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2 Wochen mit einem iPhone aus der Android-Perspektive

Weil sich mein Samsung Galaxy Fold 2 nicht mehr richtig öffnete, habe ich es eingeschickt und die vergangenen zwei Wochen mit einem iPhone X überbrückt. Das iPhone ist mein einziges (aktives) Apple-Gerät nach iPhone 3GS und 4 vor vielen Jahren. Nun kommt mein Samsung zurück und ich bin darüber gleichzeitig froh und sehr verärgert.

Dieser Artikel (der aufgrund seiner Länge in drei Teile gestückelt wurde) dient in erster Linie einer Reflektion meiner Erfahrungen und ist hochgradig subjektiv. Er soll mich bei der nächsten Apple-Keynote voll glitzernder Bilder, vollmundiger Versprechungen und ästhetischer Geräte daran erinnern, dass die Realität abseits eines Werbevideos oft trüb ist.

I. Dinge, die am iPhone großartig sind.

1. Design der Hardware

Es gibt eine Reihe Aspekte, die mir am iPhone wirklich gut gefallen – und in allererster Linie ist es das Design. Das Smartphone ist fantastisch proportioniert, weder zu leicht noch zu schwer, nicht zu groß und nicht zu klein. Ein Stück Technik, das sich wie Magie anfühlt. Samsungs „Curved Glas“, also ein Bildschirm, der über die Seitenränder hinausragt, war anfangs beeindruckend, ist inzwischen aber eher ärgerlich, weil er Fehleingaben provoziert. Das innere Display des Galaxy Fold ist zum Schutz von einem kleinen Plastikrahmen umgeben. Das iPhone ist einfach hübsch. Darüber hinaus ist der Vibrationsmotor beeindruckend. Jedes klicken fühlt sich tatsächlich so an, als würde ein kleines Zahnrad einrasten. Schade, dass ich das so selten genutzt habe.

iPhone Wetter2. Design der Software

An ganz vielen Stellen weiß die Software von iOS wirklich zu gefallen. Texte verschwinden hinter Milchglas, Übergänge sind fließend und führen das Auge stets mit. Alles fühlt sich fluid an. Dazu sind die Icons alle einheitlich, die Widgets passen perfekt in das Raster (was beim iPad offenkundlich gar nicht funktioniert) – an keiner Stelle stolpere ich über Unachtsamkeiten. Ich habe die Wetter App auf dem iPhone in zwei Wochen häufiger geöffnet, als in fünf Monaten Galaxy Fold – einfach, weil sie übersichtlicher und hübscher animiert ist: Wolken ziehen im Hintergrund vorbei, Schneegestöber weht durch das Handy. Für Nerds: Die Ähnlichkeit zu HTC Touch Flo von 2009 ist frappierend.

3. Der Akku ist ein Traum

Ich wusste ja nicht, was Akkulaufzeit bedeuten kann. Es mag daran liegen, dass ich wenig Spiele und Apps installiert habe – aber die Akkulaufzeit des iPhone schlägt jedes je von mir besessene Android-Gerät um Längen. Abends mit 64% ins Bett. Ich bin zutiefst beeindruckt.

4. Kleinigkeiten sind angenehm

Setze ich mich ins Auto, startet zielsicher und immer Audible. Rufe ich jemanden an, dann poppt fingerfreundlich ein Auswahlmenü auf, ob ich via Blueooth, Lautsprecher oder ganz normal telefonieren will. Sehr zuvorkommend.

Außerdem die Badges: Die kleinen Zählmarken funktionieren zuverlässig und überall. Das ist unter Android eher so ein „joa… hier mal ja, dort mal nee.

Fazit

Insgesamt wirkt das iPhone an vielen Stellen augenscheinlich durchdachter. Das beginnt bei der Vorgabe der Icons, die nicht so ein Chaos zulassen, wie unter Android. Samsung eifert dem mit seinen „Squircels“ nach, allerdings kann ich mich mit diesen zerknautschten, comicartigen Vierecken nur bedingt anfreunden. Die Taschenlampe auf dem Homescreen habe ich mehr als einmal genutzt. Vieles ist praktisch – aber vor allem schön.

