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Lehrer:innen endlich nach Leistung bezahlen!

Lehrer:innen endlich nach Leistung bezahlen! 1

Immer wieder, wenn einer (meistens gelben, zuweilen aber auch grünen) Partei nichts Besseres einfällt und sie im Begriff ist, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, ist es Zeit für ein altes, durchgekautes Thema; je nach rhetorischem Geschick in neuen Variationen. Der schale „Faule Säcke“-Wein wird dann gern hippe „Lehrer nach Leistung bezahlen“-Schläuche gefüllt.
Das Narrativ bleibt aber das gleiche. Die Lehrer:innen seien faul und überbezahlt. Vormittags recht, nachmittags frei und 50 Wochen Ferien im Jahr. Die wenigen, ganz besonders Engagierten sollen belohnt werden. Schöne Idee. Und sie möchten das ganze sogar pekuniär umgesetzt sehen und nicht nur durch ein leeres Dankesschreiben. Schöne Idee. Wirklich.
Mit nichts kann man diese Populist:innen besser vorführen, als wenn man sie beim Wort nimmt. Das soll hier geschehen. Leider schaffen ZEIT und Süddeutsche es meistens nicht, den wichtigsten Teil der Forderung abzudrucken: Nämlich wie genau die Leistung von Lehrkräften gemessen und bewertet werden soll.

ABC der Leistungsgerechtigekeit

Beginnen wir also mit einem Gedankenexperiment in Form einer Frage:

Welche Lehrkraft leistet Besonderes? Vielleicht sogar besonders viel und sollte daher belohnt werden?

  • Kollege A hat viele Oberstufen-Kurse, sein Lehrbuch ist gut, aber langweilig und er arbeitet viel und gern damit. Seine Schüler:innen freuen sich nicht unbedingt auf den Unterricht, aber wirklich zu meckern gibt es auch nichts.
  • Kollegin B bastelt gern, schläft wenig, jede Stunde wird zur Zauberstunde, die Schüler:innen freuen sich richtig auf den Unterricht, weil in jeder Stunde ein Feuerwerk abgebrannt wird – in manchen sogar nicht nur ein metaphorisches. Ihr Lehrbuch ist eigentlich auch gut, bleibt aber ungenutzt. Die Leistungen der Kurse von A und B sind ziemlich ähnlich, gut durchwachsen.
  • Kollege C wird von den Schüler:innen geliebt. Der Unterricht ist entspannt, alle bekommen Einser und Zweier; Abitur legt in seinem Fach kaum jemand ab und falls doch, dann nur in mündlichen oder praktischen Prüfungen. In den Hörsälen fehlen den Schüler:innen dann aber die wichtigen Fähigkeiten und sie kommen mächtig ins Straucheln. Merkt in den 2-3 Jahren Oberstufe nur eben keiner.
  • Kollegin D ist das Gegenteil. Die Eins wird eigentlich nicht vergeben und Zweier sind selten, wer bei ihr ein „Ausreichend“ schafft, wird aber in der Uni verstehen, was los ist. Zufrieden sind die Schüler:innen natürlich nicht, vor allem, weil im Nachbarraum Kollege C mit Einsern um sich wirft.
  • Kollege E ist nebenbei noch Vertrauenslehrer und hat eigentlich immer ein offenes Ohr. Sein Unterricht ist in Ordnung. Die Schüler:innen mögen, dass sie sich immer an ihn wenden können.
  • Kollegin F bekommt eine Abgeltungsstunde, um die IT der Schule zu richten. Das braucht mehr Zeit als diese Abgeltungsstunde und F ist oft auch nach 18 Uhr und am Wochenende in der Schule. Außerdem hat F eigentlich keine Pausen, sondern nur informelle Sprechzeiten für all die IT-Wehwehchen der Kolleg:innen. Ihr Unterricht ist bestenfalls in Ordnung.
  • Kollege G macht Kunst und Sport in der Mittelstufe. Da ist nicht so viel zu korrigieren, aber es ist schnell unvorstellbar laut.
  • Kollegin H hat Deutsch und Englisch, vor allem in der Oberstufe, das ist nicht laut, aber dafür stapeln sich die Klausuren. Um ihre Schüler:innen gut Richtung Abi zu bringen, werden nicht nur die Klausuren geschrieben, H sammelt auch immer wieder andere schriftliche Arbeiten ein und kontrolliert diese.
  • Kollege I unterrichtet „Darstellendes Spiel und Kunst“, das sind womöglich nicht die intensivsten Fächer, aber ihm gelingt es nicht nur, auf ganz neue Art das Selbstvertrauen seiner Schüler:innen zu stärken, sondern er hängt sich auch noch richtig in all diesen Kulturkram rein, um den die Mathe- und Physik-Kolleg:innen einen großen Bogen machen, und ist dafür dann eben auch am Abend oder Wochenende in der Schule zu den Aufführungen und bereitet diesen ganzen Kram in seiner Freizeit natürlich auch vor.

