„Früher oder später wird jeder Corona bekommen“ habe ich irgendwo gelesen. Und nun, anderthalb Jahre nach Beginn der Pandemie bin ich an der Reihe. Trotz Vorsichtsmaßnahmen. Trotz Impfung. 

Schnelltest weckt Befürchtung

Mittwoch letzter Woche erwarteten wir Besuch von einer Freundin. Obwohl mich eine leichte Erkältung (Triefnase, bisschen dösiger als sonst) plagte („Die verdammte Klimaanlage vom Auto!“), habe ich mir wenig Sorgen gemacht. Trotzdem einen jener Schnelltests gemacht, denn, man weiß ja nie.

Corona positivAnderthalb Jahre bin ich in Schule überaus exponiert gewesen. Hunderten Kindern begegnet. Unser aktuelles Großraumbüro überstanden. Und dann soll es mich mitten in den Sommerferien erwischen? Mich, der ich ein überaus distanzierter Mensch bin? Niemals!

Aber wir leben in einem Mehrgenerationenhaus. Vom neugeborenen Baby bis zu den vulnerablen Großeltern leben hier viele Menschen unter einem Dach.

Und der erste Schnelltest war positiv.

Bestimmt falsch! Direkt noch einen!

Auch der zweite Schnelltest war positiv.

Corona positiv: Nächste Schritte

In der Schule war der Ablauf klar: Bei einem positiven Test eines Schülers muss der abgeholt werden, sich an seinen Hausarzt wenden und einen PCR-Test machen. Erst, wenn ihm dieser negativ bescheinigt wird, darf er wieder in die Schule kommen.

Meinen eigenen Schnelltest hatte ich früh am Morgen gemacht und ich war zu ungeduldig, um auf die Öffnungszeiten meines Hausarztes zu warten. Kann der überhaupt PCR Tests durchführen?
Unter der 116117 konnte man mir gar nicht helfen. „Wo kann ich einen PCR-Test machen lassen?“ „Ja, also ich gebe Ihnen eine Hotline. Rufen Sie da mal an!“

Die Hotline war das Impfzentrum.

Ein örtliches Testzentrum führt laut Homepage auch PCR Tests durch, stellt diese aber privat in Rechnung. Hm.

Am Ende dann doch den Hausarzt angerufen und in der Mittagszeit einen Termin bekommen. Über die Corona-App würde ich das Ergebnis erhalten – oder, wenn das Gesundheitsamt anriefe.

Was es einen Tag später auch tat.

Symptome / Verlauf

Ich habe nur selten mit Krankheiten zu kämpfen und rede mir ein, dass mein ländlicher Lebensstil und der Verzicht auf Fleisch und Alkohol die Ursache dafür sind.

Tatsächlich bin ich so selten krank, dass ich jedes mal krampfhaft den Namen meines Hausarztes im Telefonbuch meines Handys suchen muss und als die MTA mir sagte, ich würde „die AU dann zugeschickt“ bekommen verwundert nachfragte, was denn die Abgasuntersuchung meines Autos jetzt hier zu suchen habe. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung? Noch nie gehört.

Trotzdem ging es mir im Laufe des Tages sehr schnell sehr schlecht. „Männergrippe“ hätte man meine Frau normalerweise gespottet. Dumpfschädel, Nase zu, Halsschmerzen und nach drei Schritten zur Toilette Schweißausbrüche.

Gleichzeitig mit der Corona-App rief einen Tag später das Gesundheitsamt an. Positiv. 14 Tage Quarantäne – Rheinland-Pfalz sei da ziemlich rigoros.

Corona positiv trotz Impfung: Ablauf & Verlauf 1Weil ich infektiös trotz doppelter Impfung (BioNTech, Mai/Juni) bin, ein sogenannter Impfdurchbruch, bat man mich, vor ihrer eigentlichen Öffnungszeit vorbeizukommen und eine Probe für das RKI abzugeben. Mein Beitrag wäre hilfreich, die Entwicklung und Mutationen zu verstehen. Im Dienste der Wissenschaft sozusagen.

Hmpf – ich kann ja schlecht im Dienst der Wissenschaft zu einer Wahrsagerin gehen (link) aber das Robert-Koch-Institut links liegen lassen.

Also für die Weltverschwörung der Echsenregierungen Wissenschaft hingeschleppt. Hatte mich schon komplett entkleidet, als ich begriff, dass man wiederum nur einen Rachenabstrich benötige.

