Lernen lernen.

Fremdsprachen auf KnopfdruckAls meine 9er ihre Klassenarbeit abgeben, herrscht Zähneknirschen und Gestöhne. “Von wegen leicht”, schimpft jemand von links, “ich hab die total verhauen”, von rechts.

Die letzten fünf Minuten bitte ich um Ruhe und gehe mit der Klasse die gesamte Arbeit Aufgabe für Aufgabe durch. “Aufgabe zwei und drei kennt ihr aus der Lerntheke, Aufgabe 4 ist…” Beim skizzieren der Lösungswege stöhnen viele auf, einige schlagen sich wütend an die Stirn.

Diese Arbeit ist offenbar nicht so gelaufen, wie gewünscht.

Eine Reihe von Faktoren kann man anführen: Seit der letzten Mathematikarbeit ist fast ein halbes Jahr vergangen: Die letzten Wochen vor den Sommerferien, die Sommerferien, die Einstiegswoche, das zweiwöchige Praktikum, die Herbstferien. Außerdem bin ich ein neuer Lehrer mit einer anderen Form von Unterricht.

Wohlwissend, wie bedeutungslos eine Klassenarbeit aus der 9 für das künftige Leben ist, finde ich diese Situation in erster Linie spannend. Das Problem liegt meines Erachtens weder in der Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler (denn sie haben sehr fleißig gearbeitet) und auch nicht im Niveau der Klassenarbeit (viele Aufgaben entsprangen direkt der Lerntheke), sondern in der fehlenden Kompetenz, sich selbst einschätzen zu können.

Ich fordere ein anderes Lernen.

Zu meiner Schul- und Studienzeit konnte ich mich ganz wunderbar stundenlang mit dem Stoff auseinandersetzen, tagelang lernen – ohne am Ende auch nur irgendwas im Kopf zu haben. Entsprechend enttäuschend fiel so manche Klausur bei mir aus. Ich hatte nicht wirklich gelernt, obwohl ich die ganze Zeit beschäftigt war.

Ich vermute, dass bei einigen Schülern das Abarbeiten der Stationen im Vordergrund stand. Geschafft. Abgehakt. Weiter zur nächsten.

Es erfordert eine große Portion Selbstbeurteilung um zu erkennen, ob man einen Einhalt wirklich verstanden hat. Bei meinen 10ern, die schon ein Jahr weiter sind, kann ich das bei vielen Schülern beobachten: Wie selbstverständlich mühen sie sich durch einzelne Aufgaben – nur um die gleiche Station eine Woche später nochmal (und vereinzelt auch ein drittes oder viertes Mal) anzugehen. Sie können schon besser beurteilen, ob sie etwas wirklich verstanden haben.

Auch wenn mir der Mathematikunterricht durchaus Freude bereitet, ist es doch die Vermittlung solcher Kompetenzen, die mich wirklich herausfordert: Kindern beizubringen, wie man richtig lernt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

7 Gedanken zu “Lernen lernen.”