Gestern haben wir die Hochzeit eines meiner Geschwister gefeiert und für mich sind solche Tage gleichzeitig Momente absoluten Glücks und Bewusstwerdung tiefer Trauer.

Nicht nur untereinander verstehen wir uns außergewöhnlich gut (einen kleinen Einblick liefert unsere mehrtägige Reise nach Island), sondern auch mit den jeweiligen Partnern und Kindern ist es nur zauberhaft. Ich glaube mit Gewissheit sagen zu können, dass unsere Familientreffen von keinem als „Pflichtbesuche“ empfunden werden. Das ist großes Glück.
Einer meiner Brüder sagte einmal, er hätte zwei wunderbare Töchter, die er über alles lieben würde – obwohl es doch meine Kinder sind. Carolina hat im September zwei Wochen bei ihm und seiner Familie gewohnt und ihr zweiwöchiges Berufspraktikum in seinem Krankenhaus absolviert. „Familie“ im tiefsten, liebevollsten Sinn der Bedeutung.

Auch die Hochzeit passt in dieses Bild. Wir erleben tiefes Glück. Umringt von Teenager-Nachwuchs, kleinen Kindern und Babys wurde gefeiert und gelacht und gejubelt.

Und getrauert.

An solchen Tagen trifft mich das Bewusstsein schwer, wer alles fehlt. Wer nicht mehr dabei sein kann.

Diese Trauer lähmt mich- auch nach Jahren, viel mehr, als ich zugeben möchte und raubt mir zwischendurch die Luft zum atmen.

Am Ende eines solchen Tages bleibt die Erkenntnis, so oft wie möglich zu so viel wie möglich „Ja“ zu sagen.

Zu leben, auszuprobieren, alles mitzunehmen. Alle nötigen Umstände in Kauf zu nehmen, um eine Flasche „Château Picard“ zu besorgen, weil eine Hochzeit genau der richtige Zeitpunkt ist, einen solchen Wein zu teilen.

Die Entscheidung, alles was Energie raubt, was lähmt und Bauchschmerzen bereitet, abzusägen. Kompromisslos. Sich nicht rechtfertigen müssen. Nicht erklären müssen.

Die Hoffnung, dass es vielleicht mehr gibt als nur dieses Leben. Das alles, was wir tun und entscheiden vielleicht doch mehr bewirkt, als wir jetzt erahnen.