Corona positiv trotz Impfung: Ablauf & Verlauf 2Mittwoch und Donnerstag lag ich wirklich flach. Schwere Erkältung hätte man sonst diagnostiziert. Freitag ging es stetig bergauf. Meine Smartwatch diagnostizierte im Schlaf einen Anstieg des Ruhepulses von 10-20 Schlägen pro Minute im Vergleich zu sonst. Als Laie verblüfft es mich immer wieder, zu sehen, wie schwer der Körper arbeitet. Ab Freitag dann wieder deutlich bergab.

Ausblick

Inzwischen geht es mir deutlich besser. Drei Tage flach gelegen ist tatsächlich unspektakulär und genau das, wozu die Impfung gedacht war: Der Körper ist in der Lage, eine Corona-Infektion schnell und zügig zu bekämpfen. Wenn es mehr nicht ist, könnte es für die Welt bald wieder bergauf gehen – zumindest, wenn sich alle impfen ließen.

Ein (vor wenigen Minuten durchgeführter) Schnelltest ist übrigens immer noch positiv. Ich bin also noch ansteckend. Auch das ist ein Grund, warum mir die Bekundungen mancher Politiker, man solle das Testen in den Schulen doch bald einstellen, Sorgen bereitet.

Schön natürlich, dass ich mich während der Ferien angesteckt habe und nicht während der Schulzeit. Ärgerlich, dass es zum Ende der Ferien geschehen ist, wo ich eigentlich den Start des neuen Schuljahres (und insb. unser neues Konzept) mitorganisieren müsste. Mega-ätzend!

Ob ich mich denn mit einem weiteren, negativen PCR-Test in ein paar Tagen von der Quarantäne freikaufen könne?
„Ich verstehe ihren Frust, Herr Klinge“, erklärte mir die Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt geduldig, „aber gerade an einer Schule, wo ungeschützte Kinder herumlaufen, wollen Sie nicht infektiös auftauchen!“

Hat sie natürlich recht. Und wäre ich so ansteckend nächste Woche in eine Lehrerkonferenz gegangen, wäre der Schaden sicher noch größer geworden. Mist ist es trotzdem.


Nachbemerkung 1

Muss so etwas denn öffentlich geschrieben werden? Wen geht das was an?

Letztes Jahr, als Corona noch einigermaßen neu war, musste meine Tochter einen Coronatest machen, weil in der Pfadfinder-Gruppe ein Fall aufgetaucht war. Erschreckt, und unvergessen, bleibt mir das damalige Gefühl der „sozialen Ausgrenzung“. Einzelne Bekannte, die vorwurfsvoll und harsch fragten, ob, was, wann und wie wir denn so verantwortungslos sein konnten und wenn jetzt ihre Kinder auch, dann..!
Das war kein „Oh weh! Gute Besserung!“ sondern unausgesprochen „Wehe, ihr habt diese Seuche auch in unsere Familie gebracht!“ 

Und daraus folgt ein „Oh je, wir sagen es vielleicht niemandem mehr, wenn ein Verdacht besteht!?“

Ein Jahr später ist das nicht mehr so. Aber ich halte „Transparenz“ und „darüber sprechen“ für wesentliche Elemente einer funktionierenden Ordnung. Dort, wo Dinge verschwiegen werden, geschieht das nur selten zum Guten.

Nachbemerkung 2

Corona positiv trotz Impfung: Ablauf & Verlauf 3Ich habe auch bei Twitter über den Verlauf geschrieben und allerlei „besorgte Bürger“ und sogenannte „Querdenker“ angezogen. Diesen Menschen, die ihre wertvolle Zeit auf dem Klo opfern, um für die Gesellschaft bei Telegram und YouTube ein Medizinstudium zu absolvieren und dem Rest der Welt zu erklären, warum nur sie recht haben, werde ich an dieser Stelle keinen Raum bieten – spart euch gerne eure Kommentare. Ich werde sie nicht freischalten.

Die letzten zwei Tage habe ich hunderte Accounts bei Twitter blockiert, weil es mir schlicht zu dämlich ist, meine Zeit mit Menschen zu verschwenden, die in ihrer eigenen Welt leben. Brauche ich hier genauso wenig wie bei Twitter. Hatte an dieser Stelle mal was dazu geschrieben.

Corona positiv trotz Impfung: Ablauf & Verlauf 4

16 Gedanken zu „Corona positiv trotz Impfung: Ablauf & Verlauf“

  1. Hm. Wir hatten ohne Impfung alle wesentlich mildere Verläufe, PCR-bedtätigt. Das soll nicht gegen das Impfen sprechen, wir sind (fast) alle zusätzlich geimpft. Mir zeigt es: Wir sind noch am Anfang des Verstehens und ein Medikament wäre langsam gut.

