Heute meldete sich mein Samsung Galaxy Tab S7+ mit dem Hinweis, das Update auf Android 12 sei nun verfügbar. Endlich, habe ich gedacht, nun werde ich glücklich!

Tagelang wurde mir das Update auf allen Kanälen angepriesen:

  • „Neuerungen in One UI 4 / Android 12“
  • „Nächstes Top-Smartphone erhält Android 12“
  • „So bekommst du jetzt schon Android 12“
  • „Android 12 wird endlich in Deutschland verteilt“

Ich bin die Zielgruppe

Täglich wurde ich mit „News“ (die Anführungszeichen setze ich bewusst) überschwemmt, wie sonst nur, wenn das nächste iPhone vor der Tür steht. Und als technikaffiner Mensch, als Nerd, bin ich eine leicht zu überzeugende Zielgruppe: Ich war gespannt auf die „über 60 Neuerungen“ mit dem Update. Und natürlich will ich das neueste Android haben!

Ich gehöre zur Gruppe der „Early Adopter“. Ich bin von neuer Technik leicht zu überzeugen und habe großen Spaß an technischen Spielereien. Die Halbwertszeit eines Smartphones beträgt bei mir gut ein Jahr, bevor ich es weiterreiche. Mein erstes echtes Smartphone war der XDA 2i (die Älteren werden sich erinnern), aber ich habe schon während der ersten Semester mit einem Palm m505 (hach..) und später einem Palm Tungsten T3 „gearbeitet“. In meiner Hochzeit (also… Hoch-Zeit, nicht die Hochzeit mit meiner Frau) habe ich eigens zusammengestellte Betriebssysteme auf meine Smartphones gespielt, die zig neue Funktionen freischalteten.

Will sagen: Ich habe ein Auge für Neuerungen und kann auch kleinere Veränderungen wahrnehmen. Und obwohl ich mit Samsung aus Gründen gerade eher knatschig bin, ist deren Update-Politik ordentlich.

Und nun, endlich, war ich an der Reihe.

Android 12 auf dem Samsung Galaxy Tab S7+

Endlich ist Android 12 auf meinem Samsung Tablet angekommen! Über Erwartungshaltung und Clickbaiting. 1Obwohl das Update viele hundert Megabyte groß ist, wurde es problemlos geladen, installiert und schon fünfzehn Minuten später hatte ich mein Tablet wieder am Start.

Und, vor dem Hintergrund, dass ich leicht zu überzeugen bin und ein Auge für Neuerungen habe: Es gibt nichts zu entdecken. Gar nichts.

Ich habe nebenher noch ein altes Tab S3 – inzwischen zum Spiele- und Lerntablet meiner Kinder degradiert, welches mit Android 9 läuft.

Und beides ist exakt gleich.

Man muss schon mit der Lupe suchen, um unterschiedliche Übergangseffekte zu bemerken. Um zu sehen, dass sich das Kalender- und Kontakte-Icon jetzt dem Hintergrund entsprechend farblich anpasst.

Und sonst?

Nichts.

Mich ärgert, dass ich selbst – einmal mehr! – auf Clickbaiting und übertriebe Werbeversprechen reingefallen bin und eine enorme Erwartungshaltung aufgebaut habe. Wenn das Update einfach heimlich nachts stattgefunden hätte, dann hätte ich den Unterschied nicht einmal bemerkt.

Wie soll ich damit umgehen?

Es ist ein Produkt unserer Zeit, beim Konsumenten immer spektakulärere Erwartungen zu schüren, im Nachklang mit der Enttäuschung zu leben und diese mit einer noch höheren, noch wilderen Erwartungshaltung zu betäuben. Gibt es einen Unterschied zwischen iOS 15.1 und 15.2? Kaum jemand wird das bemerken, und doch gibt es YouTuber mit Millionen Abonnenten, die nichts anderes tun als die unterschiedlichen Beta-Versionen zu vergleichen.

Vielleicht werde ich es eines Tages dann doch noch lernen, meine Erwartungshaltung der Realität anzupassen.

Andererseits gehört es zu meinem Berufsbild, von anderen immer das Beste zu erwarten. Schätze, da liegt noch ein langer Weg vor mir.

