Die aktuelle Fußball-WM auszublenden funktioniert im Privaten ohne Probleme. Aber wie sieht es in der Schule aus? Und was, wenn man Verantwortung für eine ganze Schulgemeinschaft trägt?

Früher war ich leidenschaftlicher Fußball-Fan. Ein mieser Bundesliga-Spieltag konnte mir schonmal die Laune verhageln. Das ist in den letzten Jahren deutlich weniger geworden – der einschläfernden Langeweile des Dauermeisters Bayern München sei Dank. Für die Nationalmannschaft habe ich mich noch nie wirklich begeistern können. Nicht mal der Besuch eines Länderspiels mit einer Schulklasse (Artikel dazu) hat mein Interesse irgendwie steigern können.

Fußball-WM in der Schule 2Die aktuelle Fußball-WM in Katar betrachte ich relativ leidenschaftslos: Am Ende ist sie nur die konsequente Fortführung korrupter zweifelhafter Entscheidungen der letzten Jahrzehnte. Der Austragungsort ist sicher genauso objektiv bestimmt worden, wie seinerzeit Deutschland. Entsprechend bin ich nicht überrascht, dass von den Verheißungen im Vorfeld wenig übrig geblieben ist: One Love? Klar! Aber nur für heterosexuelle Partnerschaften (und evtl. Vielehen).

Andererseits komme ich nicht umhin, die friedensstiftende Bedeutung des Sports anzuerkennen. Auf symbolischer Ebene ist es schlicht beeindruckend, das so viele Nationen friedlich gegeneinander antreten und miteinander ringen. Diesen Aspekt mag ich sehr.

Über diese WM ist genug gesprochen worden und ich kann die Argumente des Boykotts komplett nachvollziehen.

Heute Mittag traten einige SchülerInnen an die Schulleitung heran und baten höflich um ein Gespräch.

Morgen sei ja das Deutschlandspiel, erklärten sie, und…

  • die letzten drei Jahre mit Corona seien echt scheiße gewesen und
  • dadurch haben sie auf viele Schulfeste verzichten müssen und
  • in ihrer gesamten Schullaufbahn hat es noch nie die Gelegenheit eines gemeinsamen „Rudelguckens“ gegeben und
  • der Schulgemeinschaft täte ein gemeinsames Ereignis gut und
  • in vielen Jahren würde man sich vor allem an solche Ereignisse erinnern
  • so eine Gelegenheit käme vermutlich nie, nie wieder.

Ob man nicht in den beiden Aulas jeweils mit Leinwand gemeinsam…

Tja.

Es ist natürlich leicht, für sich selbst eine Entscheidung zu treffen.
Aber Verantwortung für eine Schulgemeinschaft von 700 Kindern und Jugendlichen zu tragen und dem gerecht zu werden, ist am Ende das Spannende an dem Job. Moral? Ethik? Pädagogik? Verantwortung? Erziehung? Welche Prioritäten setzt man?

Oder konkret: Wie hättest du entschieden?