Krimi der Woche

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Vergangenen Montag sprach mich ein Kollege an und wies mich darauf hin, dass meine Homepage nicht zu erreichen sei. Ich winkte ab und schob die Schuld auf das überlastete Schulnetz. So brauchte ich einen halben Tag, um festzustellen, dass wirklich etwas schief lief. Ziemlich clever von mir – einen Job beim Geheimdienst werde ich wohl nicht so schnell bekommen.

Jedenfalls war die Homepage weg. Komplett. Ich hatte weder Zugriff auf das Blog, noch auf den ftp-Server oder irgendwas.
Es mag den aktuellen, politischen Debatten geschuldet sein, aber in meiner Naivität fielen mir nur zwei Möglichkeiten ein, wieso meine Domain gesperrt wäre: Eine Reihe hochbezahlter Anwälte ist einem Hollywoodfilm entsprungen um mich wegen raubkopierter Zitate oder Bilder zu verklagen… oder: Die NSA fühlt sich durch meine Lerntheken derart bedroht, dass sie mich abgeschossen haben.

Ich erzählte meinen Kollegen von der Befürchtung – und erntete großes Mitgefühl Gelächter. Sie begannen, meinen Platz im Lehrerzimmer neu zu vergeben, fragten nach der Kautionssumme und mit wie viel Jahren ich zu rechnen hätte.
Eine alternative Idee hatten sie aber auch nicht.

Irgendwann erfuhr ich von meinem Hoster den wirklichen Grund für die Abschaltung: Meine Homepage hätte SPAM-Mails verschickt. wtf? Bitte was?
Man wies mich an, herauszufinden, wie das geschehen könnte und gegebenenfalls die Sicherheitslücke zu finden, die dafür verantwortlich sei. Das nun, schien mir utopisch:
Stellt euch vor, euer Auto bleibt plötzlich auf der Autobahn liegen. Die Polizei kommt und schimpft euch an, dass das nicht geschehen dürfe und überhaupt – das Auto darf erst wieder fahren, wenn man den Grund dafür in den elektrischen Bauteilen gefunden habe – man solle sich gefälligst auf die Suche machen!

Ich bin ein Laie. Obwohl ich für meine Freunde (und Schüler) der Ansprechpartner in Computerfragen bin, habe ich von Programmierung etc. gar keine Ahnung. Wie man eine Homepage installiert, habe ich aus Youtube-Videos gelernt und nachgeäfft. Wie ein Schimpanse.
Ich rief einen alten Studienfreund zu Hilfe, der bei einer Firma arbeitet, die (platt gesagt) im Auftrag von Firmen in die eigenen Netze einbricht, um Sicherheitslücken aufzudecken. Jener Freund loggte sich einmal – hunderte Kilometer entfernt sitzend – in meinen Computer ein, erstellte im Hintergrund einen neuen Benutzer und das alles während wir gemütlich telefonierten und ich nebenher im Internet surfte. Ein Zauberer in meinen Augen.
imageEr brauchte dann auch nur zehn Minuten, um herauszufinden, was los war: Zahlreiche Computer aus dem Ostblock haben abertausende Male versucht, sich auf dem Blog einzuloggen und schließlich mein Passwort (12345) geknackt und dann ihr Unwesen getrieben. Einige Tage und viele Telefonate später, habe ich meine Seite zurückbekommen, alles aufgeräumt und dem Rat eines Lesers folgend (Danke!) ein Plugin installiert, dass nur wenige Anmeldungen erlaubt, bevor es die IP-Adresse des Computers für einige Stunden sperrt und mir eine Benachrichtigung schickt.
Und solche Benachrichtigungen erhalte ich am laufenden Band: Ein treuer – aber mir unbekannter – Mitarbeiter aus dem Sudan versucht sich immer wieder auf der Seite einzuloggen.

Tatsächlich ist alles gut gegangen und mir bleibt eine hübsche Anekdote, die ich im Unterricht verarbeiten werde.

imageBei der Analyse meiner Daten ist mir noch etwas anderes aufgefallen:
Anfang des Jahres hatte mein Blog ein anderes Design, das eher an ein in Leder gebundenes Tagebuch erinnerte.
Schaue ich mir nun die Zugriffszahlen auf das Blog der vergangenen zwölf Monate an, erlebe ich eine Überraschung. Zwischen Januar und März habe ich eine deutlich niedrigere Bouncerate (Absprungrate) meiner Leser, verbunden mit höheren Pageviews.

 

Im Schaubild sieht man das deutlich:

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Ich habe absolut keine Idee, was diesen Wechsel erklärt und während mir die Bouncerate nicht ganz so wichtig ist, lebt ein Blog von der Zahl seiner Leser.

Hat jemand eine Idee? Erstauntes Smiley

Oder war’s die NSA? Ninja

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