Zum Inhalt springen

2023 ist rum. Endlich!

2023 war, in meiner persönlichen Wahrnehmung, kein besonders gutes Jahr.

Ich betrachte mich selbst als eher optimistischen Menschen. An viele Dinge gehe ich mit einer kindlichen Naivität heran, die mich im Rückblick immer wieder erschaudern lässt. Physikstudium. Frühe und leicht spontane Hochzeit. Umzug. Hauskauf. Schulleitungsstelle. Hund. Immer wieder denke ich: „Wenn ich im Vorfeld gewusst hätte, was da auf mich zukommt, hätte ich mich das nicht getraut.

2023 hat mich mehr Mühe gekostet. Mehr als die Zeit des Staatsexamens. Mehr als das Referendariat. Mehr als das Corona-Jahr.
Ich habe lange überlegt (und mit Freunden gesprochen), ob das eher daran liegt, dass man die Vergangenheit verklärt oder vielleicht daran, dass man älter wird und schlicht nicht mehr so viel schultern kann, wie früher.

Einen Teil schiebe ich auf die unruhigen Nächte: Meine Jüngste schläft seit Sommer nicht mehr durch und wacht alle zwei bis drei Stunden auf. Das schlaucht. Aber es ist mehr.

Amüsanterweise hat der YouTuber Matt D’Avela genau dazu ein Video veröffentlicht: Er und sein Kollege Ali Abdaal machen viel zum Thema Achtsamkeit und Produktivität und haben Millionen Abonnenten. Beide haben vor einigen Jahren Leute angestellt, die sie beim Arbeiten unterstützen: Videos schneiden, Scripte schneiden usw.
Doch während Abdaal immer größer geworden ist, hat D’Avela im vergangenen Jahr einen Rückschritt gemacht: Das, was ihm einst Spaß gemacht hat, ist zu einem Job geworden mit Verantwortung für zahlreiche Angestellte. Er hat geschmissen und will ruhiger, einsamer, fokussierter Arbeiten. Mehr Berufung, weniger Job.

Ich beobachte bei mir eine ähnliche Entwicklung: 2023 bedeutete auch weniger Zusagen für Vorträge, weniger Blogartikel und keine weiteren Sachbücher mehr. Meine Social-Media-Aktivität hat sich reduziert – und insbesondere die weitere Zersplitterung des Twitterlehrerzimmers in Twitter, Mastodon, BlueSky (mein Favorit) und das völlig affige Threads ist bedauerlich.
Und während Kollegin Kristina ihren Blog runderneuert hat und begeistert führt, habe ich zuletzt (wieder) darüber nachgedacht, hier den Stecker zu ziehen: Es fehlt der Austausch, die Diskussion, die Inspiration für Neues. Mir fehlen die (gemeinschaftlichen) Blogartikel der Community, bei denen man ein (u.U. kontroverses) Thema von verschiedenen Seiten aus beleuchtet und zur Diskussion stellt (Ja! Das ist ein Aufruf, liebe Mitbloggende!). Reine Influencer-Selbstdarstellerei brauche ich für mich nicht – ohne jeden Austausch ist ein Blog tot und bedeutet im Übrigen auch Augenrollen: Niemand stellt das so deutlich dar, wie Kollege Kuban, der von Kollegen immer wieder mal gefragt wird: „Meinst du mich?“

Kurz: 2023 kann weg.

Das Gute daran: Ich habe wirklich Lust auf 2024.

