Waschbär-Babys im Unterricht

9. September 2013 6 Von Jan-Martin Klinge

2013-09-09 12.04.16Die ersten paar Tage sind rum und wie prognostiziert sind sie anstrengend. Nach sechs Wochen Ferien sind die Kinder allesamt noch im “was-kümmert-mich-die-Welt”-Modus und lassen es sich gut gehen. Weil diese Woche viele Kurse (und Kollegen) auf Klassenfahrt sind, gilt Klassenlehrerunterricht: Ich muss mir also selbst Programm überlegen.

Eigentlich bietet so eine Woche viele Möglichkeiten, tolle Projekte anzugehen oder spannende Dinge zu erleben – aber mich strengen diese Tage sehr an. Die Schüler müssen wieder ans Lernen gewöhnt werden und der ein oder andere kämpft noch mit Disziplinschwierigkeiten. Alles dauert ein wenig länger und ist auch ein wenig lauter, als ich es gewohnt bin.

2013-09-09 10.48.13Begonnen haben wir mit Mathematik und der neuen 6.1-Lerntheke. Es macht richtig Spaß, zuzusehen wie sich hier und da und dort erinnert wird. “Ach.. dass haben wir doch schon in der 5. gemacht, oder?”

Genau.

Weil einer der Sport-Referendare in der Klasse Examen machen möchte, hat er sich für den Vormittag ein sportliches Rahmenprogramm ausgedacht.
Für leichten Frust sorgte ein (bekanntes) Gruppenspiel: Alle Schüler standen auf einer großen Plane und sollten diese wenden, ohne von den beiden Rollstuhl-Haien gefressen zu werden (sprich: den Boden zu berühren). Diese Aufgabe wäre später im Schuljahr sicher konzentrierter und zügiger angegangen worden – im Augenblick aber ist jeder noch damit beschäftigt, seinen Platz in der Klassenhierarchie zu finden.

2013-09-09 12.06.10Im Anschluss gab es eine unerwartete Überraschung: Eine befreundete Tierarzthelferin brachte zwei Waschbär-Babys in die Klasse und sorgte für großes Staunen.

Die kleinen Tiere waren wirklich unglaublich süß und gehören wohl in die Rubriken “Was meinen Unterricht stört” und “Worauf die Uni angehende Lehrer nicht vorbereitet.”
Die größte Herausforderung angesichts der knuddeligen Besucher bestand darin, meine 28 Schüler davon abzuhalten, sich gleichzeitig auf sie zu stürzen.

Für die Kinder ein echtes Erlebnis – und für mich die Vorlage ein neues Schule-im-Schaubild-Diagramm zu erstellen: Statt sich zu freuen, dass die Tiere durch die Klasse streiften und herumgegeben wurden und bei dem ein oder anderen auf den Rücken… ach.. seht selbst:

was geschieht, wenn ich meinen Schülern Schokoküsse mitbringe

Morgen wandern wir den Grubenweg und abends noch Elternabend. Insbesondere auf letzteren freue ich mich sehr. Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und uns Lehrern funktioniert wirklich außergewöhnlich gut – wir erleben im Kollegium echte Unterstützung. Ich kann gar nicht oft genug wiederholen, wie wichtig das ist. Und das werde ich auch morgen wieder sagen.