Es kostet immer was.

Der erste Tag nach den Ferien ist immer ein wenig anstrengender, als die restliche Woche. Nicht nur die Kinder sind noch im Ferienmodus, auch ich selbst bin noch etwas träge, erinnere mich eher mühsam an Stundenabläufe und -ziele. Durch die Zeitumstellung bin ich seit 4 Uhr morgens wach und, egal wie viele aufpeitschende „Gewinner brauchen nur 3h Schlaf“-Videos ich mir ansehe, ich bin wohl keiner von denen.

Als ich 12 Stunden später zu Hause aufschlage, reicht die Zeit noch zum Aufräumen und Durchschnaufen, bevor ich online an einer Konferenz teilnehme: Eine Kollegin aus Irland führt uns in rasendem Tempo durch ihren Unterricht. Zeigt beeindruckende digitale Tools und Vorgehensweisen und alle drei Minuten möchte ich „Halt!“ rufen und mitschreiben, mitschreiben, mitschreiben. Die Möglichkeit, in den Unterricht von Kollegen aus aller Welt einzutauchen, ist zu verführerisch. Auf meiner ToDo-Liste notiere ich mir, die Aufzeichnung der Konferenz später (d.h. wahrscheinlich „nie“) noch einmal anzusehen. Nebenher der großen Tochter bei ihren Schulsorgen zuhören und den Kindergarten-Abenteuergeschichten der Kleinen lauschen. Aber beides nicht so ganz aufmerksam.

Als die Konferenz zu Ende ist, ist die Große schon eingeschlafen. Sie wollte mir noch etwas Wichtiges erzählen – aber dafür hatte ich kein Ohr.

Abends erinnere ich mich an ein Gespräch mit Bob Blume. Blume ist Gymnasiallehrer in Offenburg. Er bloggt nicht nur, sondern ist der mit Abstand reichweitenstärkste unter den deutschsprachigen Lehrerbloggern, er betreibt einen bekannten Podcast, schreibt zahlreiche Bücher, ist YouTuber und, ach ja, er hat Familie.
Vor einigen Tagen unterhielten wir uns darüber, mit wie viel Energie und Freude wir unsere Projekte verfolgen. Wie neugierig wir grundsätzlich sind und gerne experimentieren, welche Entscheidungen gut und welche dämlich gewesen sind und wie gerne wir Lehrer sind.

Und wir sprachen auch darüber, dass diese Leidenschaft etwas kostet. Zeit. Energie. Kraft. Geld. Das es Tage gibt, an denen die Hand schon sanft am Stecker zieht.

Zu einer Idee, einem Projekt, einem Gedanken „ja“ zu sagen, bedeutet immer auch, zu vielen anderen Dingen „nein“ zu sagen. Heute Abend habe ich meine großen Tochter „nein“ gesagt – und ich befürchte, das war – bei aller Leidenschaft – eine meiner falschen Entscheidungen.

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