 

19 Gedanken zu „2023 ist rum. Endlich!“

  1. Manchmal geraten andere Blogs auch irgendwie aus technischen Gründen in den Hintergrund – bin grad wieder (aus Zufall – sorry) gestoßen und habe gemerkt, dass er nach ein paar Umzügen aus meinem Feedreader gerutscht ist und er damit aus meinem Focus raus ist. Aber nur nebenbei.
    Der Post, auf den man verlinken kann, wäre: https://www.kubiwahn.de/2016/09/sommerferien-schulleitung-und-ihr-seid-alle-nicht-gemeint/
    Der ist von 2016, als ich an die Schule ging, die ich dieses Jahr wieder verlassen habe. Und hier wurde es 2023 noch schlimmer mit der Vermischung von Realität und dem Zeug, was ich ins Internet schreibe. Und ich habe gemerkt:

    – zu viel Bauchnabelschau
    – zu wenig Austausch
    – zu viel Gespräche im Kollegium oder auch mit nur mit einer, was ich da schon wieder geschrieben habe und ob es mir gut geht oder nicht und dass ich mich doch auch mal schämen sollte, weil sie hätte da Fotos bei mir extra groß gezoomt und so dies und jenes sehen können

    Ich habe da eine Pause eingelegt zwischen Juni und September, den Blog in den Wartungsmodus versetzt und bisschen nachgedacht.

    An der neuen Schule hat sich das Blog dann auch wieder recht schnell herumgesprochen. Nun ja. Geht weiter halt.

    Meine Lösung ist aktuell: weniger über mich schreiben, sondern mehr über das, was ich tue.

    Und 2024 bringt vor allem Neues: Noch 12 Jahre Schulleiter 😉

    1. Die Frage, wie viel Privates sein soll und wie viel Berufliches statthaft ist, hat mich schon manches Mal die Finger wieder von der Tastatur nehmen lassen.
      Ich habe mir lustigerweise gerade wieder den anderen Weg vorgenommen: mehr Mut zum Privaten. Bin aber nach mehreren wankelmütigen Blog-Schließungen auch kaum bekannt und verbreitet, und konnte und kann deine Beweggründe gut nachvollziehen.

    1. Das ist schonmal gut zu wissen, da kommen bestimmt noch mehr dazu. Vielleicht sollten wir eine Gruppe haben, wo wir uns Themen suchen und dann dazu schreiben.

  2. Wenn ich mich nicht irre, dann hast du doch auch schon mal erzählt, dass deine Schule eine Schule im Aufbau ist, also eine Schule, die am Anfang nur mit den unteren Klassen gestartet ist und in der dadurch Jahr für Jahr ein weiterer Jahrgang hinzukommt. Ich kann mir vorstellen, dass dadurch auch Jahr für Jahr die Verantwortung gewachsen ist, weil die Anzahl der Schüler immer weiter gestiegen ist. Vielleicht kommt ein Teil der Erschöpfung auch daher?

    An meiner Schule ist das zwar nicht so, aber was ich bei uns in letzter Zeit verstärkt beobachte, ist folgendes: Wir haben (zum Glück!) ebenfalls ein sehr engagiertes und offenes Kollegium mit vielen Ideen, von denen immer wieder einige umgesetzt werden: In einer Jahrgangsstufe eine Nacht in einer Selbstversorgerhütte, in einer anderen Jahrgangsstufe die Wiedereinführung einer Skiausfahrt oder auch das weihnachtliche Klassenzimmerschmücken. All diese Veranstaltungen haben ihre Berechtigung und bereichern den Schulalltag. Aber irgendwie kommen solche Programmpunkte meist z u s ä t z l i c h zu allem anderen auf den Kalender. Und manchmal denke ich deshalb, man müsste häufiger den Terminkalender durchforsten, um zu prüfen, ob man manch andere Veranstaltungen nur noch aus Traditionsgründen durchführt und ob die dann weggelassen werden können.

    Denn sonst besteht auch hier die Gefahr, dass jedes Jahr kaum merklich ein bisschen Arbeit hinzukommt, die solche Programmpunkte eben auch machen, so schön sie auch sind – und irgendwann kommt dann der Punkt, wo man das auch spürt.

    Ich lese den halbtagsblog immer sehr gerne – es wäre jedenfalls sehr schade, wenn ausgerechnet er einem solchen Ausmisten zum Opfer fallen würde. In diesem Sinne:

    Ein glückliches neues Jahr!