Wir könnten die Liste noch beliebig weiterführen und würden trotzdem am Ende nur feststellen können, dass wir vielleicht ein paar weniger überzeugende Lehrer:innen ausmachen könnten, aber küren, wer seinen Job am besten macht – das wäre Aufgabe, auf die ich keine Lust hätte. Aber darum geht es ja auch nicht. Die Populist:innen im Wahlkampf wollen besondere Leistung auszeichnen, aber wie soll die gemessen werden?

Bezahlung nach Unterrichtsstunden

In den meisten Berufen des öffentlichen Dienstes wird die Arbeitsleistung über die Arbeitszeit gemessen. Als Methode ist das schlecht genug. Es gibt einen Stundenlohn und der wird mit einer vorher festgesetzten Anzahl an Wochenarbeitsstunden multipliziert und das ist der Arbeitslohn. So ähnlich funktioniert das auch bei Lehrer:innen. Nur dass nicht unsere Arbeitszeit gemessen wird, sondern unser Deputat an Unterrichtsstunden Was drumherum passiert, taucht nirgends auf und irgendwie schaffen es die Kultusministerien der Länder auch EU-Richtlinien zur Arbeitszeiterfassung auszumanövrieren.

Eine Vollzeitstelle entspricht je nach Bundesland und Schulform 23 bis 28 Unterrichtsstunden, dazu gibt es direkte Boni für Dauer der Tätigkeit (Erfahrungsstufen) oder wichtige Aufgaben, wie bspw. der Fachleitung (Besoldungsstufen) sowie indirekte Boni in Form von Abgeltungs-, Deputats-, oder Abminderungsstunden.

So weit, so ungerecht. Es spielt dabei kaum eine Rolle, ob 10 Stunden Deutsch im Leistungskurs oder 10 Stunden Kunst in Klasse 5 unterrichtet werden. 10 Stunden sind 10 Stunden (außer in wenigen Bundesländern, die die Fächer doch etwas unterschiedlich bewerten). Die Debatte, welches Fach wann wie wo am anstrengendsten ist, will ich nicht führen, aber der Feststellung, dass eine Klausur eines Deutsch-Grundkurses mehr Zeit zur Bearbeitung braucht als eine Klassenarbeit einer fünften Klasse in Kunst, sollte unumstritten sein. Die Annahme, dass Bezahlung nach Unterrichtsstunden fair sein könne, ist also schon bei grober Betrachtung naiv. „Augen auf bei der Fächerwahl“, sagen die Kunst- und Mathekolleg:innen dann gerne mal an dieser Stell. Neben den dem Fach inhärenten Aufwand kommt aber noch der unterschiedliche, individuelle Aufwand hinzu. Ob ich meine Stunde hinrotze oder virtuos austüftle, spielt für meinen Gehaltszettel keine Rolle. Fair ist daran nur, dass niemand dazu verpflichtet wird, sich viel Mühe für die Stunde zu geben. Diese Form ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht aber nicht besonders geschickt für uns, denn sie motiviert uns nicht, besonders gute Arbeit zu leisten. Gäbe es für Lehrer:innen andere Möglichkeiten ihre Leistung zu ermitteln? Kann uns ein Blick in die vielgelobte Freie Wirtschaft vielleicht dabei helfen?

