Seit gestern sind die Herbstferien in NRW passé.
Für Zeitreisende Zeitlesende später interessant: Die Schulministerin Gebauer hat als zentrales Element der Gesundheitsstrategie das Stoßlüften in den Mittelpunkt gestellt, allenthalben buhlen Online-Fortbildungen und -Seminare um die Aufmerksamkeit der Wissbegierigen, allerorten steigt die Zahl der Corona-Infizierten mit jenen um die Wette, die das Geschehen für künstliche Hysterie halten. Allen gemein ist nur die Unzufriedenheit.

Unzufriedenheit vieler Lehrer über die offenen Schulen und das Gefühl, mit nichts als guten Wünschen, frischer Luft und einem Apfel mitten ins Getümmel geschickt zu werden.

Unzufriedenheit vieler Bürger, die politische Entscheidungen oft nicht mehr nachvollziehen können. Wieso gilt im Landkreis A etwas anderes, als im Landkreis B bei gleicher Infektionszahl?

Ich beneide die Politik gerade nicht um ihren Job. Während die einen viel härtere Maßnahmen fordern, wachsen Widerstand und Partylaune an anderer Stelle. Eine zweigeteilte Gesellschaft, wie wir sie bisher nur vom großen Bruder aus Übersee kennen. Dialog ist kaum mehr möglich. Hinterher weiß man es immer besser.

Diejenigen, die mit der Situation am Besten umgehen, sind dagegen die Kinder. Puterrote Gesichter, schäumende Mundwinkel und pulsierende Zornesadern habe ich bei unserer Schülerinnen und Schülern noch nicht gesehen. Sie machen das Beste draus. „Joa, Unterricht macht so reduziert gerade keinen Spaß – aber es wird ja auch nicht besser, wenn ich mich aufrege, oder?“

Statt dessen wird in meinem Unterricht weiter gearbeitet. Und von all meinen Lieblingskursen freue ich mich auf meinen Projektunterricht im Fach Technik am allermeisten. Wir planen den Bau eines Hühnerhauses.

Mittlerweile sind wir in Phase 2 angekommen. Letztlich wollen wir ein Fachwerkhaus bauen, über zwei Meter in Länge und Höhe.

Unterricht: Lichtblicke in Unzufriedenheit. 1

Während eine Gruppe Briefe mit Unterstützungsgesuchen formuliert und die nächste das Gelände vorbereitet und vermisst, wurde von der dritten eine Miniatur-Version des Hauses gebaut.

Nun, in Phase 2 muss aus den Maßen des Modells, dem vorhandenen Material und dem gegebenen Platz draußen die maximale Größe des Hauses berechnet werden. Maßstab und Mathematik im praktischen Einsatz.

Die Briefe sind gut – entsprechen aber noch nicht unseren Ansprüchen – der Bezug zum Fach Deutsch wird ganz deutlich.

Obwohl die Schüler es noch nicht bewusst wissen – sie lernen unfassbar viel und ich kann es nicht erwarten, dass wir den ersten Spatenstich setzen, ein Fundament gießen und anfangen, die Holzbalken zurechtzusägen.

Ich freue mich darauf, ab Ostern intensiv zu forschen, wie man das Gefache eines Fachwerkhauses füllt und vielleicht nutzen wir an jeder Seite eine andere Technik und andere Dämmung um einen Vergleich zu haben. Je nachdem, wieviel Zeit wir haben, kann ich mir vorstellen, das Dach wirklich fachmännisch zu decken. Vielleicht findet sich ein örtlicher Dachdecker, der uns einen Azubi für ein, zwei Tage ausleiht. Aber darum werden sich meine Schüler selbst kümmern müssen – ich gebe nur hier und da einen Anstoß.

So sehr mich die Pandemie auch nervt – ich schaffe es, die Unzufriedenheit nicht mit in meinen Unterricht zu nehmen. Ob meine Lerntheke in Physik, die Projektarbeit zu ägyptischen Knotenseilen (die meine 9er heute pünktlich und ohne (!) Ausnahme abgegeben haben) oder der Bau eines Fachwerkhauses: Unterricht ist und bleibt ein Lichtblick in dieser Unzufriedenheit. Eine Konstante, auf die sich die Schülerinnen und Schüler verlassen können.


Mehr zu Projektunterricht findet sich hier auf dem Blog und hier in meinem Buch.