Ich habe drei Töchter, die so unterschiedlich alt sind, dass meine Frau und ich manchmal scherzen, wir hätten drei Einzelkinder. Die Belastung im Beruf und die dräuende Omikron-Katastrophe in Sichtweite lassen mich die Momente mit meinen Kindern umso mehr genießen. Drei Einzelkinder zu haben, lässt mich dabei in unterschiedliche Welten eintauchen.

Familiengeschichten 1

Unsere Älteste wird immer weniger Tochter und immer mehr Mitbewohnerin. Sie kocht, übernimmt Teile des Haushalts und hütet beizeiten auch mal die kleineren Geschwister. Mit ihr habe ich heute „Alien Isolation“ gespielt. Man spielt Ripleys Schwester und läuft in der Ich-Perspektive auf einer riesigen, halbzerstören Raumstation umher und flieht vor.. naja.. dem Alien. Wir sind beide völlige Angsthasen und da passt es gut, dass das Spiel keine jahrelange Erfahrung benötigt und weniger auf Fertigkeiten und mehr auf Atmosphäre baut. Ständig zischt und klickert etwas und wir gruseln uns von Gang zu Gang vorwärts. Wunderbar! Schon lange habe ich nicht mehr so intensiv gespielt.

Familiengeschichten 2Mit der Mittleren dagegen wird gelesen und gebastelt. Kekse gebacken und Lebkuchenhäuser gebaut. Mit ihr tobe und kämpfe ich. Wildes Seemannsgarn wird ausgetauscht. Sie testet Grenzen aus und lernt zunehmend Verantwortung im Haushalt zu übernehmen.

Manchmal baue ich spätabends ihre Spielzeuge auf dem Frühstückstisch um die Kornflakespackung auf. In der Packung ist dann ein großes Loch, Kornflakes liegen herum, denn – na klar – die Tiere werden nachts lebendig und gehen auf Beutezug. Eine magische Welt und überall lauern Abenteuer. Morgens ist die Aufregung groß.

Ehrlicherweise genieße ich aber in ganz besonderer Art und Weise meine jüngste Tochter, die vergangene Woche ihren ersten Geburtstag gefeiert hat. Morgens ein begeistertes Strahlen, wenn ich das Licht einschalte und sie mich erblickt. Wenn sie sich umgehend auf die Matratze wirft und in ihrem kleinen Schlafsack davonrobbt, um sich in einer Ecke des Bettes zu verstecken, könnte ich sie auffressen.

Familiengeschichten

Tagsüber werden mühsam neue Worte gelernt und Laute artikuliert. „Papa“ hat schon eine Bedeutung. Und „Peppa Wutz“ kennt sie nur vom Geburtstagsballon, kann das aber viel klarer aussprechen als „Mama“ – was bei einem Teil der Familie für große Erheiterung sorgt absolut nicht in Ordnung ist!

Oft bringe ich sie ins Bett und dann suchen wir ihr Lieblingskuscheltier, einen Drachen, und jeden Abend versteckt es sich hinter ihrem Rücken, unter dem Schlafsack oder hinter ihren oder meinen Ohren. Immer wird wild um den Drachen gerungen, immer wird wild gekitzelt und gelacht. Jeden Abend aufs Neue. Ich liebe es.

In dieser Zeit voller Unbeständigkeit will ich umso mehr auf mich achten, da die Belastung an vielen Zeiten extrem zugenommen hat.

Sonderlich produktiv bin ich nicht mehr – die meisten meiner Projekte liegen auf Eis. Aber die wichtigsten drei Projekte, meine Kinder, denen widme ich mich intensiver als je zuvor.