Hatte standen bei uns Zeugniskonferenzen an. Das Land NRW gibt vor, dass dieses Ereignis in Präsenz stattfinden solle, erlaubt aber die Prüfung von Alternativen. Diese wurden geprüft und in Abstimmung mit dem Kollegium als Videokonferenz durchgeführt. Es fühlt sich ein bisschen nach Science-Fiction an.

Eigentlich ist es absurd: Tag für Tag sterben in Deutschland hunderte Menschen an den Folgen einer Covid-Infektion, die Intensivstationen sind rappelvoll und aus England/Südamerika/Brasilien droht eine hochgefährliche Mutation: Aber Zeugnisse, Versetzung und Sitzenbleiben müssen gewährleistet bleiben und dafür braucht es auch die zugehörigen Konferenzen.

ZeugniskonferenzDie Entscheidung, die Konferenzen via Videokonferenz durchzuführen, wirkt immer noch ein wenig wie Science-Fiction, ist aber bei Licht betrachtet die einzig sinnvolle Variante: Es gibt keinen wirklichen Grund, warum man 50 Lehrerinnen und Lehrer über Stunden in einen (oder zwei oder drei) Konferenzräume stecken sollte – erst recht nicht, wenn die betreffenden Menschen seit Monaten Tag für Tag mit den Werkzeugen umzugehen gelernt haben.

Tatsächlich liefen alle Zeugniskonferenzen sehr zielstrebig und so effektiv ab, dass man sich durchaus die Frage stellen darf muss, ob das nicht zukunftsfähig ist.

Und das führt zu einer weiteren, noch wichtigeren Frage: Welches sind überhaupt die Veränderungen, die sich aus dieser Zeit mitnehmen lassen? Viele Strukturen in Schule, Unterricht und Miteinander laufen gerade anders – aber nicht alle unbedingt schlechter.

Denke ich an meinen Physikunterricht, dann habe ich es geschafft, viel Verantwortung an meine Kinder abzugeben. Vorbereitete Lernumgebungen. Vielfältige Aufgabenstellungen. Das ist nicht unbedingt schlecht, auch wenn ich die Kinder nicht sehe.

Frontalunterricht ist im Grunde leichter: Ich erzähle ein bisschen was von der wunderbaren Physik, mache noch ein oder zwei Demo-Experimente und lasse die Kinder hinterher ein Versuchsprotokoll ausfüllen.

Aber ist das auch besser?

So gesehen ist diese Zeugniskonferenz vielleicht eher als ein Indiz für eine an vielen Stellen zu beobachtende Unterrichtsentwicklung und die Hoffnung steht im Raum, dass daraus auch eine Schulentwicklung erwachsen könnte.