Feminismus in Theorie und Praxis #1

Feminismus in Theorie und Praxis #1

Morgen geht es auf Klassenfahrt. Nach vielen Jahren des gemeinsamen Arbeitens und Älterwerdens und Wachsens freue ich mich auf die Abschlussfahrt mit meiner Klasse – und natürlich sind meine beiden Glasknochen-Schülerinnen mit dabei.

Die vergangenen Tage habe ich mit neuen Kursen, neuen Räumen, Organisation und Zetteln verbracht bis mir der Kopf rauchte. Am Wochenende dann Vorbereiten (und Freuen) auf die Fahrt. Nachmittags in der Sonne über einen Spiegelartikel gestolpert, indem eine junge Mutter ihre Schwierigkeiten schildert, ins Berufsleben einzusteigen.  Das erinnert mich an den empfehlenswerten Film “WonderWoman” und Gal Gadots Ausspruch: “Wer kein Feminist ist, ist Sexist!”

Ich nicke zustimmend und gratuliere mir selbst zu meiner berufstätigen Ehefrau. Das habe ich großartig gemacht!, denke ich.

Abends dann Tasche packen. Erschrocken stelle ich fest, dass mir dieses und jenes noch fehlt. Und – ach verdammt – die Läden haben ja heute zu. “Bekommt man das an der Tankstelle?”, frage ich meine Frau. “Wenn es um deine Klassenfahrt geht – habe ich dir hingelegt!”, winkt sie ab.

Das Spiel wiederholt sich.

Mehrfach.

Am Ende des Abends habe ich weniger selbst in meine Tasche gepackt, als meine Frau. Schöner Feminist bin ich. Anscheinend muss ich noch viel lernen!

Aber ich gelobe Besserung!

Ab morgen werde ich meiner Co alle Verantwortung übergeben. Sie, als starke Frau wird die Klassenfahrt vollständig leiten und ich bin Feminist genug, zurückzutreten und sie arbeiten zu lassen.

Ich muss noch viel lernen – aber ich lerne schnell.

One Reply to “Feminismus in Theorie und Praxis #1”

  1. Deshalb tut es meinen Jungs so gut, wenn sie zwischendrin auch mal (jüngere) männliche Lehrer haben – die kennen dieses „oh, verdammt…“, kommentieren Schulranzenchaos mit „ach, bei mir sieht’s auch nicht anders aus“ und halten mir bei Elterngesprächen nicht mit anklagende-entsetzem Blick die blutrünstigen Strichmännchengemetzel im Matheheft unter die Nase, sondern meinen „Jo, jo, Phantasie hat er auch… „

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