 

II. Dinge, die am iPhone eher so mittel sind.

Es gibt eine paar Aspekte, die ich nicht so recht beurteilen kann. Sie stören mich, aber ich will nicht ausschließen, dass ein erfahrener User eine Lösung finden würde. Bei dem ein oder anderen liegt es auch an meiner Infrastruktur.

1. Connectivity

Bleibe ich beim Auto: Einem Android-Gerät kann ich sagen: „Wenn du mit dem Auto-Radio/der Wohnzimmer-Anlage verbunden bist, verstehe das als „sicheren Ort“ und entsperre dich ohne Muster, PIN oder sonstwas. Das ist praktisch, weil man in der Autohalterung dann mal schnell Audible starten kann – ohne irgendwelche Fingerabdrücke einzuscannen. Beim iPhone habe ich diese Funktion nicht gefunden.

2. Werbung. Überall Werbung.

Außerdem: Obwohl man Google gemeinhin vorwirft, eine Datenkrake zu sein und alles und jeden mit Werbung zu versorgen, was nur irgendwie Interesse zeigt – aber beim iPhone werde ich stellenweise mit aggressiver Werbung erschlagen. Totaler Wahnsinn. Einige Apps sind so mit Werbung zugepflastert, dass eine Bedienung schier unmöglich scheint – und die Werbung lässt sich dann manchmal auch nicht wegkaufen. Außerdem macht Apple gerne Werbung für sich selbst. Maßband, „Wo ist“, Aktien, Bücher, Karten, Wallet, Health. Und innerhalb der Apps („Bücher“) unübersichtlich viele Angebote für „kauf dies“ und „kauf das“: „Hörbuch der Woche“ „Neu und angesagt“ „Beliebt“.

Äh.. Und wo sind meine eigenen…?
Samsung macht das stellenweise auch – vielleicht bin ich an der Stelle aber betriebsblind geworden. Außerdem will ich nicht ausschließen, dass sich meine Probleme durch den Einsatz von kostenpflichtigen Apps lösen lassen.

3. Meine Infrastruktur passt nicht.

Bedingt durch meine Hardware ist die Kombination mit Android schlichtweg einfacher: Vom PC aus Nachrichten beantworten, Copy & Paste zwischen PC und Smartphone. All das geht zwischen Windows und Android wohl ebenso flüssig, wie unter iPhone und MacBook. Aber halt nicht unter Windows und iPhone.
Schade, aber kann das iPhone nix für.

4. Apps werden im Hintergrund geschlossen

Beim Galaxy Fold 2 ist eine einmal geöffnete App eigentlich immer offen – das Gerät hat RAM-Speicher ohne Ende. Der Wechsel von einer App zur anderen geht im Bruchteil einer Sekunde. Beim iPhone X merkt man, dass im Hintergrund die Apps geschlossen werden. Wenn ich nach zwei Stunden Signal nochmal öffne, dauert das ein paar Sekunden und muss ganz neu gestartet werden. Das macht fehlendes Multitasking (siehe unten) noch eine Spur langsamer.
Liegt vielleicht auch daran, dass das iPhone X schon ein paar Jahre alt ist. Fühlt sich aber mau an.

5. Die Digitale Assistenz ist ausbaufähig

Ich wachte meist vor dem Wecker auf. Eigentlich immer. Und zu meiner Morgenroutine gehört, dass das Galaxy dies erkennt und eine Meldung aufpoppt: „Wollen Sie den Wecker für heute ausstellen?“

Ja! Gerne! Denn ich will den Rest des Hauses nicht wecken.

Vielleicht geht so etwas auch beim iPhone – aber gefunden habe ich es nicht.

