Guter Unterricht.

Guter Unterricht.

Es gibt zahlreiche Indikatoren für „guten Unterricht„. Ich erkenne guten Unterricht daran, dass meine Schüler auf zuweilen absurde Weise Spaß am Geschehen haben. Als drei Schülerinnen im vergangenen Jahr das Spritzmuster unterschiedlicher Toiletten untersuchten, ist das eine Arbeit, die ihnen und mir im Gedächtnis bleibt. Skurril und lustig.

Mit meinen 10ern beschäftige ich mich aktuell mit Exponentialfunktionen. Man untersucht dabei mit mathematischen Mitteln das Wachstum von Bakterienkulturen oder die zeitliche Veränderung radioaktiver Substanzen. Die Projektaufgabe der aktuellen Lerntheke besteht darin, mit den Eltern ein Glas Bier zu trinken, dabei die Höhe der Bier-Schaumsäule über der Zeit zu messen und anschließend den Wachstumsfaktor zu bestimmen. Natürlich tut es auch jede andere schäumende Flüssigkeit. „Jede andere?“, fragt mich Lina grinsend und der Schalk blitzt in ihren Augen.
„Mir völlig egal!“, bestätige ich.
„Dann könnte ich auch…“, sie zögert, schaut in die Luft, legt einen Finger ans Kinn und tut so, als müsste sie nachdenken (dabei hat sie den Unsinn schon längst im Kopf), „…dann könnte ich auch Pferdepisse nehmen?“

Wer einmal Pferde hat pinkeln sehen, weiß, wie sehr das schäumt. Und wenn die Büchse der Pandora einmal geöffnet ist, lässt sie sich nicht wieder schließen. Die nächsten zehn Minuten wird angeplant und angedacht, wie man im heimischen Pferdestall möglichst clever zu Pferde-Urin kommt. „Ich will mich ja nicht komplett einsauen“, erklärt Lina mir und „ich muss ja nicht alles auffangen, sondern nur etwas, oder?“

Ich bin begeistert! Es sind solche Projekte, die man auch nach zehn, zwanzig Jahren noch im Gedächtnis hat. Die von einer Lust auf Schule zeugen.

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