Bezahlung nach realer Arbeitszeit

Wir könnten die echte Arbeitszeit von Lehrer:innen erfassen lassen – wie auch immer das umgesetzt sein mag (Vielleicht ja durch einen festen Arbeitsplatz in der Schule, richtig mit Schreibtisch und Bürostuhl?). Die Idee klingt fairer, weil jemand mit korrekturintensiven Fächern am Ende des Monats mehr in der Tasche haben wird als jemand mit … Sport.

Aber wie bei jeder Form der Entlohnung müssen wir uns die Frage stellen, was wir damit noch belohnen. Ist die Stunde, über die ich 5 Stunden meditiert habe, wirklich zehnmal wertvoller als die Stunde, die ich innerhalb von 30 Minuten mit dem Lehrbuch erstellt habe? Vermutlich nicht. Auch wenn wir uns der Vorstellung gern hingeben können und demEuGH-Urteil vom Mai 2019 entsprechen würde.

Versteht mich nicht falsch: Ich fände Arbeitszeiterfassung von Lehrer:innen deutlich, deutlich besser als das bisherige System. Vorbereitung, Korrekturen, Elterngespräche und das ganze Brimborium, das uns vom Unterrichten abhält, aber um Leistung zu messen, und darum geht es Lindner ja, ist die Arbeitszeit nicht besonders aussagekräftig.

Schwierig wird es auch, weil die Belastung ja nicht über das Schuljahr gleichmäßig verteilt ist. Wann soll abrechnet werden? Und wann werden Überstunden abgebummelt? Und wie genau soll das aussehen? Unterrichtsausfall? Vertretung? Absagen der Klassenfahrt am Schuljahresende, weil mein Arbeitszeitkonto voll ist?
Außerdem bliebe noch zu klären, was passiert, wenn ich meine 40 bzw. 44 Wochenstunden erschöpft habe, aber es noch am Freitag Unterrichtsstunden zu halten gibt. Gespräch mit meinen Vorgesetzten, warum ich mit der Zeit nicht auskomme? Oder die irrwitzige Idee Überstunden von Lehrer:innen zu bezahlen? Davon wäre ich wirklich ein großer Fan. Dann kann ich mir endlich einen Mont-Blanc-Füller und Wohnraum in Berlin leisten.

Bezahlung nach Noten

Lehrer:innen könnten natürlich auch nach den Noten, die sie vergeben bezahlt werden, sind diese doch ein Indikator für die Güte unseres Unterrichts.
… ich nehme an, ich muss nicht weiter ausführen, warum diese Idee albern wäre?
(Okay, da vermutlich auch FDP-Wähler:innen diesen Text lesen werden, muss ich es ausführen.)
Würde eine stumpfe Bewertung nach Noten eingeführt, kann das leicht dazu führen, dass Tests und Klassenarbeiten immer leichter würden, Lehrer:innen sich im Zweifelsfall immer für die bessere Note entscheideten und Noten ihren Aussagewert (der ohnehin schon schlecht genug ist) ganz verlören. Außerdem hätte niemand mehr Lust auf die Klasse mit den durchschnittlich schlechteren Leistungen. In diese müsste man nämlich mehr Arbeit investieren, um beim gleichen Gehalt anzukommen. Von Schulen mit durchschnittlich schlechteren Schüler:innen ist bei der Überlegung noch gar nicht angefangen.

Bezahlung nach Evaluation

Wir könnten Lehrer:innen auch von Schüler:innen, Eltern und der Schulleitung evaluieren lassen. Je besser die Ergebnisse sind, desto höher wird das Gehalt oder die Chance darauf, die nächste Erfahrungsstufe hinaufzuklettern.

