefschlitz in den Laden geworfen und als die Kleinkriminellen ihn öffnen, beginnt eine unglaubliche Geschichte.

Dieser Roman besteht aus vielen kleinen Geschichten, die sich am Schluss zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Während des ganzen Buches wurde in mir die Lust geweckt, mich jetzt an den Schreibtisch zu setzen und selbst ein Buch zu schreiben, so sehr haben mich Stil und Handlung verzaubert. Ein bemerkenswertes Buch, das ich sicher nicht so schnell vergessen werde. Großer Pluspunkt des Hörbuchs ist David Nathan, der schlicht wunderbar liest.

„Stay Away from Gretchen“ von Susanne Abel

Ferienlektüren 4Zwei Gründe haben mich bewogen, diesem Buch eine Chance zu geben: Zum einen wird es gelesen von Vera Teltz, deren Stimme ich schon in der Serie „The Mentalist“ als Teresa Lisbon mochte. Außerdem beschreibt die erste Audible-Rezensentin, dass sie dieses Buch hat „Lachen, aber auch Rotz und Wasser heulen lassen.“

In „Stay Away from Gretchen“ geht es um Tom, dessen 84jährige Mutter an Demenz erkrankt und ihrer Kindheit in Kriegs- und Nachkriegsdeutschland erzählt.

Ich bin erst zur Hälfte durch, aber es gefällt mir ausnehmend gut. Mich berührt der Gedanke, dass meine eigenen Großeltern in den 40er und 50er Jahren sehr ähnliche, sehr schreckliche Erfahrungen gemacht haben.

Die Demenz der Mutter geht mir nah und erinnert mich an die Selbstportraits des amerikanischen Malers William Utermohlen. Er dokumentierte seine fortschreitende Alzheimer-Erkrankung, indem er sich immer wieder selbst portraitierte.


In zwei Wochen geht hier in NRW die Schule wieder los. Heute den ersten Tag im Büro verbracht und Unterricht vorbereitet. Freue mich, dass es wieder losgeht – zumal wir ja eine große Schultransformation durchführen (Artikelreihe dazu), von der letzten Samstag auch die Süddeutsche Zeitung berichtete (Link).


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Ein Gedanke zu „Ferienlektüren“

  1. Diese Ungeduld kenne ich. Aber mit den Jahren lerne ich, diesen „Leerlauf“ auch sehr zu schätzen. Der Kopf kann nicht permanent auf Leistung optimiert sein. Der braucht auch mal ein bisschen Pause. Ich hoffe, die nimmst du dir an anderer Stelle!

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