6. Taskmanager als Sinnbild für das iPhone

Der iPhone Taskmanager ist so ein Ding, dass sinnbildlich für das ganze Gerät steht. So sieht er beim iPhone aus:

2 Wochen mit einem iPhone aus der Android-Perspektive 1

Alle Apps werden in animierten Karten hintereinander aufgereiht. Das ist hübsch und elegant. Und umständlich. Denn so sieht er für mich beim Galaxy aus:

2 Wochen mit einem iPhone aus der Android-Perspektive 2

Hier kann ich zielsicher auch auf die vor-vor-vorletzte App springen. Dabei geht es mir nicht darum, eine Sekunde Zeit einzusparen (so wichtig bin ich nicht), sondern nicht aus meinem Workflow herausgerissen zu werden (so wichtig bin ich mich selbst nämlich).
Samsungs GoodLock erlaubt mir eine Umgestaltung: Hübsch aufgefächerte Karten wie beim iPhone, nebeneinander wie beim Pixel, übersichtlich wie auf dem Screenshot oder gar eine stumpfe Liste. Was immer ich brauche, ich bekomme es.

Das eine ist schön. Das andere ist praktisch.

Fazit

Mit den meisten der genannten Aspekte könnte ich vermutlich leben. Ich will nicht ausschließen, dass ich an der ein oder anderen Stelle zu dämlich bin, eine Lösung zu finden. Wenn ich andere BezahlApps leisten würde, könnte ich manche Werbeschleuder sicher umgehen. Einige Punkte sind sicher kleinkariert, andere gehen mir richtig auf den Zeiger.

III. Dinge, die am iPhone einfach gaga sind.

1. Einstellungen. Überall und nirgendwo sind Einstellungen.

Warum sind die Einstellungen bei manchen Apps in der App zu finden – manchmal aber in den Handy-Einstellungen? Sortierung der Kontakte oder Einstellungen zur Kamera finde ich in den globalen Handyeinstellungen – neue Konten in Outlook hinzufügen jedoch in Outlook selbst. Das ist inkonsequent. Und, Thema Kamera: Welche Auflösung haben meine Fotos? Warum kann ich das nirgendwo einstellen?

Bei Android: Einstellungen zur Kamera in der Kamera App. Einstellungen zu den Kontakten in der Kontake-App. Etc.

2. iTunes als Tor zum Smartphone oder: „DU KOMMST NICHT VORBEI!“

Sobald ich eigene Inhalte auf das Handy laden möchte, muss ich zu iTunes greifen. Der goldene Käfig greift. Ich könnte mir natürlich auch einen CloudPlayer für 8,99 € kaufen. Aber dann wären meine anderen Dokumente/Fotos/Ordner noch nicht synchronisiert. iTunes ist etwas umständlich, aber zu verschmerzen – wenn die Software denn irgendwie halbwegs sinnvoll wäre.
Nachdem ich einige Hörbücher hinzugefügt habe, stürzt iTunes ab. Und startet auch nicht mehr. Nie mehr. Ich kann keine Musikordner auf mein iPhone schieben. Ich hasse iTunes. Ich hasse alles daran. Ich fühle mich wie der Balrog und iTunes ist Gandalf. Klein und unwichtig. Und unüberwindbar.

Bei Android: Handy anschließen. Wird vom PC als externer Datenspeicher wie ein USB-Stick erkannt. Kopieren, was man haben will, wohin man es haben will, fertig. Oder eine Ordner-Sync-App herunterladen, die das Ganze im Hintergrund macht.

2 Wochen mit einem iPhone aus der Android-Perspektive 33. Entsperrmöglichkeiten

Bei beiden Handys cool: Ich nehme sie auf und sofort springen sie an. Das Galaxy hat Kamera-Erkennung und einen Fingerabdrucksensor und kann auf Wunsch den Sperrbildschirm überspringen, so dass ich augenblicklich meinen Homescreen sehe. Beim iPhone muss ich – mit Maske – erst hochwischen und dann ständig die PIN eingeben. Ich habe in zwei Wochen iPhone öfter meine PIN eingeben müssen, als in den letzten zwei Jahren Android. Das Hochwischen nervt auch ohne Maske. Das Apple sich bis heute weigert, einen Fingerabdrucksensor im Power-Button oder unter dem Bildschirm zu verbauen empfinde ich als ignorant. Mit Maske ist FaceID völlig überflüssig. Und komme mir keiner mit „Wenn jemand eine Maske aus deinem Gesicht bastelt ist FaceID sicherer, als die Erkennung von Samsung.“ Klar. Ich habe auch sonst keine Probleme im Leben. Wenn jemand eine Maske aus meinem Gesicht basteln will, gebe ich ihm den Code schon freiwillig.