  3. Lieber Jan-Martin,
    ich kann alles unterschreiben, was du schreibst. Bis hin zu den Blogschließungen. Aber vor allem in Zeiten der Zerfaserung und Zersplitterung bleibt ein Blog doch ein steter Fels in der Brandung. Man muss einen nicht auf allen möglichen sozialen Netzwerken suchen. Man ist einfach an einer festen Adresse zu finden. Immer. Egal, ob das eine oder andere Netzwerk schließt, vereinsamt oder von Verrückten übernommen wird. Ein paar Blogparaden-Themen finde ich auch super. Wäre sofort dabei. Anfang Dezember lief ja dieses Stöckchen von gern genutzten Programmen durch die Bloglandschaft. hab da mal mit gemacht und fand das wieder sehr spannend, was die Leute so als Standardprogramme nutzen, von denen ich noch nie gehört hatte. Vielleicht lässt sich das auch für die Unterrichtsblogs nutzen!

  4. Lieber Jan-Martin,

    ich möchte mich Herr(n) Mess anschließen und vielleicht kann ich das mit dem „Fels in der Brandung“ ja noch mit einem Fun-Fact stützen: 2013, als ich noch gaaanz weit weg davon war, selbst einen „Lehrerblog“ zu starten, fand sich unter anderem dein Blog in einem Korpus, den ich für eine Hausarbeit im Linguistik-Seminar an der Uni zusammengestellt hatte… Vielleicht wäre es also zur Frau mit dem Dromedar gar nicht gekommen, wenn ich nicht im Hinterkopf gehabt hätte, dass es da schon jede Menge Kolleg:innen gibt, die bloggen. Und im Gegensatz zu Social Media findet man uns auch über Suchmaschinen, sodass der eine oder die andere dann doch wiederum den Weg zum Austausch in den im Moment definitiv (zu?) zahlreichen #-LZs findet. 😉

    Als ich mich mit WordPress bei der Runderneuerung herumgeschlagen habe, war ich auch kurz versucht, alles hinzuwerfen. Aber die Vielzahl der Interaktionen im Anschluss an meinen Post, insbesondere auf BlueSky, was ja auch dein Favorit ist, lässt mich jetzt mal hoffen, dass das mit dem Austausch nicht vorbei ist, sondern dass wir einfach gerade in einer Findungsphase stecken.

    Ich wünsche dir ein wunderbares 2024!
    Kristina

    1. Vielleicht sollten wir uns auch einfach mal auf das Thema Blog besinnen und ein paar Aktionen starten, die für dieses Format gut geeignet sind. Blogparaden gehen zum Beispiel immer sehr gut. Wenn man auf diese Weise sich ein bisschen schubst, rücken die Blogs automatisch wieder ein bisschen mehr in den Vordergrund

  5. Mit 2023 war ich auch unzufrieden. Ich blogge weiter so für mich hin, immer weniger aus der Schule, weil sich da viel wiederholt, nicht wegen Scheu vor Öffentlichkeit. Und das Blog ist feste Anlaufstelle seit knapp zwanzig Jahren, andere Formen von Social Media sind mir nicht so wichtig. Der Austausch aus Mastodon reicht mir völlig. Ich vermisse Wasserstandsmeldungen von einigen, aber Anregungen kriege ich genug. Gefühlt blogge ich immer weniger, dabei waren das 2023 o viele Beiträge wie schon lange nicht mehr.

    Ein gutes neues Jahr allen hier. Und bei Blogparaden mache ich mit!

  6. Schade, dass man hier nicht liken kann. 😉

    Wollte euch nur wissen lassen, dass ich gelesen und genossen habe, auch die verlinkten Blogbeiträge.

    LG
    Flori,
    der auch eine Blog- und SocialMedia-Sinnkrise in 2023 hatte.

  7. Pingback: Don't rain on my Blogparade - Herr Mess

  8. Pingback: Blogparade: Mein (schulisches) Motto 2024 – herrhaensel.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert