Wie man ein Theaterstück (professionell) filmt.

Wie man ein Theaterstück (professionell) filmt.

Mit die beliebtesten Artikel auf diesem Blog sind “Anleitungen”. Wie fülle ich meinen Toner auf? Wie erstelle ich eine “Wer wird Millionär?”-Präsentation? Mehrere Benutzer auf einem Tablet? Wie geht dieses? Wie jenes? Heute soll ein weiterer Artikel dazustoßen:

In vielen Schulen werden sensationelle Projekte auf- und durchgeführt, die zuweilen von einem der Beteiligten aufgenommen werden. Diese Videos kommen nur selten über das typische “Homevideo”-Feeling hinaus: Die Kamera wird mit der Zeit schwer und sinkt immer wieder nach unten; man hört schwere Seufzer des Filmenden gefolgt von einem gemurmelten “Oh man.. so lang noch..!?” und dann und wann hebt ein sich Arm mit Armbanduhr ins Bild. Zwinkerndes Smiley

Ich möchte euch heute Schritt-für-Schritt zeigen, wie man mit wirklich einfachen Mitteln, ohne zu großen Zeitaufwand (!) und vor allem ohne echte Kenntnisse eine halbwegs professionelle Aufnahme z.B. eines Theaterstückes hinbekommt.

Vergangene Woche wurde in unserer Aula ein Theaterstück aufgeführt, bei dem sich eine solch professionelle Aufnahme anbot.
2013-06-06 18.12.35Zunächst einmal habe ich mir einige Kameras besorgt, um das Stück aufzunehmen. Drei sollten es mindestens sein – ich hatte das Glück, sechs auftreiben zu können. Besondere Anforderungen müssen die Geräte nicht erfüllen – ich empfehle jedoch dringend, Geräte mit integrierter Festplatte zu nehmen. Ein analoges Band hinterher auf den Computer zu bekommen ist umständlich und zeitaufwändig.
Die Kameras habe ich an verschiedenen Stellen fest positioniert. Zwei hingen links und rechts oben vor der Bühne an der Decke (Kabelbinder besorgen!), eine war auf der Bühne und filmte in Richtung Publikum, eine nahm die gesamte Bühne in ihrer Breite auf und die letzten beiden waren Handkameras. Die fest installierten habe ich eine halbe Stunde vor Beginn eingeschaltet und dann einfach laufen lassen – die Handkameras werden… nunja.. wie Handkameras genutzt. Man filmt und zoomt. Absolut wichtig: Man muss das ganz Stück aufnehmen! Nicht zwischendurch ausmachen – daher an die Stromversorgung denken!
Ist der Abend vorbei, kann man die sechs Versionen des Stücks direkt auf einen Computer überspielen – in meinem Fall war nach einer halben Stunde alles Material auf meinem Notebook. Unter Windows werden Kameras grundsätzlich wie USB-Sticks angezeigt, man kann das Material einfach rüberkopieren.

imageEtwas abstrus ist, dass viele Kameras merkwürdige Dateiformate nutzen: 001.mts die eine, 001.mod die andere. Nach langem Suchen (mts to mpg; mod to mpg etc.) habe ich irgendwann gemerkt, man kann die Dateiendung einfach umbenennen in .mpg. Es braucht keinen Konverter und kein Extraprogramm – einfach umbenennen. Überprüfen kann man das so: Spielt Windows die Datei anschließend ab, hat man alles richtig gemacht. Schlussendlich sollte man eine Menge .mp4 oder .mpg Dateien in verschiedenen Ordnern (Kamera 1, Kamera 2, Kamera 3…) haben.

Der entscheidende (und normalerweise sehr zeitaufwändige) Teil kommt jetzt: Wie bringe ich die verschiedenen Kameraperspektiven in einen Film unter?
Wenn ich ein Computerprogramm nicht nach wenigen Minuten verstehe, dann nutze ich es nicht. Mir fehlt der Ehrgeiz und die Lust, mich in komplexe Programme einzuarbeiten. Darum kann ich das Programm “Magix Video Pro X” durchaus empfehlen: Es gibt nicht Zillionen Knöpfe und Einstellungen, sondern es gilt “learning by doing”.
Der Grundaufbau des Programms ist wie folgt: Man lädt die verschiedenen Kamera-Videos auf verschiedene Spuren. Dann synchronisiert man die Spuren miteinander, so dass sie nicht zeitversetzt ablaufen, sondern exakt das Gleiche zeigen. Und im letzten Schritt laufen alle aufgenommenen Perspektiven gleichzeitig ab und man wählt nur noch aus “Kamera 1… jetzt Kamera 3… jetzt Kamera 2” und so weiter.

imageAber Schritt für Schritt.
Zunächst einmal braucht man Magix Pro X (aktuell ist Version 5) und einen leistungsstarken Rechner: Mit der Tastenkombination Windows-Taste + Pause zeigt einem Windows an, wie es um die Leistungsfähigkeit bestellt ist (s.Bild rechts): Bei meinem Notebook steht dort eine 4,1.
Je höher der Wert, desto besser. 4,1 ist definitiv zu schlecht – der PC, auf dem ich die Arbeit durchführte hat eine 5,9.