Gut, auch diese Idee ist offensichtlich Mist. Lehrer:innen müssen unpopuläre Entscheidungen fällen: „Doch, wir schreiben den Test“, „Nein, Thaddäus ist nicht hochbegabt, sondern einfach nur faul“, „Nein, der Freistellung für den früheren Urlaubsbeginn darf ich nicht zustimmen“, „Nein, ich habe keine Lust am Samstag die Bibliothek nach Einbandfarbe zu sortieren.“ Wäre unser Entgelt abhängig von der Meinung anderer, selbst wenn in der Praxis wirklich krasse Fälle vermutlich ausblieben, würde die Jahresendevaluation trotzdem immer wie ein Damoklesschwert über uns hängen und unsere Entscheidungen beeinflussen. Anders als in vielen Berufen in der Freien Wirtschaft ist „Kundenzufriedenheit“ nicht unser (vorrangiges) Ziel. Ob wir gute Arbeit geleistet haben, werden unsere Kund:innen nicht am Ende des Schuljahres feststellen, sondern nach dem Abschluss, vielleicht aber auch erst Jahre danach.
Außerdem würde so ein System Lehrer:innen noch weniger zu Pädagog:innen und noch mehr zu Dienstleister:innen machen. Heute schon werden elementare Erziehungsaufgaben auf uns abgewälzt, so ein System würde das noch mehr verschärfen.

Bezahlung nach den Ergebnissen von standardisierten Tests

Wenn wir Lehrer:innen nicht genügend vertrauen, dass sie ihre Arbeitszeit effizient nutzen, valide Noten generieren oder aus Schule einen Beliebtheitswettbewerb machen, können wir überlegen, nach den Ergebnissen von standardisierten Tests zu bezahlen. Je besser eine Lerngruppe in der Abschlussarbeit ist, desto höher fällt der Bonus aus. Abgesehen davon, dass ich mich auf die standardisierten und kompetenzorientierten Tests in den älteren Jahrgängen freue, brächte dieses System mit sich, dass Teaching to the Test Einzug in die Klassenzimmer halten würde. Also, noch mehr als durch den Prüfungsfetisch ohnehin schon. Lehrer:innen würden sich zweimal überlegen, ob sie die Stunde zur Prüfungsvorbereitung nutzen oder vielleicht doch noch irgendwas Interessantes machen wollen.

Außerdem bezweifel ich stark, entgegen der Meinung viele Bildungspolitiker:innen und -wissenschaftler:innen, dass echte Kompetenzen sich realistisch standardisiert messen lassen. Ich sehe das jedes Jahr bei der VERA 8. Im Bereich „Rechtschreibung“ brillieren meine Schüler:innen, sie kennen alle Regeln. Ihre Rechtschreibung, die nicht bewertet wird, ist aber eine Katastrophe, obwohl auf dem Papier etwas ganz anderes steht. Vielleicht lassen sich AFB I und AFB II noch irgndwie standardisieren, aber spätestens für AFB III braucht man, meiner Einschätzung nach, dann wenigstens entweder große mündliche Prüfungen oder langwierige Aufsätze. Die Mess- und Vergleichbarkeit von Schüler:innen-Leistungen ist aber ein anderes, ebenso großes Thema.

Neben dem Teaching to the Test kommt hinzu, dass Lehrer:innen ihre Schule zukünftig noch mehr nach dem Standort aussuchen werden. Geht man mit mehr gutem Willen an die Sache und vergleicht die Schule nur mit ihren Vorjahresergebnissen, wird das Problem kleiner, aber verschwindet nicht ganz. Eine Klasse mit mehr schwächeren Schüler:innen wird nicht gewollt werden, wenn sie meinen Sommerurlaub bedroht, weil ich nicht mit dem Bonus vom letzten Jahr rechnen kann, als ich die Klasse hatte, die glücklicherweise ein paar Überflieger:innen hatte.

Außerdem brächte die Leistungsmessung nach Testergebnissen noch ein Problem mit sich: Die Vergleichsarbeiten, die momentan in einigen Fächern und Jahrgängen geschrieben werden, müssten von nun an in allen Fächern und Jahrgängen geschrieben werden und entweder müssten sie schulintern konzipiert werden, dann ist aber die Vergleichbarkeit mit anderen Schulen dahin, oder sie müssten zentral erstellt werden, dann haben die Schüler:innen bessere Ergebnisse und die Lehrer:innen bessere Chancen auf ihren Bonus, die bei der konkreten Auswahl des Unterrichtsstoffs für die doch recht vagen Kompetenzen mehr Glück hatten. Natürlich könnte man auch die Lehrpläne dazu noch enger spannen, aber dann wird das mit den individuell an die Schüler:innen bzw. an die Lerngruppe angepassten Stunden nichts. … Oh, und die Abschlussarbeiten müssten natürlich korrigiert werden.

