Hangover vs. Charlie Chaplin

7. Juli 2013 32 Von Jan-Martin Klinge

Noch zwei Wochen Unterricht hier in NRW.
Tatsächlich sind die letzten beiden Wochen mitunter die anstrengendsten: Die Noten sind gemacht. Schüler wie Lehrer sind ferienreif und das gute Wetter trägt sein übriges dazu bei, die Arbeitsmoral zu senken. Es ist mehr “betreutes Rumlungern” als Bildungsoffensive.

Es ist die Zeit, in der vermehrt Filme geguckt werden, um das Schuljahr entspannt ausklingen zu lassen. Leider funktioniert das nur ein, zwei Tage lang – irgendwann hängen auch den Kindern die ewigen Filme zum Hals raus. “Nicht schon wieder was gucken…” (sic!)

Auch meine Klasse wünscht sich gemeinsames Kino im Klassenraum und ich habe vorsichtig nachgefragt.

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Im Unterschied zu früheren Zeiten (in denen natürlich grundsätzlich alles besser war) – haben die Kinder heute die meisten Filme schon gesehen und ein großer Teil zu Hause auch auf DVD. Das senkt den Guck-Spaß beträchtlich. Und es wirft die Frage auf, wie sinnvoll die x-te Wiederholung von “Findet Nemo” ist. Nicht, dass ich die Pixar-Filme nicht mag – aber irgendwann erschöpft sicher der Humor dann doch. Und nicht nur die Lerngruppen sind heterogen, auch die Filmgeschmäcker: Wo einige Jungs schon Hangover 1-3 mitsprechen können, erfreuen sich andere an Disneys Cars.

Was mich zu dem Gedanken bringt, Filme auszusuchen, die wirklich niemand kennt. “Moderne Zeiten” von Charlie Chaplin zum Beispiel. Oder “Arsen und Spitzenhäubchen” aus dem Jahr 1941. Beides urkomische Filme. Und so alt, dass garantiert niemand sie sehen will kennt.

Als ich meiner Frau davon erzählte, schüttelte sie nur milde den Kopf (wie meistens, wenn ich großartige skurrile Ideen habe). Und ja: Auch die Schüler fänden Chaplin sicher zunächst blöd. Oder Cary Grant, der seine mordlüsternen Tanten besucht. Aber vielleicht nur im ersten Moment. Denn wo – wenn nicht in der Schule – bekämen sie je solche Filme zu sehen? Wer schaut in Zeiten “World War Z” noch “Die Vögel” von Alfred Hitchcock?
Muss man uns nicht auch manchmal zu unserem Glück zwingen?
Am Ende aber würden sie die Filme vielleicht wirklich blöd finden – zumindest hätten sie jedoch einen der großen Klassiker mal gesehen.

Wie seht ihr das?
Was habt ihr in der Schule gesehen oder zeigt euren Klassen?