Die 10 Gebote (…meines Unterrichts!)

24. Juni 2013 21 Von Jan-Martin Klinge

Frl. Rot wies auf ein überaus amüsantes Youtube-Video hin, indem sich Juri über zehn Dinge äußerte, die er an der Schule hasste. Sehr komisch – und viel Wahrheit darin. Überhaupt ist Schule geprägt von Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Zuallererst allerdings von uns Lehrern in Richtung Schüler.

Den ganzen Tag predige ich meinen Schülern Ge- und Verbote. (Jeder Lehrer bekommt eine Sammlung bei der Anstellung überreicht – zusammen mit einem karierten Jackett mit Flicken auf den Ärmeln, einer großen Busfahrer-Tasche und einem roten Notenbüchlein):

10 Gebote

(eine Verschriftlichung für für die Google-Reisenden und RSS-Leser am Ende des Artikels.)

Leider hört das an dieser Stelle nicht auf. Insbesondere wir Lehrer haben eine endlose Zahl von Regeln und Gesetzen zu befolgen, die sich zum Teil auch noch widersprechen. Herr Rau äußerte sich an dieser und jener Stelle darüber. Es gibt einen Leitfaden für Staatsbedienstete, in denen uns verboten wird, Facebook, Twitter und Google effektiv zu nutzen. Obwohl die Gründe nachzuvollziehen sind, entsteht der Eindruck, dass die Schule mal wieder nichts mit dem echten Leben zu tun hat. Zwei angehende Lehrerinnen schrieben just darüber, dass sie im Studium aufgefordert wurden, sich über das Handy im Schuleinsatz Gedanken zu machen. Ergebnis: Eher mau. Kollegen bilden Whatsapp-Gruppen mit ihren Klassen, erhalten Krankmeldungen über Facebook etc.etc. Der Unterschied zwischen Gesetz und Realität wird vielleicht anhand eines Schaubildes deutlich:

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Dies alles wiegt umso schwerer, wenn man sich Herr Larbigs aktuellen Blogartikel (und insbesondere das Ende) zu Gemüte führt: Wie kann digitale Integration von Lehr- und Lernmedien fortgeführt und erleichtert werden.

Und vor allem: Wie, wenn man nur Moodle benutzen darf? Da könnte man als Lehrer glatt selbst ein Video drehen: “10 Dinge, die ich an der Schulpolitik hasse”.

Für die RSS-Abonnenten & Google Reisende:

Die 10 Gebote des Unterrichts!

  • “Ich bin der HERR, euer Klassenlehrer, der euch geführt hat aus der Grundschule in dies gelobte Land!“
  • “Du sollst dich auch vor anderen Gelehrten dieses Hauses niederwerfen und dich verpflichten, ihren Anweisungen zu folgen!”
  • Sechs Tage darfst du arbeiten und Vokabeln lernen. Der siebte Tag aber dient der Ruh – Hüte dich, dich am Montag von deinem Ruhetag erholen zu wollen.
  • Ehre Mutter und Vater, indem du ihnen missratene Klassenarbeiten zur Unterschrift vorlegst.
  • Alle Bildnisse, die du erhältst, sollst du lernen und dir einprägen, auf dass du sie kennest nachts um 3, wenn man dich wecket!”
  • Du sollst den Namen deines Klassenlehrers nicht rufen für unnützes Zeug, denn der HERR, dein Klassenlehrer will in Ruhe seinen Kaffee trinken.
  • Du sollst nicht begehren deines Nächsten Note.
  • “Du sollst nicht entwenden deines Nachbarn Füller, Bleistift, Radiergummi noch sonst, was deines Nachbarn ist!”
  • Du sollst nicht falsch Zeugnis geben: Noch nie hat ein Hund die Hausaufgaben gefressen.
  • ”Und der HERR sprach, ihr sollt nicht die Mädchen von dem Klettergerüst schubsen, als da kommt großes Unglück in der 7. Stunde über euch!”