Schon seid langen spielt meine älteste Tochter mit dem Gedanken, dieses Blog zu benutzen, um über ein Thema zu schreiben, das ihr besonders auf dem Herzen brennt. Ich empfehle mich an dieser Stelle.


Heute wurde mir eine Frage gestellt, die mich bis jetzt immer noch bewegt. Nein. Bewegen ist der falsche Ausdruck dafür. Es ist nimmt mich eher mit. Aber fangen wir von vorne an.

Für mich, als eine noch heranwachsende Frau, war es ein völlig normaler Tag. So wie eigentlich jeder andere auch. Ich ging in die Schule, versuchte mühevoll zuzuhören und ging dann ehrleichtert wieder nach Hause. Alles lief ab wie immer. Zumindest fast. Denn ein Junge mit dem ich befreundet bin, kam auf mich zu. „Sag mal, wie ist es eigentlich für dich als Frau? Man redet ja davon das ihr benachteiligt werdet, aber davon bist du, da du ja nicht arbeitest, nicht wirklich betroffen. Also gibt es, vorsichtig Ausgedrückt, Nachteile in deinem Leben, dass du eine Frau bist?“, fragte er. Ich lachte einfach nur auf seinen Kommentar hin auf.

Wenn ich so darüber nach dachte, gab es in meiner Woche mehrere Beispiele dafür, dass ich als Frau mich anders verhalten musste. Anders durch meinen Alltag laufen musst. Das schlimme ist nur, dass es für mich, als eine sechszehn Jährige, zu meinem gewohnten Routine geworden ist. Solche Beispiele fielen mir nicht mal mehr auf. Doch als ich merkte, das es mein Freund wohl ernst meinte, hörte ich auf zu lachen. Es ist doch wirklich verrückt, dass jede Frau sich mit so etwas rum schlagen muss, ohne das es irgendwem auffällt.

Aber gut.

Für die unwissenden werde ich ein Beispiel nennen. Nur eines. Aber dieses spielt sich jeden Tag aufs neue ab. Und ich wette mit euch, dass das jede einzelne Frau kennt. Mein Weg von der Schule nach Hause, ist zu Fuß eine Stunde lang. Es kommt zwar nicht häufig vor, dass ich nach Hause laufe, aber ab und zu passierte es. Der Weg ist eigentlich ganz gut befahren, was mich persönlich immer etwas beruhigt. Doch sobald mir ein Mann entgegen kommt oder vor mir läuft, bin ich nicht mehr so entspannt. Sobald ich ihn vor mir sehe wandert meine Hand automatisch in meine Jackentasche zu meinem Handy. Wir Frauen machen das nicht mal mehr bewusst. Es ist eher eine Kurzschlussreaktion unseres Gehirns. Meistens nehme ich das Handy ganz raus, um zu zeigen, dass ich es dabei habe und damit jederzeit jemanden kontaktieren kann. Wenn sich die Person vor mir auffällig verhält, bewegt oder guckt, tuen wir manchmal auch einfach so als würden wir telefonieren oder mit einer Freundin schreiben. Für manche Menschen scheint diese Handlung als übertrieben, aber uns Frauen, oder zumindest denen in meinem Umfeld wird das von klein auf beigebracht. Letztens war ich Brötchen kaufen. Es war ungefähr acht Uhr am Morgen. Der Weg ist wirklich nicht weit, vielleicht zwanzig Minuten runter und zwanzig Minuten für den Rückweg. Als ich dann wieder auf dem Heimweg war, sind mir zwei junge Männer entgegen gekommen. Beide betrunken. Sofort habe ich, ohne darüber nachzudenken, die Straßenseite gewechselt. Wer weiß schon, was diese Männer für Absichten haben. Und dann auch noch Betrunken. In diesem Zustand ist man meist nicht mehr der eigene Herr über seiner Sinne. Da möchte ich nicht die Person sein, die ihnen begegnet. Nicht die Frau sein, die ihnen begegnet. Als wir im Lockdown waren, war ich manchmal mit meiner besten Freundin spazieren. So konnten wir Abstand halten und uns über tausend Dinge unterhalten. Häufig sind wir auch gleich zwei Runden hinter einander gelaufen. Das tat einfach der Seele gut. Einmal ist uns aus dem Wald ein Auto entgegen gekommen. Es ist stehen geblieben und drei Männer sind ausgestiegen. Sie und ich haben uns gleichzeitig in die Jackentasche gegriffen. Unbewusst. Am Ende stellte sich raus, das die drei guten Herren Förster waren. Aber meine beste Freundin meinte noch zu mir, dass sie notfalls ein Pfefferspray dabei hätte, da ihre Mutter es ihr eingesteckt hatte.

Ist es nicht unfassbar?! In was für einer Welt leben wir, dass Teenager überhaupt wissen, was ein Pfefferspray ist? Geschweige denn weiß, wie man dieses benutzt.

Das war ein Beispiel. Eines der vielen. Es gibt so viele Beispiele, die uns Frauen Tag täglich passieren. Die meisten Menschen kennen diese nicht. Manchmal nicht mal wir Frauen, denn wir kennen diese andere Welte, ohne die vielen Warnvorstellungen nicht. Und wenn wir doch Beispiele haben, wie das, über welches ich gesprochen habe, dann haben wir uns an so etwas gewöhnt. Es ist normal. Es gehört zu unserem Alltag und das macht es nur noch schlimmer. In diesem Artikel ging es nicht um Sexismus. Ich denke das ist ein anderer Abschnitt, weshalb es uns Frauen in bestimmten Situationen einfach schlechter geht. Ständig hört man sexistische Sprüche, jemand handelt sexistisch oder es wird sexistisch bewertet. Und glaubt mir, ich weiß, dass das in beide Richtungen geht. Nicht nur Frauen werden Opfer von Sexismus. Aber wir sind deutlich häufiger betroffen und ich, als eine Frau, bekomme natürlich vor allem diese eine Seite mit. Angefangen mit schlechterer Bezahlung, bis hin zu Vorurteilen. Und dabei sind noch nicht die sexuellen Übergriffe thematisiert.