Am Sonntag fragte mich eine Freundin, wie es mir eigentlich ginge.

Interessanterweise unterhielten wir uns im Folgenden gar nicht mehr darum, wie es uns jeweils ginge, sondern die Bedeutungs(-losigkeit) der Frage. Und seltsam passend schrieb die Journalistin Nicole Diekmann am Montag in ihrem Blog über grundsätzlich glückliche oder unglückliche Menschen und stellt die Frage: Kommt erst das Leben oder erst die (Un-)Zufriedenheit?

Meine Tage sind gerade geprägt von schulischer Nachbereitung des aktuellen und Vorbereitung des kommenden Schuljahres. Stichpunktartig aufgeführt:

  • Ordnungsmaßnahmen und erzieherische Gespräche. Ich hoffe, das ist jetzt die letzte Welle vor den Sommerferien.
  • geflüchtete Kinder aus der Ukraine bei uns einbinden und immer schauen: Brauchen die gerade Inhalt oder Struktur oder nur jemanden, der sie in den Arm nimmt?
  • Die 6er wählen mit Beratung ihrer Klassenlehrkräfte ihr 4. Hauptfach. Das gibt Jahr für Jahr Knatsch und Diskussionen, weil man zwar Wünsche äußern kann, aber Raum und Personal sind Grenzen gesetzt. In die Küche passen nicht mehr als 15 Kinder rein.
  • Die 7er hatten in ihrem Wahlpflichtfacht „Arbeitslehre“ nun jeweils ein halbes Jahr Technik und Hauswirtschaft und wählen für die Zukunft, was sie lieber wollen. Man ahnt es: Knatsch und Diskussion. Wählen 20 Hauswirtschaft, gibt es lange Gesichter.
  • Eine Lehramtsanwärterin langweilt sich in meinem Unterricht, weil,  hüstel, ich überhaupt nicht in Aktion trete. Die Kinder arbeiten völlig allein. Ich schließe eigentlich nur den Raum auf und wieder zu. Da hatte sie sich mehr erhofft. Habe sie eingeladen, zu Beginn des neuen Schuljahres bei einem frischen, neuen Kurs reinzugucken. Aber ohne große Erwartungen: Das läuft bei mir (leider) ab Stunde 2 genauso.
    „Naja, du bist ja auch nicht für meine Unterhaltung zuständig.“ Jep.
  • Heute Besuch von einer anderen Gesamtschule. Deren Schulleitung wollte sich unser (grandioses!) Schulkonzept live ansehen und wissen, wie wir das umsetzt haben: inhaltlich, technisch, organisatorisch und – vor allem – als Schule mit vielen, vielen Köpfen.
    Ich schaue wahnsinnig gerne in andere Schulen hinein und bin da unverschämt neugierig was andere Räume, Konzepte, Abläufe und Ideen angeht.
  • Für unsere nächstjährige Oscar-Verleihung habe ich bei ebay Kleinanzeigen wieder Pokale erstanden. Mein ganzes Büro quillt über vor Silberschmuck, als wäre ich ein sensationell erfolgreicher Supersportler.
  • Dazwischen viel unsichtbare Organisation: Accounts erstellen; Passworte zurücksetzen; Computer reparieren und die unsichtbare Infrastruktur Instand halten, die unsere Lernbüros, Werkstätten und Projektunterrichte zusammenhält. Stolz bemerkt, dass wir in diesem Jahr schon über 19.000 Lernbürostunden protokolliert haben, die sich jedem Schüler einzeln zuordnen lassen.
    "Wie geht's dir?" 1Verrückt, wie reibungslos das funktioniert.

Zurück zur Frage: „Wie geht’s dir?“
Obwohl es hin und wieder echte (und echt belastende) Hochdruckphasen gibt, habe ich den Eindruck, dass ich grundsätzlich immer gleich gestresst bzw. entspannt bin. Ja, Corona, Ukraine, Inklusion, Digitalisierung, leergelaufene Stellen – all das schlaucht und ist anstrengend. Aber ich bezweifle, dass es irgendwann wieder weniger wird. Der Stress wird nie wieder weniger. Es wird nie wieder „wie in der guten alten Zeit.“

Also muss ich entweder damit klarkommen, oder den Job wechseln. Change it, love it or leave it.

Aber ich bin recht entspannt. Was auch viel damit zu tun hat, dass ich als Teil eines unglaublichen SL-Teams arbeiten darf. Das feiere ich immer noch jeden Tag.

Außerdem steht übernächstes Wochenende das Treffen vieler wunderbarer Kolleg*innen aus dem Twitterlehrerzimmer in Kassel an. Da freue ich mich wirklich sehr, sehr, sehr drauf!