4. Schalter und Knöpfe

Etwas blöd – aber vielleicht Gewöhnungssache: Mein iPhone ist voller Screenshots, weil der Power-Knopf und die Lautstärketasten direkt gegenüber liegen. Ständig erzeuge ich unbeabsichtigte Screenshots.

Den kleinen Schalter um zwischen laut/leise umzuschalten, fand ich beim iPhone nur in den ersten zwei Tagen cool. Denn bei Android gibt es im Kontrollzentrum ein dreischrittiges Lautsprechersymbol – laut, Vibrationsmodus oder stumm. Klick, klick, klick. Ein Wechsel innerhalb einer Sekunde.
Beim iPhone gibt es mit dem Schalter nur die Unterscheidung zwischen laut und Vibration. Der Schalter ist cool – aber in seiner Funktion begrenzt. Nachts brauche ich keinen Vibrationsmodus und in der Schule keinen Ton. Also muss ich ständig in die Einstellungen.

5. Ein Alptraum: Die „Zurück“-Geste

Die bisher aufgeführten Aspekte wären zu verschmerzen gewesen – aber die eigentlichen Bauchschmerzen beginnen erst.

Die „Zurück-Geste“ ist für mich unter iOS unerträglich. Mal geht es „zurück“ über einen eingeblendeten Button links oben in der App, mal geht es über die Wisch-Geste vom Bildschirmrand nach rechts. Schaue ich mir ein Foto an, geht es „zurück“, indem ich nach unten wische.
Noch schlimmer: Innerhalb einer App wechselt das: Schaue ich mir bei Audible einen Buchvorschlag an, komme ich über „Wischen“ zurück. Sehe ich aber mein aktuelles Hörbuch, funktioniert wischen nicht. Dann muss ich den Knopf benutzen. Das ist völlig willkürlich und inkonsistent. Jedes mal bin ich irritiert, ärgere mich und werde aus der Bedienung gerissen. Bei Android geht es immer (!) über einen Wisch von der Seite, bei Samsung sogar auf Wunsch von beiden Seiten, weil die rechte Seite für den Daumen erreichbarer ist. Und wer will, kann sich unten die alten Tasten einblenden lassen.

Die Inkonsistenz zieht sich wie ein roter Faden durch das Gerät. Auf dem Sperrbildschirm sind zwei Knöpfe: Taschenlampe und Kamera. Beide sehen gleich aus. Aber den einen muss ich feste drücken, den anderen.. nunja, der andere reagiert (bei mir) gar nicht. Kurz drücken, lang drücken, drücken und ziehen. Um die Kamera zu starten, muss ich vom rechten Seitenrand wischen. Die Taschenlampe kann ich mit einem Wischer von links aber nicht aktivieren. Was soll denn das? Für zwei identisch aussehende Knöpfe habe ich überraschend lang gebraucht, herauszufinden, wie ich das eine, wie das andere starte.

Nochmal: Es geht nicht darum, eine halbe Sekunde einzusparen. Deswegen komme ich auch nicht mit Benchmarks oder Prozessorleistung. Es geht darum, dass ich nicht über das System stolpere, mich ärgere und grübeln muss, wie man aus der Situation wieder herauskommt. Und das passiert ständig.

