Pong

Pong

Zwei Schülerinnen meiner Klasse müssen Informationen weitergeben. Um sie nicht zu stören, setze ich mich auf einen der nun freien Plätze in die letzte Reihe. Neben Julius.  Einer jener chaotischen Störenfriede, denen man allein um ihres sonnigen Charakters willen niemals böse sein kann. Als ich einmal mitbekomme, dass er in besonders langweiligen Stunden auf seinem Handy heimlich Netflix schaut und seufzend erkläre, dies sei wohl eine Folge eines zu großzügigen Datenvolumens, belehrt er mich grinsend: „Nein, Herr Klinge. Das ist die Folge eines zu großzügigen Telefonspeichers. Ich schaue offline!“ Julius ist ein Sonnenschein.

Wie ich so dahinten sitze, erinnere ich mich an meine eigene Schulzeit.
Die Schülerinnen vorne sind ganz schön weit weg und reden auch so leise. Ich verstehe eigentlich nichts. Und die Informationen sind auch nicht für mich gedacht. Plötzlich verspüre ich das ganz tiefe Bedürfnis, mit Julius zu quatschen und den Unterricht zu stören. Als wäre ich selbst wieder in der Mittelstufe. Es ist völlig absurd.

Ich erzähle ihm leise, dass man auf meiner Smartwatch Pong spielen kann und es bestimmt witzig wäre, das zu Zweit auf dem mikroskopisch kleinen Bildschirm zu probieren. „Was? Sie haben PONG? Geil!“, begeistert sich mein Tischnachbar.

Aber bevor wir loslegen können, ermahnen uns entnervte Mitschüler und ich versinke mit schlechtem Gewissen in meinem Stuhl. „Herr Klinge, Himmel!“, schimpft jemand von vorne. Überaus hämisch, möchte ich hinzufügen, habe ich mich doch für einige wenige Momente genauso verhalten, wie ich es ihnen immer vorwerfe.

Absurde, kostbare Momente. Ich werde diese Klasse vermissen.

2 Replies to “Pong”

  1. Zu köstlich! Genau meine Erfahrung, wenn ich mich mal zwischen die Schüler setze. Ich neige dann auch dazu, zu quatschen.
    Im übrigen auch immer gut mal die Position zu wechseln, um festzustellen wie ermüdend eigentlich lange Vorträge/Redebeiträge von vorn sind.

  2. Ich kann meine SuS immer besonders gut verstehen, wenn sie in der 8./9. Stunde keinen Bock mehr haben. Wenn ich an meine Schulzeit denke, wüsste ich wie unfassbar nervig ich gewesen wäre, hätte ich bis 15.40 in der Schule sein müssen… 😉

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