    1. Hmmm der Vergleich zwischen euren Verläufen ohne Impfung und dem hier beschriebenen Verlauf ist schwierig. Wenn Verläufe verglichen werden sollen, um die Wirkung der Impfung zu verifizieren, müsste der ungeimpfte Verlauf und der geimpfte Verlauf des Artikelschreibers verglichen werden. Der Verlauf von Mensch zu Mensch ist ja stark unterschiedlich. Es gibt Ungeimpfte, die haben gar nicht bemerkt, dass sie eine Erkrankung hatten, bei den wird wohl auch eine Impfung nicht viel an diesem Verlauf ändern und dann gibt es Geimpfte, die wären ungeimpft am Verlauf vielleicht sogar gestorben, haben geimpft aber nur einen leichten Verlauf.

      Jetzt aber genug geklugscheißert. Bei den Medikamenten bin ich bei dir. Ich glaube auch, dass die Pandemie erst mit wirksamen Medikamenten beendet ist, bis dahin ist aber die Impfung der beste Weg, die Risiken zu minimieren und deswegen hoffe ich, dass da doch noch viele der bisher ungeimpften Menschen erkennen, dass diese Impfung ein absolutes Privileg in unserer westlichen Welt ist und sich doch noch impfen lassen.

  2. Hallo, danke für den Bericht und gute Besserung. Diese Stigmatisierung habe ich auch miterlebt bei Arbeitskollegen. Es ging nur darum wo und wie man sich angesteckt hat, wie es den Personen geht war vollkommen egal. Ich fand das schlimm.

  3. Danke fürs Teilen deiner Erfahrungen!

    Auch auf Twitter, dort hab ich’s zuerst gefunden und bin dann deinem Link gefolgt.

    Gut zu sehen, dass die Impfung gewirkt hat – man kann sich nur ausmalen, wie es dir ohne erhingen wäre bzw noch immer ergehen würde…

    Alles Gute!

  4. Gute Besserung lieber „parasitärer Schädling für die Volksgesundheit“. Und vielen Dank für deine Transparenz. Corona zu bekommen ist weniger eine Frage des Lebensstils, sondern eher ein Glücksspiel.

    1. Habe den Bericht mit großem Interesse gelesen. Danke für die Transparenz. Noch ein Kommentar zur Konzeptplanung: heutzutage lässt sich Arbeit problemlos hybrid gestalten. Man muss nicht immer vor Ort sein. Speziell wenn es wie in diesem Fall um Vorbereitung ohne Präsenzzwang geht. Die digitalen Tools dafür sind alle da.

  5. Gute Besserung! Darf ich fragen, ob bekannt ist, wo die Infektion geschah? Und wie ist es da denn aktuell mit anderen Kontaktpersonen, ich stell mir das verordnete Abstandhalten etc. gerade in einem Mehrgenerationenhaus und mit kleinen Kindern, denen man so etwas nicht einfach erklären kann schwer vor… Alles Gute !

    1. Hallo,
      nein, keine Ahnung wo die Infektion herkommt. Kann genauso an der Zapfsäule, wie im Supermarkt oder sonstwo geschehen sein. Wenn Delta so „ansteckend wie Windpocken“ ist und die Infektion auch erst verspätet bemerkbar macht, lässt sich das nicht mehr sinnvoll eruieren.

      Bei uns sondieren sich die Großeltern ab, bei den Kindern geht das nicht – außer ich lebe zwei Wochen im Hühnerhaus.

  6. Gut zu hören, daß es ihnen besser geht und gut zu wissen, daß die Impfung die Seuche harmloser macht. Das beruhigt mich. Danke für die Info.

  7. Gute Besserung an Dich und toi, toi, toi, dass nichts nachbleibt!
    Genau diese Fälle haben uns als Kollegium veranlasst uns alle wieder 2 x wöchentlich zu testen. Egal ob geimpft oder ungeimpft. Bei 180 Schülern, die aus aller Welt aus den Ferien zurück kommen und in dem Stadtteil eher beengt leben, ist es mit der Deltavariante
    wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Coronafälle bei uns mehr werden. Hoffentlich bei allen mit einem milden Verlauf.
    Passt alle gut auf euch!

  8. Danke für die Schilderung. Deshalb möchte ich mich auch weiter testen, selbst wenn ich geimpft bin. Die Stigmatisierung ist fies, aber auch ich habe mich bei den Gedanken wie „selber schuld bei dem Kontaktverhalten“ erwischt. Und mich gewundert wenn Nachbarskinder abends einen PCR Test abgenommen bekamen und am nächsten Morgen auf der Straße herumgetollt sind. Uns selber hat nur ein kurzer falsch-positiv Test kurzzeitig in Quarantäne gesteckt. Und das war schon ein unangenehmes Gefühl.

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