6. Die „Teilen“ Funktion

Die Möglichkeit, Inhalte zu teilen ist unter iOS schon sehr begrenzt, aber das Menü dazu ist zunächst umständlich (zig Klicks, bis man die gewünschte App gefunden hat) und dann auch oft unnütz. Ein Alltagsbeispiel: Ich schieße ein Foto und schaue mir direkt aus der Kamera-App die Ergebnisse an. Ich finde eines, das mir gefällt und „teile“ es nach Instagram.

Android: Instagram öffnet sich. Schneide das Bild zurecht. Wähle einen Filter aus. Blabla. Insta halt.

iPhone: Veröffentliche das Bild genauso wie es ist. Mehr geht nicht. Wtf?

Auf dem iPhone muss ich erst Instagram öffnen, dann erneut durch meine Bilder scrollen und das genannte wiederfinden. Erst dann kann ich es weiterverarbeiten. Wozu gibt es den „teilen“-Knopf überhaupt?

7. Wer hat sich diese App-Mediathek ausgedacht?

Die App-Mediathek ganz rechts ist völlig gaga: Eine Übersicht, die nach einem undurchschaubaren – und nicht von mir zu beeinflussenden – System die Apps in Gruppen zusammenstellt. „Kontakte“ ist unter „Produktivität“, aber Chrome und der Taschenrechner unter „Dienstprogramme“. Wenn ich eine App nicht auf den ersten Blick finde, muss ich oben die Suche benutzen. Aber dann könnte ich auch von Anfang an die Suche im Homescreen nutzen und hätte überdies noch Zeit gespart. Ein Nutzen erschließt sich mir nicht und ich habe kein einziges Mal eine App aus der Mediathek gestartet.

Bei Android sind in der vergleichbaren App-Übersicht einfach alle Apps nebeneinander aufgelistet. Ich kann daraus eigene Ordner machen, muss das aber nicht. Samsung erlaubt eine Sortierung nach Alphabet oder „zuletzt installiert“. Aber auf keinen Fall setzt Android mir irgendwelche Ordner vor die Nase, beschriftet die selbst und versteckt die Apps dann in ihnen.

8. Das Kontrollzentrum

Das Kontrollzentrum – also die Knöpfe für WLAN an/aus etc. – beim iPhone kann ich nur erreichen, wenn ich von ganz rechts oben herunterwische. Das ist schwer zu erreichen und dann fehlen mir auch wichtige Knöpfe: Hotspot erzeugen z.B. Dazu muss ich dann wieder in die Telefoneinstellungen gehen.
Bei Android kann ich irgendwo auf dem Homescreen herunterwischen und Benachrichtigungen und Kontrollzentrum erscheinen direkt. Kein Strecken nach dem oberen Bildschirmrand. Die Kontrollleiste kann ich beim Galaxy mit zig Knöpfen anpassen. Das geht auch direkt aus der Leiste heraus und nicht irgendwo versteckt in den Einstellungen. Unter Android wird mir außerdem der Akku-Stand von angeschlossenen Bluetooth-Geräten angezeigt. Im iPhone habe ich das nicht gefunden.

9. Benachrichtigungen

Galaxy Fold 2

Die Benachrichtigungen erhalte ich beim iPhone, wenn ich aus der linken oberen Ecke nach unten wische. Sie sind graphisch schön, aber völlig überladen: Auf dem Sperrbildschirm kann ich sie meist nicht lesen (und wenn ich die Pin eingebe, entsperrt es sich und ich muss sie erneut von links oben herabziehen).
Nach vier Stunden Unterricht erwarten mich da Dutzende Einträge: Teams, Mails, Kalender, Signal, Twitter. Jede Meldung ein eigener Eintrag. So viele, dass ich sie unmöglich abarbeiten kann und eigentlich immer direkt auf „alle löschen“ klicke.

Unter Android erreiche ich die Benachrichtigungen, indem ich – siehe oben – irgendwo auf dem Homescreen nach unten wische – kein mühsames strecken nach irgendwelchen Ecken. Außerdem kann ich direkt in der Benachrichtigung antworten, die Einträge werden außerdem gruppiert dargestellt – ich kann also bspw. alles von Twitter auf einen Schlag entfernen, aber den Rest stehen lassen.

