Die erweiterte Schulleitung meiner aufstrebenden Gesamtschule besteht aktuell aus fünf Personen und ganz subjektiv behaupte ich, dass, wenn es irgendwo Lehrfilme über ideale Leitungsstrukturen und Team-Management gibt, dann ist die Chance groß, unsere  fröhlichen Gesichter dort zu finden.

Uns allen ist gemein, dass wir unseren Beruf wahnsinnig intensiv leben, dass wir einander großes Vertrauen schenken und uns gegenseitig anspornen, besser zu werden. Rechnet man die Stunden mancher Arbeitstage gegeneinander auf, so kommt man in manchen Wochen zu dem Ergebnis, dass wir mehr Zeit mit den Bürokollegen verbringen, als mit dem eigenen Ehepartner. Das kann auf Dauer nur dann funktionieren, wenn die Chemie im Miteinander stimmt und tatsächlich – für mich fühlt es sich oft nach Familie an.

Weil unsere Schule auf- und umgebaut wird, ist vieles im steten Wandel. Zwischen unseren beiden Gebäudekomplexen war bisher – als fast separates Haus – eine Hausmeisterwohnung zu finden. Angedacht ist nun, die gesamte Verwaltung dorthin zu schieben und so fanden wir uns heute vielköpfig in einer leeren Wohnung wieder.

Mit Terrasse. Und Bad.

Und einigen Zimmern. Und einem Kriechkeller.

„Hier könnte die AL rein!“ wurde gescherzt und eine absurde Szenerie inmitten dieser Hausbesichtigung entstand: Es schien, als würden wir eine WG gründen. „Also“, rief jemand, „wenn wir demnächst noch die Fliesen fürs Bad zusammen auswählen, dann müssen wir ernsthaft reden!“ „An diesen Haken kommt jedenfalls mein Bademantel!“

Ich bin kein großer Freund des Begriffs „Work-Life-Balance“.
Er suggeriert, dass man einerseits zwar arbeiten müsse – aber das wirkliche Leben außerhalb stattfände und nur nicht untergehen dürfe. Ich kann verstehen, dass es vielen Menschen so geht. Verstehe, dass nicht jeder seinen Beruf als Erfüllung empfindet, vielleicht empfinden kann.

Aber ich nehme mir das heraus. Mein Anspruch an mich und meinen Beruf ist, dass ich ihn liebe. Ich will es lieben, morgens zur Arbeit zu gehen und es lieben, frühabends nach Hause zu kommen. Für mich gibt es aktuell keine Work-Life-Balance, sondern nur Life. Ich habe gerade zwei Familien und egal wo ich bin, die Zeit ist gerade einfach gut. Nie habe ich meinen Beruf mehr geliebt und intensiver gelebt als heute.

„Kaufen wir die Wohnung nun?“ „Wann ziehen wir ein?“

Ich liebe es.


(Zwei Fragen folgen implizit:

  1. Warum erzählst du uns das?
  2. Wie macht man sowas? Woran liegt das?

Zu 1) Aus dem gleichen Grund, aus dem ich begeistert von Unterrichtsprojekten oder familiären Highlights berichte: Um Lust zu machen auf Solches. Solche positiven Strukturen gibt es in echt – nicht nur in Lehrbüchern.

Zu 2) Keine Ahnung. Vielleicht habe ich einfach Glück? Vielleicht hat die Bezirksregierung uns auch wie bei Parship nach einem komplizierten Algorithmus zusammengesteckt und einen Volltreffer gelandet?)