Kreativ tätig zu sein ist angesichts der politischen, klimatischen und gesundheitlichen Lage der Welt herausfordernd. Ich verliere mich in Frust und Hoffnungslosigkeit. Diese Reihe soll mich selbst daran erinnern, warum der Lehrberuf so großartig ist.

Der Schuljahresanfang ist immer sehr anstrengend – in der Rolle einer Schulleitung aber besonders. Zahlreiche Pläne müssen verteilt, überarbeitet und erklärt werden – alle möglichen Listen, Sicherheitsbelehrungen und Kursmappen ausgefüllt und abgegeben. In all der Hektik kommt jener Bereich zu kurz, der mir am Lehrerberuf mit am meisten Spaß macht: Die Möglichkeit, sich kreativ austoben zu dürfen.

Objektiv: Die Kunst des „Wie“

Durch ministeriale Erlasse und Lehrpläne sind mir bestimmte Pfade vorgezeichnet. In Englisch müssen die Kinder im Laufe des Schuljahres diese und jene Vokabeln beherrschen, in Mathematik diese und jene Kenntnisse erlangen.

Das Ziel ist gesetzt und durch Zentrale Prüfungen auch relativ starr.

Aber auf dem Weg dahin genieße ich eine großartige, pädagogische Freiheit. Denn „wie“ ich einen Stoff vermittle, bleibt mir überlassen. Aus meiner Schulzeit sind mir noch die Wege „Lehrervortrag“ und „Stillarbeit“ im Gedächtnis geblieben, aber das ist sicher verfälschend verkürzt.

Wenn ich mir die Zeit nehme, Unterricht gut vorzubereiten, dann kann ich vielfach variieren und meinen Unterricht anpassen. Wie der große Bob Ross, der für sein Gemälde auf zahlreiche Farben zugreifen kann, können Lehrkräfte viele Methoden einsetzen, um den Unterricht zu einem Kunstwerk zu machen.

Exemplarisch aus dem Fach Arbeitslehre Technik:

  • 4-Stufen-Methode
  • 6-Stufen-Methode
  • 16-Schritte-Methode
  • Analogie-Methode
  • Brainstorming
  • Demonstration
  • Diskussion
  • Erkundung
  • Expertenbefragung
  • Fallstudie
  • Fehlersuchmethode
  • Fertigungsaufgabe
  • Gruppenpuzzle
  • Ideen und Methoden für das Fach ArbeitslehreInternetrecherche
  • Leittext-Methode
  • Mindmap
  • Objektanalyse
  • Produktentwicklung
  • Projekt
  • Referat
  • Rollenspiel
  • Stationenarbeit
  • Unterrichtsgespräch
  • Versuch/Experiment1

Je nach Stunde, je nach Unterrichtsphase ist mal die eine, mal die andere Methode passend oder zielführend.

Subjektiv: Kreativer Flow!

In einer ersten Stufe ist dieser Ansatz „okay“, aber nicht wirklich befriedigend. Wie ein Zimmermann, der für seine Arbeit auf eine Vielzahl von Werkzeugen zugreifen kann, ist die Kenntnis vieler Methoden hilfreich, aber nicht befriedigend.

Einen wirklichen Flow bekommt die Sache erst, wenn der Zimmermann sein Möbelstück entwerfen kann. Wenn er (oder sie) sich austobt. Und genau das ist der Punkt, der mir unglaublichen Spaß bereitet.

Ein erster Schritt ist dabei der Austausch mit anderen Lehrkräften. Was tust du so? Was begeistert dich? Was hat deine Klasse zuletzt mitgerissen?

Ich nutze dafür Twitter und den Hashtag #twlz, wo sich allerhand Kolleg*innen tummeln und miteinander diskutieren, helfen und inspirieren. Konkretes Beispiel: Die Grundlagen der englischen Sprache als U-Bahn-Netz für den Klassenraum!

Gute Gründe, Lehrer*in zu werden #3: Sei kreativ! 1

Vom ursprünglichen Tweet bis in meinen Klassenraum innerhalb weniger Tage.

Gute Gründe, Lehrer*in zu werden #3: Sei kreativ! 2Andere nutzen lieber Instagram. Auch dort finden sich zahllose Bastelleien, kreative Hefte und Ideen, den eigenen Unterricht liebevoll zu gestalten.

Immer wieder stelle ich mir die Fragen: Worauf habe ich selbst Lust? Wie habe ich es noch nie gemacht? Wie könnte es für die Schüler*innen noch ein wenig lustiger und verständlicher werden?

Erst heute habe ich mit meinen 9ern die binomischen Formeln gesungen. Waschecht mit Wikingergeschichte.

Und weil ich mich zwar mit Bob Ross vergleiche, aber über das künstlerische Talent eines Kindergartenkindes verfüge, verbringe ich manchmal Stunden damit, meine Arbeitsblätter mit Sketchnotes zu versehen oder Lernplakate zu gestalten. Ob der Bau eines Hühnerhauses mit meinem Technikkurs oder gruppendynamische Übungen mit meiner Klasse. Ob Besuch im Fußballstadion oder eine ganze Klasse im Rollstuhl.

In kaum einem Beruf darf man so frei, so kreativ und so bunt arbeiten und sich selbst und seine Arbeit immer wieder neu erfinden, wie in dem einer Lehrkraft.

Das liebe ich. Und es ist ein guter Grund, Lehrer*in zu sein.