Wurde heute kurzfristig in unserer Willkommensklasse eingesetzt. Die Kinder aus Afghanistan, Kasachstan und Syrien beherrschen mittlerweile die Basics: Sich vorstellen, etwas über die Familie berichten, Hobbys und die Lieblingsfarbe.
Als nicht-Sprachler habe ich die Stunde heute genutzt, den Jugendlichen meine Wundermaschine vorzuführen. Sie freuten sich über ein “Experiment! Experiment!” und lauschten konzentriert meinen Erläuterungen. Zuerst wurde in die Kiste oben Milch (“Milch von einer Kuh! – Wie macht die Kuh?” “Muuuhh” – “Welche Farbe hat die Milch?” “Die Milch ist weiß”) eingeführt und nach auffälligem Glucksen und Rülpsen der Maschine floss unten Coca Cola in das Glas.
Großes Staunen.
Ich erklärte den Kindern, dass in Deutschland kleine Zwerge leben würden. Einen hätte ich gefangen, der würde die Milch trinken und Cola auspinkeln. Ein Tafelbild sollte das illustrieren.
Großes Gelächter.
Keiner glaubt den Quatsch.
Anschließend sollten alle aufzeichnen, wie sie sich das Innere der Maschine vorstellen. Aber “kein abra-kadabra, Herr Klinge!” Die wirklich durchdachten Vorschläge wurden an der Tafel gesammelt und vorgestellt – schließlich das Geheimnis gelüftet.
Spannend war, dass die Kinder ständig alles fotografieren wollten. Die Kiste von vorne. Von hinten. Wie Milch hineinfließt. Ein langes Video von den Innereien. Ich vermute, dass sie ihren zurückgebliebenen Verwandten die Bilder schicken. Inklusive der abstrusen Geschichte von kleinen Zwergen, die in deutschen Schulen – eingesperrt in Holzkisten – leben und sich von Milch ernähren und Coca Cola auspinkeln.
Was ist denn das Geheimnis nun?
Das kann ich an dieser Stelle leider (noch) nicht sagen, weil einige Schüler meinen Blog lesen und ich vor Weihnachten die ein oder andere Zauberstunde halten möchte 😉
Da es Zwerge nicht gibt, bleiben nur zwei gestapelte Gnome als Erklärung übrig.
Wenn ich nur gewusst hätte, was „Stollentroll“ oder „Hutzelmännchen“ auf englisch und arabisch heißt… 😉
Lieber Jan-Martin Klinge,
dieses Blog mag ich sehr und empfehle einzelne Beiträge auch meiner 13-jährigen Tochter (die sie dann leider doch nicht liest…).
Aber Ihr Eintrag heute hat mich fast zu Tränen gerührt!
Ich weiß nicht, wie man besser Lust auf Lernen, Lust auf Nachdenken, Lust auf Sprache und Begeisterung für Schule wecken kann, als mit diesem simplen „Experiment“.
Danke für die tolle Idee und die – wie immer – liebevoll erzählte Geschichte.
Möge die Macht weiterhin mit Ihnen sein 😉 !
Ganz herzlichen Dank 🙂
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