Vor drei Jahren habe ich mir ein Hühnerhaus gebaut. Es sollte nicht irgendein Hühnerhaus werden, sondern eines, das von außen wie ein Hexenhäuschen aussähe und so geschickt konstruiert wäre, dass ich – als großer Kerl – nicht hineinkriechen müsste, um es zu säubern. Die ganze Bauanleitung von der ersten Idee bis zum fertigen Käfig ist hier zu finden.

Nach nur wenigen Wochen hatten die Hühner alles Lebendige im Gehege gefressen und speziell im Herbst verwandelte sich der Bereich in eine Sumpflandschaft aus Indiana Jones. In Folge lasse ich die Hühner manchmal durch den Garten stromern. Ganz unbeaufsichtigt geht das nicht – eines wurde in einem unaufmerksamen Moment vom Hühnerhabicht geschlagen.

Will ich die Hühner wieder ins Gehege treiben, hat das früher recht viel Zeit in Anspruch genommen: Stets musste ich sie einzeln mit Futter wieder anlocken. Irgendwann hatten sie den Dreh raus, musterten mich mit ihren kleinen gelben Augen misstrauisch und blieben im Gebüsch, wo sie waren.

Also habe ich begonnen, meinen Hund mitzunehmen. Ein Australian Shepherd und seines Zeichens der vielleicht dümmste, aber liebevollste Hund der Welt. Bailey ist ganz wunderbar und wenn ich je wieder vor der Wahl stehe: Ein Australian Shepherd Weibchen würde ich ohne zu zögern nehmen.
Wir können im Wohnzimmer auf dem kleinen Couchtisch das gesamte Abendessen aufbauen – der Hund rührt es nicht an. Stundenlang mit dem Kuchen direkt auf Augenhöhe und ohne Zeugen: Kein Problem.

Auch mit den Hühnern versteht sich Bailey prima. Weder haben die Vögel Angst vor dem Hund, noch besteht umgekehrt ein Interesse. Einzig, wenn ich mit Küchenabfällen ins Gehege gehe und sie den Hühner vorwerfe, bellt Bailey schonmal empört. Aber – und das habe ich ihr mehrfach (!) erklärt – sobald sie anfängt, Eier zu legen, würde sie auch von den Küchenabfällen bekommen.

Wichtige Befehle sind natürlich „Aus“ und „Steh“. Es nützt nichts, wenn der Hund die Hühner fängt und danach totbeißt. Hilfreich ist außerdem, dass ein Australian Shepherd zwar gerne rennt und springt und spielt – aber mit einer gefangenen Beute gar nichts anzufangen wüßte: Die Tiere haben keinen ausgeprägten Jagdinstinkt mehr.

Zunächst musste ich dem Hund beibringen, dass er – auf Befehl – die Hühner jagen dürfe. Das hat einige Wochen gedauert, bis sie erstens verstanden hat, was „Hühner“ sind und zweitens die Kombination „bring mir“ sich nicht nur auf den Spielball, sondern auch auf das Federvieh übertragen ließ, denn normalerweise lassen sich alle Tiere hier gegenseitig in Ruhe.

Nachdem Bailey irgendwann verstanden hat, dass man mit den Hühnern spielen darf, musste das Ziel her: So lustig es auch ist, mit vollem Karacho durch das Federvieh zu jagen – die Hühner kamen dem Stall dadurch keinen Meter näher. Im Gegenteil habe ich die ersten Wochen und Monate mit Hund deutlich länger gebraucht, als alleine.

Aber die Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Mittlerweile weiß der Hund, wo es hingehen soll – und auch die Hühner haben eine Idee davon, wo sie sicher sind. Vom tiefsten Garten bis ins Gehege brauche ich nun mit Hund nur noch knapp eine Minute.

Damit bin ich nun wirklich zufrieden. Ein Video gibt es hier zu sehen: Klick. [Für zukünftig Lesende: Frisur und Bart sind mit der wochenlangen Isolation und Schließung von Friseuren zu entschuldigen. Das Video in den Artikel einbinden geht seit der DSGVO nicht mehr, sry.]

Am Wochenende außerdem drei neue Hühner gekauft – diesmal eine Rasse, die auch brütet. Im Sommer kommt dann ein neuer Hahn und vielleicht haben wir im kommenden Jahr dann ein paar Küken. Nicht nur für meine Kinder wäre das ein aufregendes Erlebnis.