Nun also: Pro X starten und ein neues Projekt starten: “Rattenkind” heißt meines.

Screenshot MAGIX Video Pro X5 13-06-08_12-07-58

Zwischendurch (wirklich, wirklich wichtig!): Immer wieder abspeichern.

Nun hat man oben links zwei Bildschirme (Ausgabe und Quellvideos), daneben ein Fenster, in dem man sich die Quelldateien zusammensucht und unten die zahlreichen Spuren.
Spur 1 & 2 müssen freigelassen werden – hier landet am Ende das fertige Produkt. Zunächst also das Video von Kamera 1 auf Spur 3 schieben. Aber nicht (wie im Bild oben) ganz nach links, sondern durchaus irgendwo in die Mitte, damit man das später nach links oder rechts schieben kann. Im nächsten Schritt “Rechtsklick” auf das Video und dann unter “Audiofunktionen” den Punkt “Video/Audio auf separaten Spuren” anwählen. Nun landet der zugehörige Ton auf Spur 4. Nun die zweite Kamera genauso einfügen.

Screenshot MAGIX Video Pro X5 13-06-08_13-21-01

Hat man zwei Videos untereinander liegen und die Tonspuren extrahiert, sollte man sie direkt synchronisieren: Rechtsklick auf eine Tonspur und “Andere Audio-Objekte an dieser Spur ausrichten” wählen.

Screenshot MAGIX Video Pro X5 13-06-08_13-19-47

Nun wird das zweite Video so verschieben, dass es mit dem ersten übereinstimmt. Hierbei kann es – je nach Qualität der Tonaufnahme zu Problemen kommen. Mir hat folgender Trick geholfen: Ich habe eine kurze Sequenz von etwa 2 Minuten, die bei beiden Videos grob übereinstimmt abgeschnitten (Rasierklingensymbol) und nur diese beiden kurzen Abschnitte miteinander synchronisiert – das ging sehr schnell und perfekt. Anschließend den großen, restlichen Teil des Videos an das Stückchen wieder drangeschoben. Perfekt.

Diesen Schritt wiederholt man mit allen weiteren Videospuren. Zuweilen wird ganz links ein Vorhängeschloss eingeblendet, damit kann man eine Spur sichern, so dass sich dort nichts mehr bewegen kann – eignet sich prima als Referenzspur, an der sich alle anderen ausrichten müssen. Zwischendurch: Speichern!

Sind schließlich alle Videos synchron, ist das meiste schon geschafft. Oben im Fenster sieht man nun (wenn man an die entsprechende Stelle spult) alle Kameras gleichzeitig in kleinen Videofenstern:

Screenshot MAGIX Video Pro X5 13-06-08_14-56-35

Mit Klick auf den “Play”-Knopf werden alle Videos gleichzeitig abgespielt (Aha! Deswegen braucht man den leistungsstarken PC!). Mit der Maus klicke ich dann nur noch auf eines der sechs Fenster – dieses wird dann links angezeigt und landet letzten Endes auf dem fertigen Video (im Beispielbild oben ist gerade Kamera 1 aktiv). Zwischendurch kann man anhalten, die orange senkrechte Linie (sie zeigt an, an welcher Stelle ich mich befinde) kann man wieder zurückschieben und dann doch eine andere Kamera auswählen etc.etc.

Am Schluss noch exportieren, d.h. als Film abspeichern. Fertig.
Man hat nun eine Aufnahme des Theaterstücks/Musicals die mit mehreren Kameraschnitten glänzt und allein dadurch deutlich an Qualität gewinnt. Mit allem drum und dran investiert man sicher ein paar Stunden und gemessen am Preis der Software auch zu hoher Einsatz für den einmaligen Gebraucht, aber das Ergebnis kann sich (gemessen an Möglichkeit und Aufwand) durchaus sehen lassen und lohnt sich, wenn man so etwas häufiger macht.

5 Replies to “Wie man ein Theaterstück (professionell) filmt.”

  1. Hört sich cool an…auch so als könnte man die filmerei und den schnitt durchaus in schülerhände legen,wenn es welche gibt,die nicht auf die bühne wollen.

  2. Der werte Kollege vergaß den Preis von regulär ca 300,-€ zu erwähnen ! man kommt aber auch preiswerter weg, wenn man die ACADEMIC Schulversion kauft ( zu empfehlen für Schülen und Bildungsträger) oder up- oder crossgradet oder mit der „normalen“ Version 2013 arbeitet, dort allerdings nur 2 Spuren Multicam

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