Inmitten von Pandemie und Schule im Aufbau versuche ich immer wieder, Wohlfühl-Oasen zu schaffen. Orte, an denen mich nichts nervt oder ablenkt oder beschäftigt. Augenblick, in denen ich gedanklich oder physisch kurz die Füße hochlegen und es mir gutgehen lassen kann.

Wenn wir beim Abendessen sitzen oder ich die Kinder ins Bett bringe, gehört es zu unseren familiären Traditionen, zu erzählen, was die Highlights des Tages waren und wofür man dankbar sei. Doch des einen Freud ist manchmal des anderen Leid.

Wohlfühl-Oasen in Büro…

Wohlfühl-Oasen 1In meinem Büro, dass ich mir mit einer wunderbaren Kollegin teile, ist das Grund für Kühlschank, Wasserkocher und einen Fernseher an der Wand, der die meiste Zeit des Tages Landschaftsaufnahmen und hunderte BING-Wallpaper zeigt. Auf dem Regal hinter mir liegt (als Blick zurück) die alte Kamera meines Großvaters, der in der Nachkriegszeit als Schulleiter eine eine Förderschule geleitet hat und (als Blick in eine hoffnungsvolle Zukunft) ein 3D-Schach.

Eine Oase inmitten des schulischen Troubels.

Obwohl ich meinen heimischen Arbeitsplatz nahezu optimal an meine Bedürfnisse angepasst habe, fällt es mir zu Hause oft schwerer, solche Momente zu finden. Ein Teenager-Kind, ein Grundschulkind und ein Baby fordern neben Hund, Hühnern, Haus und Hof ihren Tribut. Und meiner Frau natürlich.

…und zu Hause

Wohlfühl-OaseMit der habe ich mich vor ein paar Tagen morgens für ein französisches Frühstück im Wintergarten verabredet: Strahlend blauer Himmel und die erste Sonne seit Äonen.

Croissants, Butter und Erdbeermarmelade, Cappuccino und zwei kleine, wackelige Tische in der Sonne. Was für ein herrlicher Ort zum Auftanken. Was für ein Moment der Stille. Der Romantik. Wie früher. Was für eine Wohlfühl-Oase.

Das dachten sich auch die Kinder. Holten Stühle herbei und drängten sich zwischen uns. Exakt anderthalb Minuten Zweisamkeit wurden uns geschenkt. Aber die waren zauberhaft.

Gestern abend wagten wir einen neuen Anlauf: Freitags ist bei uns Kinotag. Popcorn, Limo, Beamer und lautes Actiongetöse. Wir verfrachteten die Kinder unter Androhung schlimmster Strafen ins Wohnzimmer. Dem Teenager drückten wir Baby und Flasche in die Hand. Gleichsam als schwesterliche Fürsorge und erzieherischer Fingerzeig.

NachtischUnd dann hatten meine Frau und ich, ich und meine Frau und nur wir zwei einen wunderbaren Abend. Sogar der Hund lag lieber zu Füßen der Kinder und sammelte herabfallendes Popcorn ein. Absolute Stille bei Kerzenschein und sanftem Jazz.

Von 17 bis 18 Uhr. Aber man wird genügsam.

Als ich abends die Kinder ins Bett bringe und nach den Highlights des Tages frage, muss die sechsjährige nicht lange überlegen: – aber es ist nicht der Kinotag, den sie erwähnt. „Als wir zusammen auf den kleinen Tischen in der Sonne gefrühstückt haben. Das war sooo schön. Das könnten wir nochmal machen! Aber diesmal mit mehr Croissants!“

Klar. Auch die Kinder haben ihre Wohlfühl-Oasen.