Spiderman-Physik

imageDieser Artikel beinhaltet Spoiler zu The Amazing Spiderman: Rise of Electro.

Ich will mich gar nicht lang damit aufhalten, für wie dämlich ich den letzten Spider-Man Film hielt. Weder kann ich die flotten Sprüche während des Films leiden, noch halte ich den ständig grinsenden Beach-Boy Andrew Garfield für eine glückliche Besetzung – das beständig Tragische des Helden kam bei Tobey Maguire einfach besser rüber. Von Tante May ganz zu schweigen.

Sei es drum. Eine Sequenz im ganzen Film jedoch hat mir gefallen – und zwar aus physikalischer Sicht:

Spider-Man und der Green Goblin kämpfen auf der George Washington Bridge miteinander und Spider-Mans Freundin Gwen Stacy stürzt in die Tiefe. Wenige Zentimeter über dem Boden erreicht sie der rettende Spinnenfaden. Spidy reißt sie zurück und rettet sie… nicht.

Gwen stirbt.

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Aus zweierlei Gründen ist das großartig.
Zum einen ist es eine Reminiszenz an die originalen Spider-Man Comics (aber dazu später mehr). Und zweitens ist es physikalisch vollkommen korrekt.

Bei einem Fall aus ~100m Höhe beträgt Gwens Geschwindigkeit kurz über dem Boden etwa 160 km/h. Als sie gebremst wird, geschieht das über Newtons zweites Axiom F =m*a. Wenn wir uns vorstellen, das 160 km/h auf wenigen Zentimetern auf 0 km/h gebracht werden sollen, ahnt man intuitiv, dass das nicht gut gehen kann. Mit ein bisschen Rumgerechne erfährt man, dass auf Gwen etwa das Zehnfache ihres eigenen Körpergewichts lastet. Ein Genickbruch ist da noch das mindeste, was geschieht (physikalisch relevant in diesem Zusammenhang ist, dass die meisten Selbstmörder, die von Brücken springen, an einem gebrochenen Genick sterben und nicht ertrinken). (Vielleicht könnte jemand bei Gelegenheit den Wikipedia-Artikel dahingehend korrigieren, dass sie sie nicht am Aufprall… ach, lassen wir das.)

(Übrigens hat Tobey Maguire das 2002 deutlich besser gemacht. Er sprang Mary Jane hinterher und erst als er sie im Griff hat, schießt er den Faden ab, der sie beide in Sicherheit bringt. Maguire ist nicht nur der bessere Spider-Man, sondern auch der physikalisch gebildetere! Verschwinde, Garfield…)

Zurück zum Comic. So sieht das ganze im historischen Original aus:

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Gwen Stacys tödlicher Sturz von der George Washington Bridge aus Amazing Spider-Man #121. Man beachte das “Snap” in der Nähe ihres Genicks auf dem zweitletzten Bild.

Amüsant ist, dass auf der nächsten Seite der Goblin Spider-Man erklärt, Gwen sei schon durch den Sturz tot gewesen. Seinerzeit waren nicht wenige Menschen davon überzeugt, dass solch hohe Beschleunigungen nicht zu überleben seien.

Also: Filmisch lohnt sich dieser hanebüchene Film nicht – aber für den Physikunterricht ist diese eine Sequenz zumindest brauchbar.

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4 Responses to Spiderman-Physik

  1. Herr Rau says:

    Ah, ein ganz berühmtes Panel. Historisch war das kleine „Snap!“ wohl von den Autoren gar nicht so gedacht (ein Superheld, der unmittelbar, wenn auch unvermeidlich, am Tod der Freundin schuld ist? ging damals gar nicht); Leserbriefdiskussionen folgten, und die Autorenintention spielt ja eh keine Rolle. In mindestens einem späteren Reprint ist das „Snap!“ wegretuschiert, inzwischen aber allgemein akzeptiert.

    Den letzten Spider-Man-Film habe ich gar nicht erst angeschaut. Und das, obwohl Spider-Man und ich so eine lange Geschichte haben.

  2. Hokey says:

    Oh mein Gott! Spider-Man hat seine Freundin umgebracht! Mein Superhelden-Weltbild -> krach

  3. Ron says:

    Hi!
    aus derselben Situation habe ich mal eine Unterrichtsstunde entwickelt. Die Idee dazu hatte ich aus: „Physik der Superhelden“ von Kakalios..

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