Ein ganz tragischer Unfall erschüttert mein nahes Umfeld. Die Geschichte verfolgt mich bis in meine Träume und lässt mir keine Ruhe. Ich erkenne deutlich meine Grenzen.

Elternsprechtag. Glückstag.Wie ein absurder Kontrast stand heute Elternsprechtag an. Von 9 bis 18 Uhr haben meine Co und ich mit Eltern und Kindern – teils präsent und teils online – über Leistung, Entwicklung, Potentiale und Stolperfallen gesprochen. Gute und produktive Gespräche waren das, bei denen die Eltern – zumindest meinem Eindruck nach – meist positiv gestimmt und mit einem klaren Bild nach Hause gegangen sind. Mit meiner Co wechsle ich mich bei den Gesprächen ab. Das Miteinander empfinde ich im Alltag sehr entlastend. Und doch gibt es bei jedem einzelnen Gespräch einen Moment, bei dem ich an den Unfall denke. Daran, wie viel Glück diese meine Eltern haben, mit ihren gesunden Kindern hier zu sitzen und sich über Noten Gedanken machen zu dürfen.

Es ist diese Ambivalenz, die mich so schöpft.
Einerseits empfinde ich Leid und Trauer und Sorge so intensiv, dass es mich bis in meine Träume verfolgt. Ich fühle mich deswegen schuldig, weil es meinen Töchtern gut geht. Weil es mir gut geht. Und weil ich mich über Dinge ärgere, die völlig bedeutungslos sind und an die sich schon nächste Woche kein Mensch mehr erinnern wird. Und ich empfinde tiefe Demut und großes Glück. Über meine älteste Tochter, die für mich gekocht hat. Über meine Mittlere, die einer tief verletzten Freundin beisteht. Und über meine jüngste Tochter, mit der ich abends darum kämpfe, wer wem zuerst die Socken auszieht.

MonsterEs ist die Ambivalenz aus „mir geht es gut“ auf der einen und „eine Klimakatastrophe rast auf uns zu“ auf der anderen Seite. Permanente Sorge. Permanenter Schrecken. (Wirklich? Die Menschen in der Ukraine haben Schrecken. Oder nicht? Die Frauen im Iran erleben wirklichen Schrecken. Die Liste geht endlos weiter.)
Ich habe oft gescherzt, dass meine Tage mehr Stunden für alle Projekte bräuchten. Aber das stimmt nicht. Ich habe genug Zeit. Ich hätte genug Zeit. Aber mir fehlt die Energie, mich aufzuraffen.

Ich frage mich, ob das ein Dauerzustand wird.
Bildungsnotstand. Corona. Klima. Krieg. Amerikas Politik.
All diese Dinge gehen nicht mehr weg. Gewöhnt man sich daran? Stumpft man ab? Und mit welchem Recht darf ich mich in meiner völlig privilegierten Situation eigentlich schlecht fühlen? Ich kenne eine Familie hier im Ort, die vieles dafür gäbe, mit mir zu tauschen.

Das zehrt.

Elternsprechtag. Eigentlich ein Glückstag.