Urlaubstagebuch #5: Sainte-Énimie

Urlaubstagebuch #5: Sainte-Énimie

Nachdem wir die Tropfsteinhöhle bewundert hatten, stand abends die Ergründung des merkwürdigen Lichts an.
Um die Kinder nicht zu ängstigen, legte ich die neu erworbenen Utensilien (Hammer, das Beil (was im französischen „hache“ heißt), feste Schuhe und bissfeste Hose zusammen mit der Drahtschlinge) zunächst in die kleine Truhe neben dem Holzofen.
Zunächst aber wollten wir nochmal schwimmen gehen und den sonnigen Nachmittag genießen.

Aber abends.

Egal, welche monströsen Ratten oder sterblichen Überreste einstmals glücklicher Reisender hinter dem Licht auf mich warteten, ich würde…

„Du weißt schon, das wir morgen Hochzeitstag haben, oder?“, erinnerte mich die geduldigste Ehefrau von allen sanft, aber bestimmt. „Ähm..“, entgegnete ich scharfsinnig. Denn natürlich hat sie recht. Mein Weg war von nun an wie in einem Stephen King Roman vorgezeichnet und ich sah die Schlagzeile schon vor mir: Bestseller-Autor Lehrer tragisch verunglückt!“ Ich würde weiße, augenlose Ratten finden, die – aufgeschreckt durch mein Eindringen – nach mir schnüffeln und mich suchen würden. Ihre kleinen, spitzen Zähnchen würden von meiner nagelneuen Kevlarhose (pantalon de protection) noch abgewehrt aber spätestens, wenn ich die Überreste jener unglücklichen Familie…

„Jan?“, holt mich meine Frau wieder in die Realität zurück.
Also packe ich Hammer, Beil und Drahtschlinge zurück in die Truhe und konzentriere mich auf den blöden Hochzeitstag.

Den verbringen wir zunächst in Sainte-Énimie, welches die vermutlich schönste Stadt ist, die ich je gesehen habe. „Stadt“ ist hier in Anführungszeichen zu verstehen, den gefühlt bestehen alle französischen Städte aus nicht viel mehr als zwanzig Häusern.
So viele unglaublich schnuckelige Gässchen und windschiefe Häusschen auf einen Blick – der ganze Ort ist nur zum gernhaben. So süß, dass ich fast den unheimliche Leuchten vergessen hätte. Fast.
Durch Sainte-Énimie verläuft ein kleines Flüsschen, auf dem vereinzelte Reisende in ihren Kanus reisten. Gutgelaunt sind wir der „Route des Gorges du Tarn“ gefolgt bis nach Saint-Chély-du-Tarn. Es war, als wären wir Alice durch den Kaninchenbau ins Wunderland gefolgt:

Direkt am Strand, neben einem Wasserfall haben wir den Tag verbracht. Ein paar Touristen und viele Einheimische genossen Sonne und Wasser. Ein unglaublich schöner Ort. Wann immer es euch in die Gegend verschlagen sollte – beides sind unglaublich wunderbare Orte.

Jetzt ist es 23:37 Uhr. Gleich ist der Hochzeitstag endlich vorbei und ich dieses matte Leuchten lockt mich, lockt mich, lockt mich…

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