Bezahlung nach Schüler:innen-Ouput

Denken wir in der volkswirtschaftlichen Perspektive und lassen Pädagogik, humanistisches Menschenbild und diesen ganzen Quatsch, der kein Geld bringt, mal ganz außen vor und vereinfachen, was Lehrer:innen bewirken können, auf folgende Weise:
Ein:e Schüler:in hat ein volkswirtschaftliches Potential (P) und eine volkswirtschaftliche Leistung (L), dieses kann durch den Lehrfaktor (T) verändert werden.
P x T = L
Wie groß T aber war, erfahren wir erst Jahre oder Jahrzehnte später.
„Frau Nguyen, die Grundschüler:innen, die Sie unterricht haben, haben jetzt fast alle MSA und Abitur, hier ist ihr Bonus.“
„Herr Özturk, ihre Abiturient:innen sind heute Vorstände, hier ist ihr Bonus.“
„Frau Mayer, schlechte Nachrichten, Ihre Abgangsklasse 1986 hat leider eher unterdurchschnittlich performt, bitte überweisen Sie zu Unrecht erhaltenen Sold zurück. Mit Zinsen.“
P x T = L ist aber offensichtlich zu einfach, da jedes Kind dutzende Lehrer:innen hat, wie soll also der Lehrfaktor für eine einzelne Lehrkraft ermittelt werden?

Andrea hatte Herrn Özturk in Kunst und steht kurz vor ihrem zweiten Nobelpreis; Kim hatte Frau Nguyen in Sport und findet trotz des guten Studiums in Geschichte heute keine Stelle. Alex hatte zwar nur eine 4 in Werken bei Frau Mayer, hat die Lehrer im Handwerk aber mit Bravour absolviert. Uff – wer bekommt da jetzt wie viel Bonus?
Ist die Lehrkraft besser, die ein Kind aus gutbürgerlichem Haus zu enormen Höhenflügen helfen kann oder die Lehrkraft, die ein Kind mit schlechten Ausgangsbedingungen mit Ach und Krach zu einem Hauptschulabschluss verhilft?

Denn P und T gehen wohl kaum linear in die volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Kindes ein, denn wir haben den bildungspolitischen Matthäus-Effekt (Wer hat, dem wird gegeben).

Bezahlung nach Zielvereinbarungen und Erfolgskriterien

Ganz im Sinne des ewigen Wachstums könnten wir auch Lehrer:innen danach bewerten, was sie jetzt alles noch besser machen. Jährlich werden mit der Schulleitun Zielvereinbarungen geschlossen, anhand derer dann die Höhe des Bonus‘ oder Malus‘ bestimmt wird. Die Orga des Grillfestes hat nicht geklappt, weil die Klasse schwieriger war, als es erwartet wurde? Tja, doof gelaufen.

Nicht nur, dass das den Druck auf Lehrer:innen, immer noch mehr unterrichtsfremde Tätigkeiten auszuführen, erhöhen würde, würde es auch die Lage des SL verschlechtern. Die müsste nicht nur diese Zielvereinbarungen aushandeln, dokumentieren und auswerten, sondern sich auch mit den daraus entstehenden sozialen Spannungen im Kollegium befassen müssen, wenn Kolleg:innen sich zu Recht oder zu Unrecht unfair behandelt fühlen. Das kann auch sehr schnell ein Motivationskiller sein. Da ich für den Bonus am Wochenende durch den brennenden Reifen springen müsste, visiere ich das erst gar nicht an und halte mich einfach aus allem raus, was irgendwie extracurricular wäre.

Versucht man globalere Maßstäbe anzulegen, die man dann z. B. Erfolgskritieren nennen könnte, kommen wir schnell bei den oben dargelegten Problemen an, hinzukommt aber die Gefahr, dass bestimmte, wichtige und anstrengende Arbeiten nicht gesehen, erfasst und gewertet werden. Ob ich mir in der Pause die Ängste und Nöte der Schüler:innen anhöre, wird vermutlich keine Note widerspiegeln und in keiner Statistik auftauchen. Wichtig wäre diese Tätigkeit allemal.

