Kahoot

Wir bewegen uns mit großen Schritten Richtung Zeugnisse und ich nutze die Zeit für den Einsatz einer umstrittenen App: Kahoot. Nächste Woche werden die letzten Arbeiten geschrieben und meine Schülerinnen und Schüler sind einigermaßen sicher im Stoff. Donnerstags sehen wir uns in der letzten Stunde von halb drei bis halb vier. Da sind die Köpfe schon ordentlich weichgekocht und die Konzentrationsfähigkeit nur noch mühsam zu finden. Für die letzte halbe Stunde des Tages hatte ich ein Kahoot-Quiz vorbereitet.

Was ist Kahoot?
Kahoot.com ist eine Webseite, auf der man recht einfach Quizzes und Umfragen erstellen und mit anderen teilen kann. Ein charmanter Aspekt ist, das man Kahoot gemeinsam mit anderen spielen kann. Der Spielleiter (und Quizersteller) startet das Quiz dazu auf der Webseite und das Spiel erzeugt eine Zahlenkombination. Alle teilnehmenden Spieler können nun über eine App oder die Webseite am Spiel teilnehmen, indem sie diese Zahlenkombination eingeben.

Punkte gibt es für das schnelle und richtige Beantworten der Fragen.

Action!
Unter Didaktikern wird der Einsatz von Apps wie Kahoot durchaus kritisch betrachtet, aber als spärlich eingesetztes Gaudi-Instrument ist es herausragend. Meine, mehr oder weniger ernsthaft gestellten, Fragen bezogen sich auf den gesamten Lehrstoff der Einheit und dienten einem lockeren Wiederholen.

Am Ende überwog der Spaß und das Sportliche gegeneinander – deutlich zu bemerken war, dass viele Kinder schon getippt haben, bevor sie alle Antworten gelesen hatten. Das habe ich ausgenutzt und oft vier ähnlich klingende Antwortmöglichkeiten formuliert.

Die letzte Stunde der Woche ist bei uns Klassenlehrerstunde und auf Drängen der Kinder hate ich ein zweites Quiz vorbereitet. Diesmal neben Blödelfragen für die Stimmung auch gemischt mit Fragen aus dem Englischunterricht. Neben einfacheren Vokabelfragen „How are you?“…

  • I’m fain.
  • I’m fein.
  • I’m fine.
  • I’m feine.

… auch solche die sich auf den Inhalt bezogen: „Jackie is Ellies… mum? uncle? aunt? sister?“
Da wurde dann doch gegrübelt. Mist! Wie stand das nochmal im Englischbuch?

Der besondere Spaß liegt darin, zwischen den einzelnen Fragen immer wieder für absolute Stille zu sorgen. Unruhig rutschen die Kinder mit ihren Popos auf den Stühlen hin und her, kauen an Nägeln, warten begierig, die Hände über den Tablets schwebend. Auf absolute Stille erfolgt explosionsartig großer Jubel, entsetztes Aufstöhnen über „falsch getippt“ oder Empörung über die Frage gefolgt von intensiver Diskussion über die Rangliste und wer nun wie viele Punkte hinter dem Zweit- oder Drittplatzierten liegt.

Dann wieder absolute Stille. Je stiller es zwischen den Fragen wird, desto impulsiver der Lärmpegel dazwischen.

Ein echter Fan von Kahoot werde ich dennoch nicht. Im Zentrum stehen natürlich jene Schülerinnen und Schüler, die viele Punkte machen und am lautesten krakelen – da verliert man leicht aus den Augen, dass einige Kinder nur wenige Punkte erreicht haben. Als Spökesveranstaltung, lustig moderiert und spät am nachmittag hat es seine Berechtigung – aber im regulären Unterricht wäre das nichts für mich.

Mein Highlight diese Woche war dann auch das Ende des Spiels. Kahoot präsentiert im Anschluss mit einer hübschen Animation ein Siegertreppchen und den ersten Platz hatte ein Mädchen der Klasse errungen, die alle Fragen richtig beantwortet hatte. Großer Jubel und begeisterter Applaus brandete auf und die Schülerin strahlte vor Stolz.

Natürlich freue ich mich, dass die Schülerin so viel wusste – aber das gemeinsame Lachen und Freuen, das Anfeuern und jemandem „den Erfolg gönnen“ sind mir die wertvollsten Elemente dieser Woche gewesen. Diese Klasse kann miteinander. Über Errungenes wird sich gefreut und am Ende der Woche gehen alle Kinder lachend und giggelnd nach Hause. So muss Schule sein.

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