#17: Unsere 8 größten Probleme mit den Tabletklassen

Zu einer ehrlichen Betrachtung unserer Tabletklassen gehört auch, dass ich die Probleme nicht verschweige, die im Alltag Zeit und Energie gekostet haben. Die seien darum auch ohne viel Prosa aufgeführt:

  1. Erste Tage: Kinder müssen die Notizbücher öffnen. Wo geht das? Wie geht das?
  2. Einige Kinder sind der Aufforderung „Erstelle dir ein neues Passwort“ nach der Erstanmeldung bei der Schulsoftware gefolgt und haben dieses Passwort augenblicklich vergessen.
  3. Einige Kinder hatten nicht nur ihren PC noch nie angemacht, sondern überhaupt noch nie einen Computer angeschaltet.
  4. Der ein oder andere hatte eine Displaysperre eingerichtet und dann das Passwort vergessen – Rücksetzen geht nicht, wenn man beim ersten Mal angeklickt hat, dass die Firma die Kontrolle haben soll (quasi die iCloud-Sperre der Surface Gos) – also müssen wir das als Schule zurücksetzen. Gut in Sachen Diebstahlschutz – schlecht in Sachen Zeitaufwand.
  5. Kinder gehen nicht sorgfältig mit dem Stift um; er wird fallengelassen oder – analog zu einem leeren Kugelschreiber – schonmal auf das Glas gehämmert. Die Stiftspitzen sehen bei Einzelnen ramponiert aus.
  6. Batterien der Stifte sind irgendwann leer (Ersatz in größerem Paket für Klassen gibt es hier)
  7. Kinder müssen sich ans Schreiben auf Glas gewöhnen. Manchmal poppt die Tastatur auf, wenn man das nicht will. Hin und wieder müssen die Geräte einfach neugestartet werden. Wie immer, wenn man mit Computern arbeitet, muss man lernen, mit ihnen zu arbeiten.
  8. Es geschieht auch, dass die Kinder heimlich im Unterricht dösen und dabei spielen oder auf YouTube Minecraft-Videos gucken. Erst heute erwischte ich vier Kinder: Über die App „Whiteboard“ hatten sie ein gemeinsames Whiteboard eröffnet und kritzelten zu viert „TicTacToe“. Die technische Umsetzung ist zwar charmant – in meinem Unterricht möchte ich das trotzdem nicht sehen. Hier sind nicht nur klare Regeln (und ihre Einhaltung) gefordert, sondern auch ein Überdenken der Unterrichtskonzeption.

Entscheidend ist: Alle diese Probleme lösen sich mit der Zeit von alleine (1-4) oder aber erfordern keine unlösbaren Schritte zur Behebung (Umgang mit den Stiften lernen, Unterricht anpassen). Keines stellt eine so große Hürde im Alltag dar, als dass Zweifel an der Richtung „Digitale Schule“ aufgekommen wären.

Ganz im Gegenteil ertappen wir uns im Kollegium in den höheren Klassen immer wieder bei dem Gedanken: „Ach Mist.. wenn die jetzt alle Tablets hätten, wäre das viel einfacher!“
Sowohl die Zufriedenheit bei den Eltern, als auch bei den Kindern ist immens. Niemand, der wieder zurückwollte. Das digitale Arbeiten ist voll und ganz im Alltag angekommen und zwar mit viel weniger Problemen und einer viel größeren Durchschlagkraft, als wir je gehofft hätten. Immer wieder muss ich daran denken, dass wir diese Kinder für Berufe ausbilden, die es zum großen Teil in der Form noch gar nicht gibt. Die wir uns noch gar nicht vorstellen können. Nur eines ist gewiss: Sie werden alle etwas mit Computern zu tun haben.

Tatsächlich aber erwachsen aus den genannten Hürden weitere Entwicklungsmöglichkeiten unserer Schule – aber davon mehr beim nächsten Mal.

 


In meiner Reihe „Tabletschule im Aufbau“ beschreibe ich, wie meine städtische Gesamtschule vorgegangen ist, um Tablets intensiv in den Schulalltag einzubinden. Die gesamte Reihe findet sich hier.

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