Lesen lernen.

12. Oktober 2011 7 Von Jan-Martin Klinge

Carolina kann lesen.
Und zwar richtig gut. Deutlich besser, als ich es selbst bis zu meiner Immatrikulation konnte. IMAG0767Ein bisschen stolz bin ich darauf, wie sie es gelernt hat – denn das war vor allem spielerisch. In der Küche an unserem kleinen Frühstückstisch hängt eine kleine Tafel, auf der ich früher Buchstaben, später kurze Worte und mittlerweile erste Sätze aufschreibe. Wenn wir morgens frühstücken ist es zu einem spielerischen Ritual geworden, lesen zu lernen. Ohne Druck oder (väterlichen) Ehrgeiz.
Ich erfreue mich insbesondere deshalb daran, weil ich mich mit Grausen daran erinnere, unter wie viel Tränen und Angst und Ärger ich Schwimmen gelernt habe. Das war.. gelinde gesagt.. keine richtig gute Erfahrung.

Als Elternteil Vater neigt man dazu, die Fehler der eigenen Eltern entweder ins abstruse zu verkehren oder gleich zu wiederholen. Insofern bin ich soweit ganz glücklich. Und noch etwas erstaunt mich: Der Antrieb, lesen zu lernen ist bei Carolina nicht übermächtig groß. Sie ist nicht “ganz wild darauf”, das endlich zu können und gehört auch nicht zu den gefühlt 82% hochbegabten Kindern an den Grundschulen. Und trotzdem hat sie es gelernt.
Und das sagt mir etwas darüber, wie auch meine Schüler lernen könnten.

Spielerisch. Beiläufig. Im Ritual. Und mit viel Zeit.

Lernt man das irgendwann? Relaxter zu sein? Spielerischer? Die Mathematik irgendwie im Alltag zu verstecken? Muss ich mal weiter drüber nachdenken.

(Im Seminar haben wir ein ähnliches Ritual. Jede Sitzung beginnt mit einer hypothetischen “Kolloquiumsfrage des Tages”. Auf diese Weise haben wir in den letzten Monaten spielerisch, beiläufig und ritualisiert eine ganze Menge Wissen gespeichert. Und eigentlich sollte mir das auch etwas darüber sagen können, wie ich besser lernen könnte. Aber diesen Aspekt ignoriere ich einfach. Smiley)

Übrigens auch auf dem Tisch: Meine Keith Haring-Tasse und eine (annähernd) weiße Rose.
Carolina und ich haben versucht, sie mit Tintenwasser blau zu färben. Ein Unterfangen, das kläglich gescheitert ist. Vielleicht “trinken” Rosen nicht? Eventuell hat der ein oder andere mitlesende Biologie- oder Grundschul-Lehrer einen hilfreichen Tipp. Sehr entgegen kommt dieser Fehlschlag meiner Frau, die sich ihre spöttischen Kommentare nicht nehmen lässt.

Alexander Flemming, der in seinem Leben sicher hunderte Fehlschläge erlebte, bis er eines Tages das Penicillin entdeckte, war ganz sicher nicht verheiratet.