Im Augenblick ist die Stimmung eher semi – meine Frau und ich sind beide urlaubsreif.

Ich bin völlig überfordert - und das hilft mir an anderer Stelle sehr. 1Die älteste Tochter bewegt sich zwischen zwei Praktika an der Schule und eines in Aachen. Dazwischen muss sie zur Fahrschule gefahren werden und einmal die Woche zur Musikschule. Den Sommer verbringt sie in einem Austauschprogramm in England – ständig bekommen wir Briefe und Aufträge, was noch bis wann wohin zu schicken ist. Die mittlere Tochter ist von der Klassenlehrerin auf die Ferien-Lesebuddies aufmerksam gemacht worden. Außerdem steht ein Klassenfest an. Und ein Sponsorenlauf. Ein Zirkusbesuch. Und bitte an Zettel und USB-Stick denken für die Fotos vom Zoo-Besuch. Die jüngste Tochter hat demnächst Eingewöhnung. Und U7 oder U7a? Apropos: Der Hund hätte vor vier Monaten eine Impfauffrischung bekommen sollen. Der Hühnerhabicht hat zwei unserer Hühner gerissen.

An unserer wunderbaren, nagelneuen Küche konnten wir uns genau keine Woche erfreuen, bis ein geplatztes Heizungsrohr viele Wochen Zeit, Arbeit und Geld mit einem „kreativ schwarz-gesprenkelten Farbanstrich“ versehen hat. Dazu zwei große Löcher in der Wand. Die Reparatur wird dauern – weil: Handwerker.

Alle Wäschekörbe quellen über – gewaschen wird derjenige, der am meisten überquillt. Im Garten ist aus dem Rosenbeet ein Unkrautbeet geworden, das die Rosen ebenso noch toleriert. Der Pool ist notdürftig gestrichen – aber niemand findet Zeit, hineinzuspringen.

Dazu ist schulisch am Ende des Jahres allerhand los – zusätzlich zum Alltagsgeschehen bekommt unser Hauptgebäude einen neuen Fußboden und wir mussten alle unsere Büros räumen. „Moment mal, Jan!“, höre ich da eine Stimme, „du erzählst uns doch hier eine Räuberpistole: Hast du nicht erst letzten Sommer dein Büro räumen müssen, weil da die Decke neu gemacht wurde?“

Genau. Und ein Jahr später muss die gesamte Verwaltung, das Lehrerzimmer, Sekretariat und überhaupt alles wieder raus in die Gänge. Zwei Wochen vor den Sommerferien. Wo wirklich „high life“ in der Schule ist mit Abschlussprüfungen, Zeugniskonferenzen und Zeugnisdruck.

Ich arbeite mit meinem Computer irgendwo zwischen Bücherkisten und Werkzeugkoffern. „New Work“.

Das ich nicht lache.

Rubik-WürfelDie Tage erinnern mich an einen Rubik-Würfel.
Mit Ach und Krach schaffe ich es, jeden Abend für Ordnung zu sorgen, räume alles an seinen Platz. Aber am nächsten Morgen ist alles wieder durcheinander und versinkt im Chaos. Überaus frustrierend. Gerne würde ich meine Mutter fragen, wie sie das damals geschafft hat – mit vier kleinen, völlig wahnsinnigen und energiegeladenen Kindern. Ist mir unbegreiflich.

Ich überstehe das Chaos nur, weil ich Prioritäten setze – manche Dinge sind mir schlicht egal. Der Zettel zu den Sommerferien-Lesebuddies wandert unauffällig ins Altpapier. Ich verzichte auch auf Grundschul-Elternabende und Praktikums-Gespräche.

Diese Erfahrung nehme ich mit in die Schule.
Mit (vielleicht zu) großer Nachsicht blicke ich auf fehlende Unterschriften und vergessene Zettel meiner Schülerinnen und Schüler. Ich weiß, wie mir mit meinen drei Kindern abends der Kopf qualmt – kann ich es irgendeinem Elternteil verdenken, wenn sie nach langem Arbeitstag irgendwelche Zettel ihrer Kinder zu Wandertag, Sportfest, Trampolinhalle einfach müde zur Seite legen?

Und so lerne ich, bei aller Erschöpfung und Müdigkeit doch auch jede Menge Gelassenheit. Es wird schon.

Irgendwie.