Gesund bleiben? Meine Tage beginnen oft zwischen 4 und 5 in der früh, wenn ich meine Frau aus der Babysitter-Nachtschicht ablöse. Um der zusätzlichen Belastung durch Online-Unterricht und Schulorganisation zu trotzen, greife ich hier und da auf Reserven zurück. 

Das Halbjahr nähert sich dem Ende und damit steigt die Arbeitsbelastung für Schulleitungen noch einmal deutlich an:  Zeugnisse müssen gedruckt, überprüft und unterschrieben werden. Arbeitsverträge enden oder beginnen und mit neuen Lehrkräften und neuen Fächerkombinationen müssen neue Stundenpläne erstellt werden. In diesem Jahr kommt erschwerend eine Corona-freundliche Zeugnisausgabe dazu (die bei uns die Schulleitung in einer großen Aula übernimmt) und dann steht auch die Anmeldewoche für die neuen Fünftklässler an.

Familie

Zuhause fordern Distanzlernen der großen Töchter und volle Windeln der jüngsten ihre Aufmerksamkeit. Zu kurz kommen in diesen Tagen Hund und Hühner (aber die haben jetzt einen neuen, hübschen Hahn zur Ablenkung und ich habe die Zeitschrift „Landwirtschaft heute“ mit dem Huhn der Woche ausgelegt. Die sind also versorgt).

Um gesund zu bleiben ist es wichtig, vorhandene Zeit und Energie sehr bedachtsam einzusetzen: Welche Ideen und Projekte können gestrafft werden, wo lässt sich auf Reserven zugreifen?

Es gibt, so glaube ich, zwei unterschiedliche Ansätze zu arbeiten: Zum einen Menschen die klare Arbeitszeiten und klare Pausenzeiten haben. Frei ist frei, Urlaub ist Urlaub. Die Arbeit wird eher als anstrengend und belastend empfunden und der Feierabend ist  nötig, um sich vom Stress des Tages zu erholen.

Und es gibt Menschen, die niemals so richtig zur Ruhe kommen: Die auch am Feierabend, Wochenende und manchmal sogar im Urlaub ein wenig arbeiten. Der Job ist so etwas wie ein Grundrauschen im Leben, ein Dauerzustand. Geschickt organisiert, verringert sich dadurch die Belastung während des Tages und man stolpert nicht sehnsüchtig und am Ende seiner Kräfte ins Wochenende.

Ich zähle mich zur zweiten Gruppe: Ich bin eigentlich ständig erreichbar und muss dafür im Gegenzug nicht morgens noch zehn Mails und drei Anrufe beantworten. Wenn ich dann abschalte, verschiebt sich die Belastung nur unwesentlich. Ich bin also immer beschäftigt aber die Spitzen der Belastung empfinde ich als nicht übermäßig kräftezerrend.

Konserven und Reserven

Gesund bleiben zwischen Familie und Unterricht 1Gesund bleiben heißt aktuell: In Mathematik auf alte Lerntheken von früher zuzugreifen (hier findest du sie alle zum Download). Gerade werden sie ohne größere Anpassungen übernommen. An dieser Stelle kommt mir das Distanzlernen/der Fernunterricht sehr entgegen: Einige Schüler:innen nehmen sich zuhause bewusst mehr Zeit, als in der Schule gegen wäre, um die einzelnen Aufgaben zu bearbeiten und zu durchdenken. Immer wieder rufen mich einzelne Kinder an und bitten um Tipps und Hinweise, wie man denn dieses oder jenes Problem lösen könne.

Technik auf Distanz zu unterrichten ist und bleibt eine Herausforderung und macht auch wirklich am wenigsten Spaß. Da fehlt mir die Werkstatt.

Astronomie und Sterne LehrerbandAuf meinen neuen Physikkurs freue ich mich dagegen sehr: Es gibt ein Wiedersehen mit meiner alten Klasse. Als erstes Thema beschäftigen wir uns mit Astronomie und Sternen. Vergangenes Jahr habe ich ein passendes Workbook erstellt, welches Texte, Experimente und Unterrichtsszenarien beinhaltet.

Gerade, weil ich die Kinder nicht im Kurs vor mir sitzen habe, entlastet diese Ressource mich enorm.

Szenarien:

  1. Wir arbeiten uns so lange durch das Arbeitsbuch durch, bis wir wieder im regulären Unterricht sitzen.
  2. in geteilten Lerngruppen kann die zu-Hause-Gruppe Texte lesen und Grundlagen büffeln und die Schul-Gruppe das erlernte experimentell umsetzen.
  3. alle sind wieder in der Schule und es gibt ein freudiges Wiedersehen und eine große Party.

tl;dr

Um gesund zu bleiben, entwickelt jeder andere Strategien. Gute Vorbereitung und der Zugriff auf alte Konserven hilft mir, Stress zu reduzieren und bei den vielen Aufgaben nicht unterzugehen.