Vor einiger Zeit erhielt ich von einer Arbeitsgruppe der Bezirksregierung die Anfrage, ob ich nicht Lust hätte, den Physiklehrertag mit einem Einblick aus unserer digitalen Tabletschule zu ergänzen. Seit meiner Zusage dokumentiere ich meine Unterrichtsaufschriebe ganz besonders akribisch und suche nach digital erweiterten Unterrichtsszenarien.

Die Herbstferien nähern sich in Nordrhein-Westfalen dem Ende und ich habe sie nicht nur genutzt, um das neuartige Konzept der regelmäßigen „Stoßlüftung“ genau zu lesen, sondern auch, um meinen Unterricht vorzubereiten. Ich bin generell ein Anhänger des projektorientierten Lernens und arbeite im Mathematikunterricht seit vielen Jahren mit Lerntheken.

Ich bin ziemlich sicher, dass meine Schülerinnen und Schüler während eines gut ausgearbeiteten Stationenlernens konzentrierter, besser und individueller lernen, als wenn ich von vorne die Stunden lenke. Für das Fach Physik fehlte mir oft  Es gibt keine Entschuldigung: Bisher habe ich das im Fach Physik zu selten gemacht. Punkt.

Bis zu den Weihnachtsferien werden wir uns in der Klasse 6 mit der Optik beschäftigen, also Licht und Schatten, Sonnenfinsternis und erste Versuche zur Lichtbrechung. Meine bisherigen Reihen habe ich umgearbeitet, angepasst und in ein neues Design gepresst.

Digitale Physik #2 1

Aus Gründen bin ich ein Freund davon, dass Design von Arbeitsblättern und Aufgabenkarten nüchtern und frei von jeder Ablenkung zu halten. Weil viele Experimente jedoch im Dunkeln ablaufen, bot sich ein Wechsel des Designs an und ich habe mich unverschämt am Film Tron orientiert.

Digitale Physik #2 2

Die meisten Stationen habe ich so konzipiert, dass sie, im Falle einer Schulschließung, auch zu Hause durchgeführt werden könnten. Dadurch komme ich nicht in die Verlegenheit, digitalen Physikunterricht via 60-minütiger Videokonferenz durchführen zu müssen. Das will ich meinen Schülern nicht einmal hypothetisch zumuten.

Einige Experimente benötigen besonderes Equipment. Dies kann ich, im Falle von Fernunterricht, umgehen, indem ich kleine Programme, sogenannte Webapps (Quelle), in die digitalen Hefte meiner Schülerinnen und Schüler einpflege:

Digitale Physik #2 3

Dadurch kann ich für die sehr interessierten Forscherkinder auch prima differenzieren. Obwohl nicht Thema, weiß ich jetzt schon einige Namen, die sich auf die virtuellen Experimente zur Lichtbrechung stürzen werden.

Digitale Physik #2 4

Für die Lerntheke brauche ich gewiss weder digitalen Unterricht noch Tablets in den Händen der Computer. Aber die Kombination ermöglicht mir, flexibel auf eine mögliche Schulschließung zu reagieren, einzelne Kinder virtuell mit aufwändigen Experimenten zu versorgen, den schwächeren Schülerinnen und Schülerin Hilfs- und Anleitungsvideos zur Verfügung zu stellen und während der Arbeitsphase immer wieder direkt in die Hefte der Kinder zu schauen, um Rückmeldung zu geben und Fehlvorstellungen aufzugreifen.

Obwohl ich zunächst kalten Angstschweiß bei der Vorstellung hatte, am Physiklehrertag Kolleginnen und Kollegen mit viel tieferem Fachwissen gegenüberzutreten, denke ich inzwischen, dass sich die ein oder andere Idee vielleicht gar nicht so schlecht macht. Der Unterricht bis Weihnachten steht jedenfalls. Und allein dafür hat sich der Aufwand gelohnt.