Fett wie ein Turnschuh

10. Mai 2013 5 Von Jan-Martin Klinge

Ich muss mehr Sport machen.
Dezember_93 027Diese Erkenntnis ist nicht neu – aber wie alle guten Ideen brauchte auch diese einige Zeit Jahre, um zu reifen und schlußendlich ausgesprochen zu werden. Gerne würde ich wieder Fußball im Verein spielen – meine vielen Jahre beim SV Hörn als Libero sind mir in guter Erinnerung geblieben; zumindest besser, als mein eines Jahr beim belgischen RUA Plombière, wo ich auf Grund der Sprachprobleme nur mühsam verstand, welche Position ich überhaupt spielen soll…
Aber sehen wir den Tatsachen ins Auge: Trotz brasilianischen Bluts in der Familie bin ich einfach zu schlecht.

Für ein Fitnessstudio reicht meine Motivation nicht. Ganz abgesehen davon, dass mir die Zeit für Besuche dort fehlen, sehe ich gar nicht ein, mit Hin- und Rückfahrt und pipapo jedesmal zwei Stunden opfern zu müssen. Vom vielen Geld ganz zu schweigen. Bleiben noch Fitness-Apps oder Sein-lassen.

Das mit dem Sein-lassen habe ich einige Jahre konsequent durchgezogen – bis neulich. In einem Anfall von Tu-Dir-Was-Gutes habe ich mir für meine xBox das Nike+ Training gekauft.

Eine Rezension schrieb treffend, dass es zwei Arten von Fitness-Programmen gibt: Solche, die Spaß machen und nebenher ein paar Übungen beinhalten und solche, die nur trocken auf Sport aus sind: Hier handelt es sich um letzteres. Und ich bin wirklich sehr positiv von dem Programm überrascht.

Das Spiel funktioniert mit dem Kinect Sensor der xBox – das ist eine Kamera, die den Spieler als solchen wahrnimmt und ins Spiel einbindet. Ich muss also keinen Joystick halten oder Knöpfe drücken, sondern kann mich frei vor dem Fernseher austoben. Dabei werden ich und meine Bewegungen in das Spiel eingebunden. (Nein, ich bin nicht der sexy Frauenkörper, sondern der blaue Pixelhaufen.)

Nun, soweit nichts besonderes.
Worin unterscheidet sich das Programm von irgendwelchen Fitness-Apps auf dem Handy oder einer ungelesenen Men’s Health auf dem Klo?

Den Unterschied macht der Trainer bzw. die Trainerin (ich wähle schamlos Marie Purvis und arbeite ich jetzt mit ihr an Bauch, Beine, Po 😉 ).
Die xBox erkennt nämlich, wenn ich eine Übung nicht richtig durchführe. Typische Kommentare meiner Trainerin lauten: “Die Beine durchdrücken” oder “Die Knie höher" oder “Jetzt nicht nachlassen.” Denn natürlich versuche ich mich unbewusst durch die Übungen zu mogeln – man lässt die Präzision irgendwann schleifen. Doch Marie kennt keine Gnade. Mal freundlich, mal im Befehlston gibt sie mir ihre Enttäuschung zu verstehen. “Na, das war heute nichts. Beim nächsten Mal klappt das aber besser, ja?” Tatsächlich sind es genau diese Korrekturen, die das Programm wirklich gut machen. Denn..Ja! Man macht die Übungen sauber und präzise. Bis zu Schluss.

Eine besondere Freude für meine zuschauende Tochter sind die eingebauten Spiele. Da wird mit Bällen nach einem geworfen oder gläserne Wände fahren auf einen zu. Für normal große Menschen sicher ein Spaß – für sehr große Menschen wie mich wirklich, wirklich anstrengend.
Bis ich mich auf den Boden geworfen habe, um durch das heranrasende, katzengroße Loch zu passen, ist die Scheibe längst zersplittert. “Lass dich nicht entmutigen” tröstet mich Marie Purvis, aber ihr Blick ist entmutigend mitleidig. Diese Spiele kommen etwa einmal pro Woche vor – das reicht mir auch an Spaß.

Bei den vielen, von mir geforderten Liegestützen stellt sich mir wieder und wieder die Frage, ob sie für große Menschen mit langen Armen nicht vielleicht schwerer durchzuführen sind, als für kleine. Vielleicht werde ich da mal eine Versuchsreihe im Unterricht durchführen. Ein erstes googlen brachte mir nämlich keine Antwort.

Was bleibt?
Wer eigentlich Sport machen will, aber keine Lust auf Fitnessstudio hat, für den bietet das Nike Training ein gutes, weil kontrollierendes Programm. Ich habe zumindest am Anfang richtig, richtig Muskelkater gehabt.