10. Multitasking

Auf dem Samsung Galaxy kann ich zwei Apps nebeneinander öffnen – auf dem inneren Bildschirm sogar bis zu vier. Teams, Kalender, Mails, Signal. Was auch immer. Links recherchieren, rechts einfügen. Habe ich mehr als einmal genutzt. Beim iPhone kann ich immer nur eine App sehen und dann eher mühsam wechseln. Hm.

 

Fazit: das iPhone ist nichts für mich…

2 Wochen mit einem iPhone aus der Android-Perspektive 4Das iPhone ist ein zauberhaftes Stück Technik. Es strahlt eine Ästhetik und Kunst aus, die seinesgleichen sucht. Aber ich komme mir vor, wie mit einem Kinderspielzeug: Das Gerät ist elegant und ansehnlich und wie ein Stück Magie – aber auch beschränkt, oberflächlich und nicht darauf angelegt, damit ernsthaft zu arbeiten. Man kann sich damit nicht verletzen. Man kann damit aber auch nichts wirklich Spannendes machen.

Nach zwei Wochen stelle ich fest, dass ich weniger Zeit am Handy verbracht habe, als vorher. Das ist gut. Aber ich musste mehr Zeit am Computer verbringen – und das ist schlecht. Vieles ging nicht oder umständlich.

Ich bin wirklich froh, dass ich mal ein paar Tage mit dem iPhone gespielt habe und weiß trotz dieser ernüchternden Erfahrung, dass ich bei der nächsten Apple Keynote wieder dasitzen und mich begeistern lassen werde. Da mein Galaxy zwei Simkarten schluckt, kann ich das iPhone nicht mal guten Gewissens als Zweithandy behalten – und werde es wohl wieder zurück ins Meer von ebay Kleinanzeigen werfen, von wo ich es herausgefischt habe.

…aber mit Samsung bin ich gerade auch nicht glücklich

Nach anderthalb Wochen halte ich nun mein Samsung Galaxy Fold 2 wieder in den Händen – und bin gleichzeitig froh und genervt.

Repariert ist es nämlich nicht!

Der Support von Samsung beruft sich auf eine Schramme an der Rückseite und verweigert darum eine Garantie. „Ob ich einen Austausch des Bildschirmes für 622 € wolle?“
Freunde… Das Scharnier ist kaputt, nicht der Bildschirm!? Aber für eine rechtliche Auseinandersetzung fehlt mir der gelangweilte Anwalt in der Familie.

Das Gerät wurde mir also unberührt zurückgeschickt und ich hätte mir den ganzen Aufwand sparen können. Das ist frustrierend und spricht weder für Samsung, noch für faltbare Handys insgesamt. Nach 9 Monaten muss ein so teures Smartphone (aktuell 1400 € bei Amazon) der Premium-Oberklasse wie am ersten Tag laufen. Zusätzlich nervig: In den Kommentaren meines ersten Artikels (hier) schrieb jemand vom gleichen Problem. Ich habe Samsung meinen Unmut kundgetan und harre der Dinge, die da kommen, rechne aber nicht mit einer Veränderung.

Denn bei aller Liebe – das wird dann wohl mein letztes faltbares Smartphone gewesen sein. Vielleicht ist die Scharnier-Lösung des Microsoft Surface Duo mit zwei getrennten Bildschirmen am Ende doch langlebiger?

Und damit geht dieser letzte Punkt dann wohl an Apple.

