Wir nutzen die (kostenlose) Anton-App in der Schule. Die Kinder sind begeistert und der Gamification-Aspekt zieht: Für jede erfolgreiche Übung erhält man eine Münze. Mit den Münzen darf man dann kleine Spiele spielen und seinen Avatar mit lustigen Gimmicks ausstatten.

„Wollen Sie mal was cooles sehen?“, fragt mich Yusuf aus der fünften (!) Klasse heute und dreht grinsend seinen Tablet zu mir. Sieben Trillionen Münzen hat er zur Verfügung. Ich überschlage, wie viele Übungen Yusuf wohl absolviert hat, wie viel Zeit das in Anspruch genommen hat und wie alt er wohl ist.

GrenzsprengerStolz präsentiert er mir, wie er das gemacht hat. Über den Quelltext der Seite manipuliert er die Anton-Seite und seinen Account. Seine Finger tippen schneller über die Tastatur, als ich verstehen kann, was er da tut. „Dann muss man hier kopieren und hier einfügen… und.. tadaaaa. Zehn Milliarden Münzen.“ Er lacht und ich lache mit.
Wie wunderbar!

Ein Stück weit entdecke ich mich selbst wieder. Als Jugendlicher habe ich mittels Hex-Editor wochenlang die Savegames diverser Spiele Bit für Bit zerlegt und analysiert, bis ich unendlich viel Gold / Mana / Erfahrungspunkte zur Verfügung hatte.

Erheiternd ist auch, dass ich einmal mehr die Erfahrung mache, dass Kinder Grenzen sprengen. Ob der Kampf um die Aufsichtspflicht, das Vertreiben der Raucherecken oder jede weitere Regel, wie wir in Schule und Erziehung einführen. Kinder reiben sich daran und suchen nach Schwachstellen, Lücken und Möglichkeiten, diese Grenzen auszudehnen.

Bemerkenswert ist außerdem, zu welch komplexen Operationen die Kinder in der Lage sind, wenn sie sich nur für etwas begeistern. Würde der Yusuf sich so für Mathematik interessieren – das kann man sich kaum ausmalen, kommt aber vielleicht noch.

Definitiv mein Wow der Woche #wowdW.