Fazit

Sicherlich gibt es Modi, die ich hier nicht durchgespielt habe, das Grundproblem sollte aber für alle verständlich sein. Leistung von Lehrer:innen ist nicht leicht messbar und jede Messmethode würde Anreize zu unerwünschtem Verhalten schaffen, über die wir uns vorher wirklich im Klaren sein sollten. Das passiert bei den Populist:innen aber nicht. Meistens wird es nur mit irgendeinem Geschwafel angereichert, bleibt aber unkonkret und in keiner Weise operationalisierbar.

Bei allen Problemen, die es mit sich brächte, ich finde die Bezahlung nach tatsächlicher Arbeitszeit die sinnvollste Variante, auch weil sie die Mehrarbeit endlich offenlegen würde, die Lehrer:innen leisten und zeigen würde, dass 26 Stunden in dem einen Fach nicht das Gleiche sind wie 26 Stunden in dem anderen.

Man kann mein Menschen- und Schulbild in diesem Text sicherlich kritisieren, aber wie Schule besser sein könnten oder wie Lehrer:innen noch besser arbeiten könnten, wären noch ganz andere Themen.

Die Forderung ist daher nicht mehr und nicht weniger als dummer Populismus und ich kann nur hoffen, dass Wähler:innen die Populist:innen an der Wahlurne nach ihrer Leistung belohnen.
-Hieronymus Fux

5 Gedanken zu „Lehrer:innen endlich nach Leistung bezahlen!“

  1. In Frankreich gibt es ein interessantes Prämiensystem. Klassenlehrer bekommen eine Zulage, je nach Standort und Region ebenso, je nach „Standorttyp“ ebenso. Auch werden Überstunden am Anfang des Jahres angeordnet und bezahlt (da gibt es einen richtigen Run drauf). Und am Ende des Jahres kann die Schulleitung rückwirkend Überstunden geben (die dann bezahlt werden), wenn sich Leute besonders engagiert haben

  2. Thema Vergleichbarkeit:
    Einer meiner Lehrer (eigentlich einer der Guten, und mittlerweile im Ruhestand) wollte sich eine schlechte Klausur (lange vor meiner Zeit) vom Direx genehmigen lassen (Klassenschnitt hatte irgendeine Grenze gerissen). Genehmigung kam, aber auch der Kommentar: „Der Kollege in der Nachbarklasse bekommt das aber vermittelt. Warum schaffen Sie das nicht?“
    Effekt beim Lehrer: So einen Kommentar wollte er sich nicht nochmal abholen. Wenn es „notwendig“ war, gab es also für alles mögliche Punkte: Datum richtig, Name des Lehrers/Schülers richtig geschrieben…

    Ich finde, das passt hier insofern rein, weil auch hier über einen Kamm geschert wurde, ohne genauer hinzuschauen… Und es ist ein Beispiel dafür, dass ein System immer unterlaufen werden kann…

  3. Re Überstundenbezahlung: Bei uns werden alle Zusatzstunden (alle Vertretungen, Maturarbeiten betreuen, Gast-SuS betreuen, andere Zusatzaufgaben) in einem Lektionenkonto vergütet. Sobald wir 60 L (? nicht sicher) auf dem Konto haben, bekommen wir im nächsten Schuljahr 1EL ( Entlastungslektion) in die Stundenzuteilung ( und Bezahlung), die aber im Stundenplan nicht auftaucht, müssen dann also 1 Jahr lang 1 L weniger unterrichten. Das funktioniert hervorragend – daran sollte es also nicht liegen.

  4. Komplexes Thema ohne ideale Lösung.
    Bei ausreichendem Lehrpersonal wäre ein deutlich größeres Kontingent an Entlastungsstunden ein guter Ansatz die große Ungleichheit zumindest abzufedern.
    So könnten also die drei Mathelehrer die gemeinsam viel Zeit und Energie in der Vorbereitung von innovativem Unterrichtsmaterial, z.B. Lerntheken stecken und diese sogar dem Kollegium zur Verfügung stellen von der Schulleitung mit einer Entlastungsstunde „belohnt“ werden, die drei EinsiedlerkollegInnen der Fraktion „Buch auf, S. x“-hingegen eine Stunde mehr pro Woche unterrichten sollen.
    Hier müsste das Schulleitungsteam aber kompetent handeln.

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