7 Gedanken zu „Endlich ist Android 12 auf meinem Samsung Tablet angekommen! Über Erwartungshaltung und Clickbaiting.“

  1. Moin,

    du willst echt eine .x-Version bei iOS/iPadOS mit einem Main-Update unter Android vergleichen? Wenn, dann muss es unter gleichen Bedingungen gelten. Also 14 auf 15. Und da sehe ich schon als eingefleischter Apple-User Unterschiede – im Detail. Einem Unbedarften wird es nicht sichtbar und wohl auch egal sein.

    Unter Android bin ich nicht zu Hause, bilde mir aber ein gelesen zu haben, dass Google ihr Android-System für Tablets bissel vernachlässigt. War denn das 12er System nicht mit dem „aufgefrischten“ Design. Zumindest auf den Smartphones soll es doch so sein.

    1. Tatsächlich sieht für mich iOS 11 wie 12 wie 13 wie 14 wie 15 aus. Aber da bin ich wirklich ein DAU und sehr oberflächlich.
      Dort wird bei Android wird ein normaler User ohne nachzusehen nicht den Unterschied feststellen können – Android 7 bis 12 sieht unter den UIs immer gleich aus.
      Ich glaube insgesamt nimmt die Bedeutung von Betriebssystemen ab, weil man sich 98% der Zeit innerhalb von Apps bewegt.

      1. Also von iOS/iPadOS 11 zu 15 ist schon gewaltig. Gerade iPads waren zu 11er Zeiten noch vor allem HomeButton-Geräte. Face-ID kam erst. Aber dann wurden die Wischgesten sehr ausgebaut, das Dock wurde macOS-ähnlich usw. Den heutigen Balken unten findet man ja auch heute unter Android. 😉 Wobei hier die Einstellungsmöglichkeiten bis zum Erbrechen ausgereizt werden können. Da war ich wie du damals gewesen: Alles ausreizen was geht. Heute bin ich da echt sparsamer.

    2. Da hast du aber in ein Bienennest gestochen, iOS-Updates als unbedeutend zu kennzeichnen. Hast ja ein paar Leute hier gut getriggert 😉 Auf deinen Artikel hin habe ich auch mal mein brandneues Tab S7 angeworfen und beim Update nachgesehen. Tatsächlich! Aber ebenso wie bei dir erkenne ich nach dem Update allein optisch fast keinen Unterschied. Irgendwas hat sich in der Dropdownleiste geändert, aber das war’s schon. Viel mehr Sorgen mache ich mir, ob die Hardware jetzt noch funktioniert. Streaming-Sticks reagieren ja gerne mal allergisch auf neue Betriebssysteme. Morgen im Unterricht werde ich es im Selbstversuch herausfinden…

    3. Ich schätze, es hat auch etwas damit zu tun, wie viel Zeit man schon damit verbracht hat, sich das Handy/Tablet nach den eigenen Bedürfnissen einzurichten. Da fliegt die ein oder andere Besonderheit sowieso schon bei der Neueinrichtung raus und erscheint dann auch gar nicht mehr nach der Aktualisierung auf meiner Bildfläche. Mein Wunsch ist ja, dass ich nach jedem Update alles noch genau so vorfinde wie ich es mir hübsch gemacht habe, nur alles etwas geschmeidiger. Das hat Android gerade geschafft, iOS nicht (meine dort mühselig sortierten Widgets und Apps haben sich so grundlegend verschoben, dass jetzt gar nichts mehr richtig passt).

    4. Updates bei irgendwelcher Software bedeuten in den allermeisten Fällen, dass Dinge, die das Programm immer schon konnte, einfach woanders versteckt sind und anders funktionieren, so dass man unnötigerweise mühsam umlernen muss…

      …die einzig notwendigen Updates sind Sicherheitsupdates.

    5. Dass du kaum einen Unterschied zwischen 11 und 12 erkennen kannst, liegt vermutlich daran, dass die größten Unterschiede die Bedienoberfläche betreffen. Da du aber Samsung-Geräte nutzt und diese mit ihrer eigenen Oberfläche kommen, siehst du davon wenig bis nichts. Vermutlich zu deinem Glück.
      Ich habe jedenfalls meine Frau selten so heftig und ausdauernd über ein technisches Gerät schimpfen gehört, wie nach dem Update ihres Pixel auf 12. Und nachdem ich bei ihr die neue, wirklich furchtbare Oberfläche gesehen habe, verzichte ich auf das Update.

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