Handschrift vs. Computerverständnis

20141205_193309Meine Tochter schreibt gerne Geschichten. Seitenlang bekriegen sich Elben und Orks, erleben Mädchen Abenteuer auf dem Schulweg, befreunden sich Jungen mit Gespenstern aus der Tiefkühltruhe.
Sie hat sogar ellenlange “Abenteuerbücher” verfasst, in denen man am Ende des Kapitels wählen konnte, wie es weiterging und im entsprechenden Kapitel weiterlesen musste um zu erfahren, ob Legolas und Tauriel nun einander retten, oder nicht.

Zu schreiben ist – wie meine befreundeten Deutschkollegen immer sagen – die beste Art, schreiben zu lernen. Untersuchungen zeigen, dass sich Schreibschrift sehr gut einprägt, fast, als hätte die Hand ein eigenes Gedächtnis.
Im Zuge der Diskussion ob Informatik ein verpflichtendes Schulfach werden soll, denke auch ich manchmal über Carolinas (nicht vorhandene) Fähigkeiten am Computer nach: Geschichten zu schreiben wäre ein guter Einstieg in ein Textverarbeitungsprogramm. Sie würde quasi beiläufig die Begriffe “Laden” und “Speichern” verstehen und auch die Anordnung der Buchstaben auf der Tastatur erlernen.
Ihre Kenntnisse beschränken sich bisher darauf, Apps auf dem Handy zu de- bzw. installieren, neu anzuordnen und das Hintergrundbild zu verändern.

Wie man es auch dreht und wendet: Es gibt mehr Dinge zu lernen, als Zeit sie zu üben.

Handschrift oder Computer? Klavier oder Bogenschießen im Garten? Sportverein oder Kinotag?
Bedeutet “familiäre Förderung”, dass sie viel Zeit zum Lernen bekommt oder dass sie ihre Kindheit genießt? Und: Bedeutet “optimale Förderung” in der Schule, dass ich den Schülern möglichst viel Wissen vermittle oder, dass ich mit ihnen Ausflüge mache und das Leben lebe?

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  1. Computerverständnis wird von Kindern in null Komma nix gelernt. Egal ob sie 8 oder 14 Jahre alt sind. Die Geduld und motorische Leistung aufzubringen einen langen Text selbst mit der Hand zu schreiben und die Auswirkungen die das aufs Gehirn hat, sind unwiederbringlich verloren wenn sie nicht im Grundschulalter und auch danach immer wieder eingeübt werden. Es gibt aus meiner Sicht kein versus sondern nur ein nacheinander 🙂 und die Frage wann das Computerverständnis nicht mehr aufzuhalten ist 😉

  2. Familiäre Förderung geschieht in Gesprächen, in vielen kleinen Alltagsdingen und Begebenheiten. Anreize geben, den Kindern die Welt und die Möglichkeiten zeigen, das ist Förderung und das Ganze mit einer großen Portion Liebe. Schreiben per Hand oder PC, beides ist möglich. Warum nicht die handgeschriebene Geschichte in den PC eingeben und ein Buch entwerfen? Bei einem Sohn würde sich wahrscheinlich gar nicht die Frage stellen denn, entweder PC oder keine Geschichte.
    Förderung in der Schule bedeutet aus meiner Sicht die Vermittlung von Wissen, zusammen mit Humor (Lehrer sind manchmal so humorlos), Anerkennung und Respekt gegenüber Lehrern und Schülern und die Freude auf Ausflüge und Klassenfahrten.

  3. Tja, die Qual der Wahl… Meine Tochter macht gerade Abi und erlebt besonders intensiv die Tücken der Errungenschaften unserer Gesellschaft. ALLES ist nur in der Theorie möglich, im wirklichen Leben bedeutet die Entscheidung fur das eine allzu oft den schmerzlichen Verzicht des anderen.

  4. Die Frage ist natürlich wie immer, was genau man vermitteln möchte. Motorische Fähigkeiten? Kreativität? PC-Kenntnisse? Fantasie?
    Alles immer gleichzeitig zu erreichen, ist undenbar. Die gesunde Mischung macht es. Ich fahre im Deutschunterricht unheimlich gut damit, meinen Schülern ab und an (nicht immer!) zu erlauben, Übungsaufsätze am PC zu schreiben (und sie mir freiwillig zur Korrektur per Mail zu schicken). Die Aufsätze, die dabei rauskommen, sind sprachlich deutlich gelungener und Ideen besser ausgearbeitet, weil es den Schülern leichter fällt, Absätze nochmal zu ändern oder zu überarbeiten. Oder sogar zu löschen. Die Hemmschwelle, genau das bei einem handgeschriebenen Aufsatz zu tun, ist deutlich höher ;). In der Regel kommt auf 3 handschriftliche Übungsaufsätze 1 Aufsatz, den sie am PC verfassen dürfen. Häufig lasse ich darüber hinaus auch die Überarbeitung der handschriftlichen Hausaufgabe am PC machen, wenn nach einer Schreibkonferenz der erste Entwurf überarbeitet werden soll.
    lg Caro

  5. Sich bestimmte Fähigkeiten anzueignen, ist oftmals eine Sache der Motivation und des rechten Moments. Lucy schreibt auch gerne und wir haben ihr dafür einen alten Laptop zur Verfügung gestellt. Aber ihre Schreibfähigkeiten sind noch so rudimentär, dass das ihre Fantasie hemmt. Sie sucht zu lange nach den richtigen Buchstaben. Dann lieber per Hand. Tippen lernt sie später eh noch… und vielleicht braucht sie das gar nicht so. Ich zum Beispiel schreibe immer mehr wieder per Hand in mein Tablet 😉