Office 2010 Beta – Zwischenfazit

11. Dezember 2009 2 Von Jan-Martin Klinge

Rezensionen sind so eine Sache, nicht wahr?

Erst neulich las ich den “Testbericht” eines Autors – offenkundig iPhone-Fan – über das neue HTC HD2. Als Nachteil führte er – für ein Windows Phone – das Betriebssystem “Windows” an. Mein lieber Scholli, ging es mir durch den Kopf, und führt der beim iPhone “Mac” und bei Nokia “Symbian” als Nachteil an? Dann soll er kein Windows Phone testen, wenn er das per se schlecht findet.

Erfahrungsberichte sind stets durch die subjektive Brille des Betrachters gefärbt und so ist es wichtig zu wissen, aus welcher Perspektive ich das neue Office 2010 beurteile.

Zum einen: Ich bin ein Technik-Nerd. Ich probiere gerne neue Dinge aus, ich bastle gerne an und mit PC und Smartphone. Ich liebe die Ribbon-Oberfläche von Office 2007, der Sprung von Office 2003 auf 2007 ist grandios und weil die GUI (nahezu) alles ist, bin ich nicht sonderlich begeistert von OpenOffice und Konsorten. Aber ich bin auch kein professioneller Nutzer, der wissen muss, wie er den Inhalt eines Word-Dokuments mit einer Excel-Tabelle verbindet, so dass bei Serienbriefen mit Inhalt X der Vorlagenformatsatz Y eingeblendet und…

Ihr wisst schon, was ich meine. Ein normaler User eben.

Nach zwei Wochen intensiver Office 2010-Nutzung, habe ich mich entschieden:

Ich kehre wieder zum alten Office 2007 zurück.

Zumindest fast.

Word 2010 ist mir zu instabil. Bei vielen Funktionen (bspw. “suchen und ersetzen”) erhalte ich ein “Es steht nicht genug Arbeitsspeicher zur Verfügung, um diesen Vorgang…”. Nunja. Es sei versichert, dass ich über genug Arbeitsspeicher verfüge.

PowerPoint 2010 ist… nunja. Noch mehr Übergänge zwischen den Folien. Kennt ihr so Vorträge, bei denen die Übergänge zwischen den Folien supermegaoberspektakulär sind – und in Geschwindigkeit: sehr langsam ablaufen? Ein Greuel! Für mich als normaler Nutzer also nicht viel neues erkennbar.

Outlook 2010 ist schön. Die Ribbons sind allerdings für mich eher “überflüssig”. Sie nehmen in erster Linie viel Platz weg. Outlook ist allerdings das einzige Programm, dass ich in der 2010 Variante behalten werde. Es läuft stabil, synchronisiert nahtlos mit meinem HTC und ich mag das Design.

OneNote 2010 ist für mich das wichtigste Produkt der Office-Linie geworden. Wer es nicht kennt, sollte es sich unbedingt einmal ansehen. In dieser Sparte würde ich mich tatsächlich als heavy-User bezeichnen. Meine Notizbücher sind einige Gigabyte groß, zig tausende von Seiten lang.

  • Obwohl OneNote 2010 anfangs in der Performance der 2007er Version davonzog, verhält es sich nun gerade andersherum: Mein altersschwacher TabletPC braucht gut 4 Minuten um das Programm zu starten. Undenkbar in einer Schulstunde.
  • So sinnvoll die einklappbaren Unterseiten sind – so überflüssig und platzverschwendend sind die Ribbons. Gerade in Zeiten, in denen neue TabletPCs nur noch über 10 – 12 Zoll Bildschirme verfügen.
  • Der LiveSync-Fehler ist tatsächlich verschwunden. Aber ich schlage mich lieber damit herum, als mich über die großen Ribbons zu ärgern.
  • In 2007 konnte man viele Funktionen über das Kontextmenü (rechte Maustaste) abrufen: Seiten verschlüsseln, Seitenformat ändern, Seiten gruppieren, einrücken, ausrücken. Vieles geht jetzt nur noch über die Ribbons, d.h. einen Klick für den Tab und einen Klick für die Funktion. Ärgerlich.

Mein Fazit insbesondere für OneNote lautet: Ich bleibe bei 2007 und kann 2010 leider nicht empfehlen.

Für alle jene, die sich das Office 2007 nicht leisten können (oder wollen) kann ich die Beta durchaus empfehlen. Allen Technik-Nerds und Besitzern von 2007 kann ich nur sanft abraten. Verbesserungen gibt es nur wenige, Verschlechterungen dagegen einige.

Office 2007 Home and Student gibt es für um die 70 Euro für drei Lizenzen zu kaufen, wenn man sich zu dritt zusammentut macht das dann 24 Euro pro Person.

Hinweis: Wenn du rechts bei den Schlagworten auf „OneNote“ bzw. „OneNote-Projekt“ klickst, siehst du alles, was ich über dieses Programm geschrieben habe.