Das neue Schuljahr hat begonnen und abseits vieler organisatorischer Aufgaben im Hintergrund ist mein erstes offizielles Auftreten stets die neuen 5er Willkommen zu heißen.

Was am Ende in einem einzigen Akt mündet ist das Ergebnis vieler Monate Arbeit. Wenn im Frühjahr die Anmeldungen fest sind, setze ich mich mit den Grundschulen auseinander und interviewe die Klassenlehrer*innen zu meinen neuen Kindern. Der Tenor ist: Wenn ich November dastehe und denke: ‚Mist, hätte ich das früher gewusst, wäre ich mit dem Kind anders umgegangen!‘ – dann ist etwas schief gegangen.

In diesen Gesprächen erfahre ich viel Liebe der Grundschulkolleg*innen für ihre Schätze und hilfreiche Informationen. Kinder, denen ein Neuanfang gut tut. Kinder allerinerziehender Eltern, die möglichst mit dem Nachbarkind in eine Klasse kommen sollten. Trigger und Hintergründe, die man als zukünftige*r Klassenlehrer*in im Blick behalten sollte.

Anschließend die Zusammensetzung der neuen Klassen, basierend auf Geschlecht, gleichmäßiger Leistungsverteilung und Grundschulempfehlungen und auch den Wünschen der Kinder: Wer mag gerne mit wem in eine Klasse?
Letzteres klappt oft, aber nicht immer – so dass keinjahr vergeht, indem nicht direkt zu Beginn ein Änderungswunsch bei mir eingeht. „Kann mein Kind nicht noch in die 5D? Da sitzen alle seine Freunde!?“

Neue 5erIn den letzten Tagen der Somerferien treffe ich mich mit dem Team der neuen Klassenlehrer*innen und wir sprechen den Ablauf ab. Corona hat viel Tradition der Einschulungstage zerstört: Keine großen Feste mit Kaffee und Kuchen, keine Aufführungen der älteren Jahrgänge.

Dieses Jahr haben die 6er ein lustiges Willkommen-Video gedreht um zumindest auf diese Weise ihre Grüße loszuwerden und die neuen Schüler*innen konnten Ausschau halten, ob sie ein altbekanntes Grundschulgesicht wiederentdeckten.

Ich mag diese Veranstaltung sehr. Ich mag es, die aufgeregten, vorfreudigen Blicke der Kinder zu sehen und die Mienen der Eltern an diesem ersten Schritt in ein neues Leben. Jahr für Jahr bitte ich um ihr Vertrauen, weil es für mich ein entscheidender Punkt einer jeden erfolgreichen Bildungskarriere ist.

Dieses Jahr, mit der Umstellung auf einen neuen, frischen Ansatz von Schule ist die Arbeit im Hintergrund noch komplexer geworden. Die kleine Gesamtschule im Aufbau, bei der ich damals anfing, hat mittlerweile über sechzig Mitarbeiter*innen  und über 600 Schüler*innen und die gesamte Oberstufe kommt erst noch.

Von all den Ereignissen und Abläufen sind mir die Tage der Einschulung immer ganz besonders ans Herz gewachsen: Hier beginnt der erste Schritt einer großartigen Reise. Und mein Job ist, diese Reise so aufregend und zielführend wie irgend möglich zu gestalten. Ich liebe es sehr.

2 Gedanken zu „5 Minuten Schulleitung: Reiseleiter“

  1. Wir erleben diesen NeuAnfang gerade privat.
    Und haben das Glück, dass unser Sohn auf Kollegen
    mit deiner Einstellung dazu trifft.
    Wir Eltern freuen uns sehr darüber, denn wir hatten kein sehr glückliches Grundschulkind. Der Neustart tut gut und bringt neuen Schwung-inklusive freiwillig gemachter Hausaufgaben. Ein gänzlich neue Erfahrung
    Ich als Mama genieße dies in vollen Zügen.
    Zeiten mit Durchhänger kommen sicher. Doch im Moment stellt sich das Gefühl ein, dass wir als Eltern das mit den neuen Lehrkräften meistern können.
    Danke für die tolle Arbeit

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