Der Schnee ist kaum geschmolzen, die Frühlingssonne meldet sich zurück und der Swimming Pool ruft nach frischem Anstrich und warmem Wasser. Aber das ist gar nicht so einfach.

Ein Swimming Pool im Eigenbau

Swimming Pool

Vor knapp sechs Jahren habe ich aus der Ruine eines Swimming Pools in unserem Garten eine hübsche Wohlfühl-Oase erschaffen (hier ein längerer Artikel dazu). Jahr für Jahr investiere ich ein Wochenende dafür, die Terrasse mit passendem Öl, die Holzumrandung mit weißer Farbe und den Pool selbst mit Poolfarbe zu streichen. Mit der Farbe experimentiere ich Jahr für Jahr herum, werde aber nicht glücklich – nichts davon hält länger als einen Sommer.

Jetzt, da die dicke Eisschicht schmilzt und die Sonne von oben lacht, beginnen die ersten Planungen für das kommende Jahr. Aktuell ist das Wasser 7°C kalt und damit zu kalt für nur irgendwas, außer schönen Instagram-Fotos.

ein bisschen Physik

Jahr für Jahr lachen mich schwarze Solar-Schläuche aus dem Baumarkt an und versprechen themalbadartige Temperaturen für die heimische Anlage. Alternativ gibt es für wenig Geld großflächige Solarmodule (hier ein Amazon Beispiel). Um beurteilen zu können, ob und was solche Investitionen taugen, ist ein wenig Physik vonnöten.

Variante 1: Solarmodule

Wie man einen Swimming Pool erwärmt 1

Auf dem Dach des Unterstandes passen etwa 6 m² Solarmodule. Bei dem genannten Modell wird ein Watt peak, d.h. eine maximale Leistung von 150 Watt angegeben, wenn die Sonne voll draufknallt. Gehen wir vom Optimum aus, käme ich bei der vollen Dachfläche, voller Sonneneinstrahlung und voller Umwandlung in Wärme auf eine Leistung von 900 Watt. Wohlgemerkt nur zur Mittagszeit. Über einen langen, sonnigen Tag gerechnet wäre das ein Ertrag von bestenfalls 6kWh.

Variante 2: schwarzer Solarschlauch

Als Idee erscheint auch immer der schwarzer Gartenschlauch: „Lass uns doch 200m Schlauch kaufen, da fließt das Wasser dann langsam durch und den Rest erledigt die Sonne…?!“

Zunächst einmal benötigt man ganz schön viel Druck, um Wasser durch 200 Meter Schlauch zu pumpen, aber das ließe sich mit einem Verteilerventil umgehen, so dass man viermal 50 Meter Schlauch hätte, den man zu archimedischen Schnecken aufdrehen könnte. Dabei käme man auch auf etwa 6 m². Vermutlich weist ein Schlauch schlechtere Umsatzwerte auf, als eine Solarzelle, mehr als die genannten 900 Watt wären hier auch nicht zu erwarten.

Die viaXL Solarheizung ist ein fertiges Beispiel: Laut Herstellerangaben lassen sich damit 1000 Liter Wasser je Stunde um 1°C erwärmen.

Berechnungen für meinen Pool.

Um einen Kubikmeter Wasser um 1°C zu erhitzen, benötigt man eine Energiemenge von 1,16 kWh. Springen wir einige Wochen in die Zukunft, wenn es tagsüber schon wirklich warm ist, dann kühlt so ein Swimming Pool nachts um etwa 1,5°C ab.

Mein Pool fasst grob geschätzt 30 Kubikmeter Wasser, je Grad Temperaturerwärmung werden also knapp 34 kWh benötigt. Allein, um die nächtliche Abkühlung aufzufangen, muss ich 52 kWh Energie in das Wasser investieren.

Wie man einen Swimming Pool erwärmt 2

Damit wird klar, weder Photovoltaikanlage noch Solarheizung reichen selbst bei grober Schätzung nicht nur nicht aus, um der nächtlichen Abkühlung entgegenzuwirken, sie sind erst recht zu schwach, um einen Swimming Pool von aktuell 7°C auf wunderbare 21°C aufzuheizen.

Schlechte Nachrichten für meine Kinder – bis sie ins Wasser springen können, werden noch ein paar Wochen vergehen.

8 Gedanken zu „Wie man einen Swimming Pool erwärmt“

  1. Guten Morgen,
    wie gut ist der Pool gedämmt? Vielleicht kann die umliegende Erden erwärmt werden?
    Oder nachts eine Abdeckung auf den Pool, welcher die Wärme besser hält?
    Eine andere Idee ist nicht den Pool Warm zu machen, sondern die Person welche Schwimmt, dazu gibt es den Neopren Amzug.

    Die Kinder wollen doch in den Pool.

    Viele Grüße

  2. Die Berechnungen sind gut, nur die Schlussfolgerung ist falsch. 😉 Die offensichtliche Lösung ist eine Außensauna, um die Oase zu vervollständigen. Dann können sich Kinder und Deine Gäste so aufwärmen, dass der kühle Pool eine willkommene Erfrischung ist. 😀

  3. Bevor ich bei meinem Pool über die Wärme nachdenken kann, ist meine Frage eher, wie du es schaffst, dass dein Pool selbst im Winter so schön blau schimmert 🙂

    1. Eher Zufall – das Foto ist von letztem Jahr, als es um Ostern herum (nachdem ich alles neu gemacht habe) plötzlich geschneit hat.
      Aktuell sieht es eher grün und wenig fotogen aus.

  4. Hi Jan-Martin,
    hatte dieses Jahr ein ähnliches „Pool-Projekt“ – meiner ist aber nur ein Framepool mit 14cbm.
    Ich nutze solche Solarmatten wie z.B. Steinbach Solarkollektor Compact mit insgesamt ca 12qm Fläche, verlegt auf den Dächern meiner zwei Gartenhäuser. Eines davon bekommt Sonne von 10-17 Uhr, das andere kleinere von ca 12.00-19.00 Uhr. Meine Zuleitungen sind zum einen Gartenhaus irre lang (gut 30m einfacher Weg, also 60m gesamt – davon noch die gut 3,50m Höhe zum Dach hoch). Hängt trotzdem an der normalen Filterpumpe. Ich war skeptisch, aber es geht! Ich schaffe an sonnigen Tagen (Badewetter) eine Steigerung der Wassertemperatur um +0,8 Grad pro Stunde.

    Klar, ich verliere auch ca 2 Grad jede Nacht, trotz Bläschenfolie drauf und es gäbe viel Verbesserungspotential, aber ich weiß, dass ich bis zu +7 Grad pro Tag schaffe, damit ist das absolut tragbar. Gemäß Deiner Rechnung entspricht das dann ca 113 kWhLeistung durch Sonne bei ca 12qm billigste Solarkollektorfläche, oder anders gesagt ca 1 kWh pro qm Fläche.

    Also ich kann Dich nur ermutigen das auszuprobieren.

    Grüße
    Martin

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