8 Gedanken zu „2 Wochen mit einem iPhone aus der Android-Perspektive“

  1. Haha…

    ja, so ist das, wenn man sich an ein System „gewöhnt“ hat. Würde mir auch so gehen, wenn ich vom iPhone zu Android wechseln würde.
    Das mit den Einstellungen unter iOS kann ich aber nachvollziehen… Alles andere… nun ja. Die wesentlichen Dinge kann man eben einstellen, was hier in dem Bericht nicht so der Fall war. Vielleicht doch schon zu lange raus?
    Ach, und ernsthaft arbeiten auf einem Smartphone… Das beißt sich.
    Im übrigen habe ich auf einer Techseite gelesen, dass zukünftig unter Android de Cam permanent eingeschaltet ist. Sicher, es gibt dafür kleine nette Tricks in der Szene. Aber der gemeine User versteht das nicht. Und da gibt es zig Dinge, die man zwar unter Android machen kann… Aber wozu? Da gibt es andere Gerätegrößen.
    Wo ich jedoch weiter zustimmen kann, ist die Zurück-Funktion, die jedoch unter iPhone seinerzeit neu mit dem unteren Balken eingeführt hat, was Android übernommen hat. Der Button oben links, der zuweilen auftritt, hat aber eine ähnliche Funktion: Zurück zur letzten App. Unten kann man durch alle geöffneten Apps swipen.
    Fazit: Manche aufgeführten Dinge sind echt keine nennenswerten Dinge, weil es einfach Geschmackssache ist. Und das ist auch gut so, dass man wählen kann.

  2. Schöner Artikel.
    Eine allgemeine Ergänzung hätte ich noch.

    Was mich ja in der Android Welt wirklich stört, ist die mitunter sehr mangelhafte Updatepolitik der jeweiligen Hersteller. Ausnahme ist hier wohl nur Google mit ihren eigenen Telefonen.

    Für mich ist ein Smartphone ein Computer, mit dem man telefonieren kann. Und ich will keinen Computer, der Software- und sicherheitstechnisch nicht auf dem aktuellen Stand ist. Gerade im Hinblick auf die vielen persönlichen Daten wie Banking, mobiles Bezahlen, Nachrichten usw.

    Es ist einfach vorbildlich, dass mein iPhone SE von 2016 noch mit allen Updates von Apple versorgt wird.

    Gruß

    1. Alsovor wenigen Tagen hat auch das Samsung Galaxy S8 von 2017 ein aktuelles Sicherheitsupdate erhalten.
      Ich glaube, dass wird oft falsch eingeschätzt: Die Updates bei Android laufen zumeist über die Google Play Services und werden kontinuierlich ausgespielt, anders als bei Apple. Ob sich das Ding Android 9, 10 oder 11 nennt werden Sie in der Bedienung nicht bemerken.

      1. Das sind „nur“ Sicherheitsupdates fei Android, die es auch noch länger unter iOS/iPadOS gibt als diese magischen 5 Jahre. Bei letzteren Systeme sind es aber Systemupdates mit neuen Funktionen – soweit die Hardware das noch mitmacht.

        1. Ich glaube, Sie irren sich. Ab Android 4.4 können Sie praktisch das gleiche Android nutzen, wie unter 12.
          Mails, Google Play, Google voice etc.
          Da gibt es so gut wie keine Unterschiede. Ich wüsste nicht, was an meinem alten HTC im Kern anders war, außer weniger Speicher und alter Kamera. Meine Schwiegermutter nutzte bis vor kurzem noch ein HTC one m7 und da lief genauso alles drauf, wie bei mir.

      2. Natürlich ist das iPhone ein schönes Stück Hardware und iOS ein gutes Betriebssystem und es wird die gehobenen Ansprüche der Benutzer gut erfüllen.
        Wer jedoch sein System maximal an seine Ansprüche anpassen und möglichst effizient arbeiten möchte, ist mit einem Android-Gerät besser bedient.
        Dabei kann es sein, dass das System mal nicht so rund läuft, aber man kann sich mit etwas Know-how relativ schnell behelfen.

        Sicherlich sind Sicherheitsupdate wichtig, aber man kann sich auch teilweise anderweitig gut schützen.
        (Welcher Prozentsatz weiß schon, was genau gepacht wurde und wie hoch hier das individuelle Sicherheitsrisiko einzuschätzen ist.)

      3. Pingback: Endlich ist Android 12 auf meinem Samsung Tablet angekommen! Über Erwartungshaltung und Clickbaiting. - Halbtagsblog

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