Das Osterfest 2022 scheint mir das blödeste Ostern meiner ganzen Erinnerung zu sein. Stand 2020 noch im Stern von Improvisation und ersten Schritten digitalen Fernunterrichts und war 2021 eine Mischung aus Hoffnung (es gibt eine Impfung!) und Stolz über wochenlang qualitativen Distanzunterricht – so empfinde ich dieses Jahr vor allem… Ermüdung.

Das Kriegsgeschehen in der Ukraine deprimiert mich sehr. Der aktive Teil unserer Regierung scheint derzeit nur aus Annalena Baerbock, Robert Habeck und Nancy Faeser zu bestehen. Trotz täglich 200 Toten wird Corona völlig ausgeblendet. Ich merke an mir, wie mich schlecht kommunizierte Entscheidungen ermüden und gleichgültig werden lassen. Maske ja, nein? Tests in den Schulen ja, nein?

Keine Ahnung. Und gerade auch keine Lust mehr, darüber weiter nachzudenken. Der permanente Alarmzustand erschöpft. Blödes Ostern.

Blödes Ostern. 1Seit vier Wochen leben wir zu Hause auf einer Baustelle ohne Küche und eigene Spülmaschine. In zwölf Tagen soll die Küche kommen und dann darf endlich wieder geregeltes Leben einkehren.

„Geregelt.“

Das ist auch so ein Ausdruck, wie wenn meine Frau über Vorhaben spricht und dann sagt: „Wenn mal weniger Stress ist, dann…“

Seit zwanzig Jahren warte ich darauf, dass mal weniger Stress wird. Aber mit jedem Kind, jedem Umzug, jeder beruflichen Weiterentwicklung sind die Verflechtungen des Lebens immer komplizierter, immer verantwortungsvoller geworden.

Gerne hätte ich, dass dieser Umbau das letzte Großprojekt an diesem Haus ist. Aber ich brauche bald ein neues Dach. Und wie lange darf ich nochmal mit Öl heizen? Hätte ich vorher gewusst, wieviel Arbeit so ein Haus mit Garten macht, ich hätte es mich niemals zu kaufen getraut.

Umbruch

Jahrelang habe ich einmal im Monat das Wachstum meiner Töchter an der Wand festgehalten. Mal mit Kuli, mal mit Bleistift. Hier mit Buntstift und dort mit Filzstift. Schief und krumm und wenig hübsch – aber doch irgendwie zauberhaft.

Im Zuge der Renovierung habe ich das entscheidende Stück Farbe vorsichtig von der Wand gelöst und eingerahmt. Ein Stück Erinnerung an verlorene Zeit.

Blödes Ostern irgendwie.

Das liegt auch daran, dass meine wunderbare älteste Tochter bei meiner Schwester in Berlin ist. „Familie, ich sag’s euch gleich“, schrieb sie gestern, „ich komme nicht mehr zurück. Ich bleibe hier!“

Ich freue mich, dass sie soviel Spaß hat. Empfinde elterlichen Stolz über die Schritte des eigenen Kindes in die Welt und ein eigenes Leben. Aber auch Wehmut.

Blödes Ostern.