Können 4 Millionen Arbeitslose einen See überfluten?

Können 4 Millionen Arbeitslose einen See überfluten?

Der vorgestern verstorbene Theaterregisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief hatte 1998 eine skurille Idee. Um dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl eins auszuwischen, rief er alle Arbeitslosen im Land dazu auf, mit ihm zusammen gleichzeitig  in den Wolfgangsee in Österreich zu steigen, um diesen zum Überlaufen zu bringen, und dadurch das Urlaubsdomizil von Helmut Kohl zu fluten. Doch es wurde nichts aus der Überflutung, da der damalige Bürgermeister von Salzburg die Durchführung der Aktion verhinderte. Die Frage, die jeden Naturwissenschaftler jetzt interessiert, wollen wir jetzt mal klären. Hätten die Arbeitslosen den Wasserstand des Sees so stark erhöhen können, dass Helmut Kohl nasse Füße bekommen hätte?

Um die ganze Rechnung ein wenig zu vereinfachen, gehen wir einfach mal davon aus, dass es sich bei dem See um einen Quader handelt. Außerdem sollte man  wissen, dass nach dem Archimedes-Prinzip das Volumen, das ein Körper verdrängt, seinem eigenen Volumen entspricht. Durch die Änderung der Höhe des Wasserspiegels lässt sich das Volumen des Körpers berechnen. Umgekehrt kann man bei bekanntem Volumen die Änderung der Höhe berechnen. Das ist was wir wollen.

Das Volumen eines Quaders berechnet sich aus der Formel  a×b×c.  Da a×b der oberen Fläche des Quaders entspricht,  nennen wir a×b einfach „O“ (wie der Buchstabe, nicht die Ziffer; gemeint ist die obere Fläche des Quaders, die den Wasserspiegel darstellt, nicht die Gesamtoberfläche des Quaders). Somit berechnet sich das Volumen aus O×c, wobei c die Höhe des Wassers im See beschreibt. Der Wolfgangsee hat eine Oberfläche von 12,84km². Das sind 12840000m². Die mittlere Höhe des Sees beträgt 52m. Somit beträgt das Volumen des Sees 12840000m²×52m667680000m³. Dieser Wert entspricht dem bekannten Wert des Volumens (siehe Wikipedia). Das Volumen eines Menschens beträgt 0,075m³. Die Wasserhöhe lässt sich also berechnen aus der Summe des Seevolumens und des Volumens der darin schwimmenden Menschen, geteilt durch die Oberfläche des Sees. Somit ergibt sich die folgende Formel für die Wasserhöhe des Sees, abhängig von der Anzahl der darin schwimmenden Menschen (Y):

Schwimmt also ein Mensch im See (Y=1) ergibt sich eine Wasserhöhe von 52,000000006m. Das entspricht einer Höhenänderung von 6 Nanometern. 1998 gab es in Deutschland rund 4 Millionen Arbeitslose. Setzen wir für Y also 4000000 ein, ergibt sich eine Wasserhöhe von 52,0234m. Das entspricht einer Höhenänderung von 2,3cm.

Halten wir also fest: 4 Millionen Arbeitslose können keine Überflutung erzeugen. Doch wie viele Leute hätte man gebraucht um Helmuts Hütte zu fluten, wenn diese 2m über der Wasseroberfläche befestigt wäre?

Viel Spaß beim Rechnen 🙂

4 Replies to “Können 4 Millionen Arbeitslose einen See überfluten?”

  1. Und die Berechnung basiert auf tauchenden Arbeitslosen, nicht auf schwimmenden. Trotzdem lustig, wie schnell man einen Salzburger Bürgermeister nervös machen kann.

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