Projektunterricht '22/23 2Die naturwissenschaftlichen Fächer gehören an meiner Schule zum „Projektunterricht“. Das bedeutet, zusätzlich zu den normalen Lerninhalten sollen sich die Schüler*innen ein Forschungsprojekt aussuchen und daran einige Wochen und Monate arbeiten. Ziel ist dabei nicht, den nächsten Physiknobelpreis im Unterricht zu erreichen, sondern auf der einen Seite wissenschaftliches Denken und kindliche Neugierde zu stärken und den Schüler*innen andererseits beizubringen, mal über einen langen Zeitraum an einem Projekt festzuhängen.

In diesem Jahr habe ich erneut eine 9. Klasse in Physik unterrichten dürfen und war gespannt, wie sich die Projekte (auch im Vergleich zu unserem ersten Anlauf im letzten Jahr) schlagen.

Schon im Vorfeld klar: Das Highlight des letzten Schuljahres wird in diesem (und wohl auch allen zukünftigen) unerreicht bleiben: Zwei Schüler hatten ein Katapult gebaut, um die Flugkurve unterschiedlicher Geschosse zu untersuchen. Dazu haben sie zusätzlich einen kleinen Computerchip programmiert, mit Sensoren versehen, ihn mitgeschleudert und die erhaltenen Daten ausgewertet. Obwohl diese Spitze auf absehbare Zeit nicht mehr getoppt werden wird, waren die Projekte insgesamt qualitativer als die des letzten Jahres.

Projektunterricht '22/23 3Untersucht wurden Flug- und Beschleunigungskurve einer Luftdruckrakete, wie man sie bei Amazon (Link) findet. Schön mit Excel und Videoaufnahmen. Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft hat eine Gruppe Elfmeter geschossen und die Geschwindigkeit des Balles mit dem von Profis verglichen – eine so gut erstellte Präsentation mit eingebundenen Zeitlupenvideos habe ich selten gesehen. Fallen große Regentropfen schneller als kleine? Welche Kraft kann ein rückstoßender Luftballon aufbringen? Wie viele Luftballons entsprechen dem Äquivalent zu einer startenden SpaceShuttle-Trägerrakete? Das waren schöne, live vorgeführte Experimente.

Ein wesentlicher Aspekt ist, dass wir wegkommen von einer Ergebnisbeschreibung hin zu einer Prozessbeschreibung. Ich möchte nicht (nur) wissen, was denn am Ende herausgekommen ist, sondern vor allem, wie man vorgegangen ist, welche Fehlschläge es gab und welchen Aufwand man betreiben musste.

Im zweiten Jahr macht der Projektunterricht noch mehr Freude. Nicht nur die Schülerinnen und Schüler haben klarere Vorstellung davon, was von ihnen verlangt wird. Auch ich weiß nun besser, an welchen Stellen die Kinder Unterstützung brauchen.


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