Schulterschluß

14. Februar 2011 4 Von Jan-Martin Klinge

IMG_0404Wie an vielen anderen Schulen auch, haben wir Schwierigkeiten mit der Arbeitshaltung vieler Schüler. Es gibt Klassen, da herrscht beinahe eine einmütige Verweigerungshaltung gegenüber Hausaufgaben. Bücher werden vergessen oder passen nicht in die Handtäschchen.

Die Kollegen versuchen, jeder auf seine Art, dem zu begegnen. Bei mir wird mit der zweiten vergessenen Hausaufgabe Freitags nachgearbeitet. Andere sind da toleranter. Bei dem einen darf nachgereicht werden, bei dem anderen nicht. Die eine schreibt beim dritten Mal einen Elternbrief, dem nächsten sind Hausaufgaben völlig egal.

Das Tragische dabei ist aber, dass sich meines Erachtens neunzig Prozent aller “Fünfen” ausschließlich auf die Arbeitshaltung zurückführen lassen. Ich denke, die wenigsten Katastrophen-Arbeiten hängen mit mangelndem Intellekt oder damit verbundener Überforderung zusammen. Es geht fast immer um die Arbeitshaltung.

Seit heute nun gilt in unserer Schule eine gemeinsame, neue Zero-Tolerance-Politik gegenüber nicht gemachten Hausaufgaben: Wer seine Hausaufgaben vergisst, muss den versäumten Stoff am nächsten Tag in der 7. Stunde nacharbeiten.

Ich erfahre gemischtes Echo auf diese Maßnahme. Oft sind Kollegen von anderen Schulen eher erstaunt. Empfinden die Maßnahme als zu streng oder fragwürdigen Mehraufwand.
Ich muss zugeben, dass ich diese Zweifel nicht teile. Ich glaube, ganz im Gegenteil, wir sind an unseren Schulen nicht streng genug. Wenn die Schüler von der fünften Klasse an das Nacharbeiten als logische Konsequenz vergessener Hausaufgaben kennenlernen, dann wird dies hoffentlich zu einer veränderten Arbeitshaltung führen. Wenn ein Kollegium geschlossen ein bestimmtes System verfolgt und nicht mehr jeder “an seiner eigenen Front kämpft”, wird dies die Arbeitsatmosphäre bessern. Langfristig erhoffe ich mir davon, dass ich weniger Zeit mit Hausaufgabenkontrolle, Elternbriefen etc. verbringen muss.

Und am Ende werden die Schüler wieder zum strengsten Lehrer sagen: “Bei Ihnen, da habe ich was gelernt. Das war eigentlich gar nicht so schlecht…”