Alltagsrassismus

Alltagsrassismus

Ich kenne einen einzigen guten (aber gemeinen) Witz und der geht so: “Wie nennt man einen Schwarzen, der ein Flugzeug steuert?”

Auf eine Frage von ARD-Talkshowmoderatorin Sandra Maischberger berichtet der österreichische Bundeskanzler davon, dass auch reiche Menschen unter Hetze und Diskriminierung zu leiden hätten. Dies sei genauso schlimm, wie die Hetze gegen andere Gruppen.
Als Reaktion darauf findet man inzwischen unter dem Hashtag #reichenhetze bei Twitter jede Menge Erlebnisberichte von Rassismus im Alltag.

Kanzler Kurz beklagt eine linke Hetze gegen die armen Reichen. Unter dem Hashtag #reichenhetze erzählen nun Menschen, was die alltägliche Hetze gegen Minderheiten wirklich bedeutet. Es ist erschütternd. Ihr solltet das lesen.
@MichaelBonvalot

Nichts davon betrifft Reiche. Und ein erschreckender Anteil findet in der Schule und durch (!) Lehrer statt. Es ist ekelhaft.

Auch ich bin nicht frei von Vorurteilen. Evolutionär nachvollziehbar erleichtert Schubladendenken den eigenen Alltag, erschwert jedoch den des Gegenübers, das sich aus dieser Schublade erst befreien muss. Ich lese Statistiken und weiß, dass in der Schule der Name, die Handschrift, das Betragen und das Geschlecht Einfluss auf die Bewertung von Kindern haben. Ein “Kevin” hat es nachweislich schwerer, als eine “Johanna-Marie” (hier ein SPIEGEL-Artikel darüber). Ich weiß das, und dieses Wissen hilft mir, mich davon zu distanzieren und bewusst gegenzusteuern. Ich glaube, dass mir das gut gelingt – aber man ist immer auch Gefangener seines eigenen Horizonts. Wer weiß schon, was er nicht weiß?

Ich versuche immer wieder, mich (und andere) aktiv von Vorurteilen freizumachen. Als vergangene Woche die Medien in meinen Unterricht eingefallen sind, habe ich vorher mit den Mädchen der betroffenen Kurse gesprochen. Werden Interviewpartner gesucht, erklären sich nämlich  gerne alle Jungen bereit – die Mädchen sind da zurückhaltender. So kann der Eindruck entstehen, in meinem Mathematikunterricht würden die Mädchen halt qua Quote teilnehmen. Und genau diese Sicht begegnet mir ganz, ganz häufig – nicht selten bei Mädchen selbst.

Wenn ich diese absurde Zurückhaltung bemerke oder solch diskriminierende Tweets lese, werde ich unglaublich wütend. Ich merke, dass ich mit Leib und Seele Lehrer bin und das mein Herz auch und ganz besonders für jene Schülerinnen und Schüler schlägt, die es nicht so leicht haben. Die keinen Klavierunterricht bekommen und sich keine Nachhilfe leisten können.

Das führt uns zurück zum Anfang: “Wie nennt man einen Schwarzen, der ein Flugzeug fliegt?”

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

“Pilot.”

(Was anderes erwartet? Was sagt das aus?)

3 Replies to “Alltagsrassismus”

  1. Ja, ich habe etwas anderes erwartet. Ich habe erwartet, dass jetzt was Fieses kommt. Was das aussagt? Ganz einfach: Man weiß, dass Schwarze diskriminiert werden und erwartet es deshalb auch. Leider!

  2. Ich war unschlüssig. Grundsätzlich hätte ich auch etwas fieses, aber doch irgendwie lustigen erwartet – aber das hätte weder in den Blog noch – insbesondere- in diesen Blogartikel gepasst. Insofern war unschlüssig. Die Auflösung ist super – danke. An meine Schule haben wir eine Migrantenquote von etwa 80 % (vor allem Muslime aus allen Teilen der Erde) – trotzdem machen einige dumme Sprüche über Farbige/Schwarze/Afrodeutsche (ich weiß nicht einmal, welches Wort pc ist).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.